Arabische Sprache und Literatur

Arabische Sprache und Literatur. Die arab. Sprache ist eine semitische und hat wie ihre Schwestern bei aller Einfachheit eine bewundrungswürdige Fähigkeit, auch die abstracten Vorstellungen treffend zu bezeichnen. Der Himjaritische Zweig derselben ist ausgestorben, und der von Jemen durch Mohammed zur allgemeinen Schriftsprache geworden. Vor ihm hatte Arabien bereits gefeierte Dichter und es fanden große poetische Wettkämpfe statt, wo der Sieger mit einem Preise belohnt wurde; von diesen gekrönten Gedichten (Moallakat) sind noch 7 erhalten. Mohammed ist durch den Koran der Begründer der arab. Schriftsprache und der erste Klassiker seines Volks geworden. Als die Araber nach seinem Tode unter den ersten Khalifen Völker unterwarfen, die theils der neupersischen, theils der indischen, theils der christlichrömischen, theils der beginnenden christlichgermanischen Cultur angehörten, so blieb diese nicht ohne großen Einfluß auf sie, als sie die Behaglichkeit und den Reichthum des ansäßigen Lebens liebgewonnen hatten. Die Höfe ihrer großen Herrscher in Spanien und in Bagdad am Euphrat, und während der Auflösung des Khalifats die der Fürsten aus den verschiedenen Dynastien, welche sich in einzelnen Provinzen unabhängig machten, pflegten die Wissenschaft und Kunst mit edlem Wetteifer. Die Araber setzten als Schüler der Griechen deren Werk fort und wurden vielfach die Lehrmeister der abendländischen Christen, obwohl nicht zu leugnen ist, daß der Islam ebenso sehr der wissenschaftlichen Forschung enge Schranken zieht, als er der Kunst durch sein Verbot, Menschen und Thiere darzustellen, das schönste Feld entzieht und durch seine Erniedrigung des Weibes die Poesie verkümmert. Am meisten leisteten die Araber in der Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Physik und Chemie, was die Menge arab. Namen beweist, die in diesen Wissenschaften noch gebräuchlich sind; auch die Medizin wurde durch die Araber weiter ausgebildet. Nicht minder verdient machten sie sich um die Geographie und die Geschichte, obwohl der Koran auch der Auffassung der Geschichte entschieden ungünstig ist. Jahrhunderte hindurch blühte die arabische Cultur in ihrer eigenthümlichen, beschränkten Weise fort, bis sie mit dem wissenschaftlichen Streben bei dem Zusammenbrechen der arab. Reiche verschüttet wurde. Die arab. Cultur hat ihre Wirksamkeit auf die christlichen Völker des Mittelalters ausgeübt und dieselben auf ihrer Bahn gefördert; der Bildung des jetzigen Zeitalters steht sie in ihrer Einseitigkeit fremdartig gegenüber, so daß sie nur der Historiker studirt; selbst ihre Poesie findet nur in wenigen Erzeugnissen bei uns Anklang und bleibt ein fremdartiges Gewächs, wenn sie von einigen unserer Dichter bei uns angepflanzt wird. Die berühmtesten Namen arab. Gelehrten sind: die Geographen Ibn Haukal nach 800, Edrisi im 12. Jahrh., Jakuti im 13. Jahrh., Abulfeda, Leo Afrikanus, Ibn Batuta; die Historiker: Masudi, Abulfaradsch, Abulfeda, Nuvairi, Achmet al Mokri, Ibn Abi Zer, Abdollatif, Ibn Omar, Bohaeddin, Ibn Arabschah, Ibn Khaldun u.s.w. Als Philosophen und Aerzte sind allbekannt: Avicenna und Averrhoes, ferner Alkendi, Abulkasem, Ali ben Joa, Jahia ben Serapion etc.; die Astronomen Ali Ebn Isa, Jahia Ebn Abi Mansur, Achmet Ebn Abdallah, Abu Dschafar, Ebn Musa, Abul Hassan, Ebn Junis, Nasir Eddin Thusi etc. Die sog. arab. Ziffern sind eine indische Erfindung, die mit den Arabern nach Europa kam; Gerbert, später als Papst Sylvester II., soll sie Ende des 10. Jahrh. in Spanien kennen gelernt und nach Deutschland und Italien gebracht haben.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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