Armenschulen

Armenschulen, Unterrichtsanstalten für Kinder, deren Eltern nicht im Stande sind für den nothwendigen Unterricht aus eigenen Mitteln zu sorgen. Solche Anstalten sind zum Theil Privatstiftungen, theils Gemeinde-, theils Staatsanstalten, gewöhnlich wirkt Privatwohlthätigkeit, Gemeinde und Staat zusammen. Die Einrichtung dieser Schulen ist sehr verschieden, indem sie sich nach der künftigen Bestimmung der Schüler, dem Orte der Schule, ob in der Stadt oder auf dem Lande, und nach dem Vermögen der Anstalt richtet. Die meisten Armenschulen sind jetzt Armenerziehungsanstalten, indem die Kinder der Armen in dieselben aufgenommen, daselbst verpflegt, unterrichtet und erzogen werden. Im Allgemeinen wird in solchen Anstalten immer noch viel Zeit dem Schulunterrichte und zu wenig dem Lebensunterrichte, d.h. der eigentlichen, leiblichen Arbeit gewidmet; es wird noch zu sehr verkannt, daß die Arbeit das wichtigste Mittel der menschlichen Bildung ist, in dem sie Verstand, Gemüth, Körperkraft und Handfertigkeit ausbildet; denn die Arbeit lehrt denken, tragen, dulden, hoffen, freuen, lehrt erwerben und sparen, gibt Selbstgefühl, Kraft und Geschicklichkeit, bewahrt am meisten vor Langeweile, Thorheit, Eitelkeit und Ueppigkeit, vor Ausschweifung und Faulheit. Die Armenschulen erwarten in katholischen Ländern den religiösen Orden, der ihre Pflege zu seiner Hauptregel macht.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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  • Armenschulen — Armenschulen, Schulen, in welchen die Kinder unvermögender Leute nur in den nothwendigsten Gegenständen, als Lesen, Schreiben, Rechnen, Religion unterrichtet werden, theils um diesen Unterricht wohlfeiler zu haben, theils um den Kindern längere… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Armenschulen — Armenschulen, Unterrichtsanstalten für Kinder, deren Eltern das Schulgeld (s. d.) nicht bezahlen können. Die A., verdienstlich in Ländern und Zeiten, wo die allgemeine Schulpflicht noch nicht gesetzlich feststeht, verlieren ihre Berechtigung, wo… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Armenschulen — Armenschulen,   seit dem Mittelalter Elementarschulen, gegründet von Städten oder Orden für Kinder, deren Eltern das Schulgeld nicht aufbringen konnten, oft auch für Waisen und Verwahrloste. Durch Einbeziehung einfacher körperlicher Arbeiten… …   Universal-Lexikon

  • Armenschule — Armenschulen waren zuerst im 16. Jahrhundert gegründete Bildungseinrichtungen für Kinder aus armen Familien. Das Schulgeld entfiel für mittellose Eltern. Die Schulen wurden entweder privat oder staatlich finanziert. In katholischen Ländern waren… …   Deutsch Wikipedia

  • Wehrli — Wehrli, Joh. Jakob, geb. 1790 zu Heschikofen im Thurgau, Sohn eines wackern Schulmeisters, ergriff mit Liebe den Beruf seines Vaters, kam 1807 zu Fellenberg nach Hofwyl, dessen Ideen über Armenerziehung er ausführte (vergl. Armenschulen und… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Agneta Matthes — um 1880 Agneta Matthes, mit vollem Namen: Agneta Wilhelmina Johanna van Marken Matthes (* 4. Oktober 1847 in Amsterdam; † 5. Oktober 1909 in Delft), war eine niederländische Unternehmerin. Zusammen mit ihrem Mann Jacob van …   Deutsch Wikipedia

  • Bildungswesen in der Schweiz — Das Schweizer Bildungssystem (vereinfacht) Im Schweizer Bildungssystem liegt die Schulungsverantwortung nicht ausschliesslich beim Bund, sondern ist auf Grund des Föderalismus vorwiegend Sache der Kantone. Man unterscheidet folgende Bereiche des… …   Deutsch Wikipedia

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  • Madeleine Sophie Barat — (Magdalena) Sophie Barat (* 13. Dezember 1779 in Joigny in Burgund; † 24. Mai 1865 in Paris) ist Gründerin des katholischen Frauenordens der Sacré Cœur Schwestern, der als Erziehungsorden bekannt wurde. Als die Französische Revolution ausbricht,… …   Deutsch Wikipedia

  • Magdalena Sophie Barat — (Magdalena) Sophie Barat (* 13. Dezember 1779 in Joigny in Burgund; † 24. Mai 1865 in Paris) ist Gründerin des katholischen Frauenordens der Sacré Cœur Schwestern, der als Erziehungsorden bekannt wurde. Als die Französische Revolution ausbricht,… …   Deutsch Wikipedia

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