Beguinen

Beguinen, Beghinen, Begharden, Begutten, im Mittelalter religiöse Vereine, von freierer Verfassung als die klösterlichen, indem sie keine ewigen Gelübde ablegten, nicht gänzlich auf Eigenthum verzichteten und keine eigentliche Clausur hatten. Statt des Klosters war der B. hof, eine Anzahl kleiner Häuser mit gemeinschaftlicher Mauer umschlossen; in jedem Häuschen lebten 1 oder 2 B. als eigene Haushaltung; mit Erlaubniß der Oberin durften sie ausgehen, indem sie in den Städten Wasch-, Näh- u. dergl. Arbeiten übernahmen, Kranke pflegten, Kindern Unterricht gaben u.s.w. Jeder B. hof hatte in der Regel seinen eigenen Pfarrer, seine eigenen Statuten, sowie eigene Kleidung. Ihre Entstehung fällt wahrscheinlich in das 12. Jahrh. und wird einem Priester in Lüttich, Lambert le Begues oder le Beghe zugeschrieben, von dem dann auch der Name herkäme. Dem Beispiel der B. vereine folgend bildeten sich ähnliche von Männern, die Begharden genannt wurden, die sich besonders von der Weberei ernährten und in den Kirchen die niederen Dienste verrichteten. Von Belgien breiteten sich diese Vereine über Frankreich, Italien und Deutschland aus; nach den Kreuzzügen ist aber bereits eine Entartung derselben sichtbar, nicht bloß in sittlicher Beziehung, sondern es fanden die Häresien jener Zeit, namentlich die der Brüder und Schwestern vom freien Geiste in den B.höfen Anhang und Versteck. Daher schritten im 14. Jahrh. Synoden und Bischöfe ein, viele B.höfe wurden aufgehoben, viele Mitglieder derselben traten zu den Tertiariern der Bettelorden über; daß die Reformation die noch übrigen B.höfe in ihrem Bereiche zerstörte, versteht sich von selbst. Gegenwärtig bestehen diese Vereine nur noch in Belgien, wo sie geachtet und zum Theil sehr zahlreich sind.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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  • Beguinen — Beguinen, s. Beginen …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Beguinen — Beguīnen, s. Beghinen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Beguinen — Beguinen, eigentlich die Nonnen eines Klosters, welches Begga (daher der Name), die Tochter Pipin s, für adelige Fräulein stiftete. Im Mittelalter bezeichnete man mit diesem Namen eine Art Pietisten. Weibliche Religiosen bildeten nämlich, ohne… …   Damen Conversations Lexikon

  • Beguinen — Als Beginen und Begarden wurden ab dem 13. Jahrhundert die Angehörigen einer Gemeinschaft christlicher Laien bezeichnet. Beginen (weibliche Mitglieder) und Begarden (männliche Mitglieder) führten ein frommes, keusches Leben in ordensähnlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Begga, S. — S. Begga, Vid. (17. Dec. al. 16. Jan. 6. 7. Juli). Die hl. Begga war die Tochter Pipins von Landen und Schwester der hl. Gertrudis von Nivelle. Sie vermählte sich mit Ansegis, dem Sohne des hl. Arnulph, der später Bischof von Metz wurde (S.… …   Vollständiges Heiligen-Lexikon

  • Lambertus (19) — 19Lambertus, (25. Juni), mit dem Beinamen le Begues oder le Beghe, ein frommer Priester, lebte im 12. Jahrh. und wird von den Bollandisten, die ihn am 25. Juni (V. 3) unter den Prätermissen haben, als Gründer des Beghinenhofes in Lüttich… …   Vollständiges Heiligen-Lexikon

  • Mönch — 1. Alte Mönch und Nonnen soll man nicht zusammen lassen, denn wenn man zween kalte Stein wider einander reibet, so geben sie auch Feuer. – Klosterspiegel, 3, 14. 2. Auf München, wenn sie wollen wandern, regnet es lieber als auf andern. Lat.:… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • AG Stade — Das Amtsgericht Stade ist neben Bremervörde, Buxtehude, Cuxhaven, Langen, Otterndorf, Tostedt und Zeven eines von acht Amtsgerichten im Landgerichtsbezirk Stade. Inhaltsverzeichnis 1 Gerichtsbezirk 2 Übergeordnete Gerichte 3 Geschichte 4… …   Deutsch Wikipedia

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