Adiaphora

Adiaphora, gleichgiltige Handlungen, nannte die stoische Philosophie solche, die weder gut noch böse wären, und seitdem ist es eine offene philosophische Frage geblieben. Die kath. Kirche anerkennt keine Adiaphora in Dogma und Moral und wenn sie in der Liturgie nicht absolute Gleichförmigkeit, sondern eine gewisse, aber gesetzliche Freiheit gestattet, so geschieht dies nicht, weil das so oder anders gleichgiltig wäre, sondern damit der Zweck, christliche Erbauung, überall um so sicherer erreicht werde. 2. In dem Reformationsjahrhundert erregte das Augsburger Interim vom 15. Mai 1548 einen gewaltigen Sturm der öffentlichen Meinung und hatte von protestantischer Seite ein Leipziger Interim vom 22. Dec. zur Folge, in welchem ein Ausschuß protest. Theologen mit Melanchthon an der Spitze im Dogma bei Luther aushalten, in Betreff der adiaphora oder resmediae sich aber die Anordnungen der Kirche gefallen lassen wollten; zu diesen adiaphora zählten sie aber auch wesentlich Dogmatisches. Darüber geriethen nun die Protestanten selbst in heftigen Streit, indem eine Parthei, an ihrer Spitze Math. Flacius, der Ritter der Erbsünde, aufs heftigste gegen die Adiaphoristen loszog, welcher Streit erst durch die Concordienformel geschlichtet wurde.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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  • Adiaphora — Adiaphora, auch: Adiáphora (von griech. ἀδιάφορα „nicht Unterschiedenes“/„unausgezeichnet“, Sg. adiaphoron; auch Adiaphorismus/ ismen; deutsch Mitteldinge), sind nach dem Verständnis der stoischen Philosophie sowie auch in der christlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Adiáphora — Adiaphora, auch: Adiáphora (von griech. αδιάφορα „nicht Unterschiedenes“/„unausgezeichnet“, Sg. adiaphoron; auch Adiaphorismus/ ismen; deutsch Mitteldinge) sind nach dem Verständnis der stoischen Philosophie sowie auch in der christlichen… …   Deutsch Wikipedia

  • Adiaphŏra — (v. gr., Mitteldinge), Handlungen, welche weder gut noch böse sind, u. welche daher nach Belieben gethan u. unterlassen werden können. Die in der Moral höchst schwierige Frage, ob es dergleichen Handlungen gebe, wurde von den Stoikern bejaht,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Adiáphora — (griech., »nicht zu Unterscheidendes«) heißen nach dem Vorgange der Stoiker in der Ethik Dinge und Handlungen, die weder als Güter noch als Übel, bez. weder als gut noch als schlecht zu bezeichnen sind, so daß in Bezug auf die erstern so wenig… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Adiaphora — Adiaphōra (grch.), gleichgültige Dinge; in der Ethik Handlungen, die ebenso gut getan wie unterlassen werden dürfen. Adiaphoristische Streitigkeiten, der seit dem Leipziger Interim (1548) in der prot. Kirche geführte Streit, ob Kultus und… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Adiaphora — Adiaphoron (plural: adiaphora from the Greek ἀδιάφορα indifferent things ) is a concept of Stoic philosophy that indicates things outside of moral law that is, actions that morality neither mandates nor forbids. Adiaphora in Christianity refer to …   Wikipedia

  • Adiaphora — Adiaphoron (pluriel: adiaphora du grec ancien ἀδιάφορα, « les choses indifférentes ») est un concept stoïcien utilisé pour indiquer les choses neutres moralement, c est à dire les choses qui ne sont ni prescrites ni interdites. Le… …   Wikipédia en Français

  • Adiaphora — Adi|a|pho|ra 〈Pl.〉 (vom sittl. Standpunkt aus) gleichgültige Dinge, Erlaubtes, Belangloses, nicht gute u. nicht böse Dinge [<A...1 + grch. diaphoros „verschieden“] * * * Adiaphora   [griechisch »Nichtunterschiedenes«] Plural,    1) Philosophie …   Universal-Lexikon

  • adiaphora — adjective <! Common??? …   Wiktionary

  • adiaphora — (Gk., indifferent) In Stoic philosophy things such as knowledge, power, pleasure, and health, in which value may be found but not quite in the way it is found in virtue, which alone is good or ‘chosen’. The distinction bears some relationship to… …   Philosophy dictionary

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