Brühl, Johanna Christiane Margarethe

Brühl, Johanna Christiane Margarethe, wurde den 24. Januar 1756 zu Maubeuge in Frankreich geboren; ihr Vater war der in französischen Diensten stehende Hauptmann von Schleierweber und Friedenau. Am 5. August 1771 vermählte sie sich mit dem Grafen von Brühl, königlich preußischem Generalintendant aller Chausseen und Oberst der Infanterie. Diese Frau ist eine um so lieblichere Erscheinung, und ihre höhere Geistesbildung desto achtungswerther, da sie Alles durch sich selbst war, und bei allen Zerstreuungen, die das Leben in der großen Welt und in den höheren Ständen darbietet, doch so Vieles für die Ausbildung ihres Herzens und ihres Geistes that, und so gern in ländlicher Einsamkeit sich den stillen Freuden der Natur hingab. So lange ihr Gemahl lebte, hielt sich Frau von Brühl meist in Berlin auf; nach dessen 1811 erfolgtem Tode wählte sie die Stille des Landlebens, und nahm ihren Aufenthalt in Seifersdorf, einem der Güter ihres Gatten, um dessen Verschönerung sie sich sehr verdient gemacht hat. Die Gräfin von Brühl war eine Frau von ausgezeichneter Bildung, doch nie vergaß sie über der Erweiterung ihrer Kenntnisse, die Veredlung ihres Herzens, und mit theilnehmender Menschenliebe erschloß sich ihre wohlwollende Seele allen Leidenden und Bedrängten. Sie stand mit mehreren gelehrten und geachteten Männern und Frauen ihrer Zeit, von denen wir nur Goethe, Herder, Wieland, Johann von Müller, die Herzogin Amalie von Weimar und Elise von der Recke nennen, in literarischer und zum Theil freundschaftlicher Verbindung. Mit vorzüglicher Vorliebe beschäftigte sie sich mit Schriften und der Bearbeitung eigener Aufsätze religiösen Inhaltes; auch ihrer Unterhaltung wußte sie diesen, in ihr vorherrschenden Sinn mitzutheilen, sie lenkte gern das Gespräch auf Gegenstände der Religion, und hier war es, wo sich das edle Feuer ihrer reinen Seele am schönsten entflammte. Ihre fromme, edle Denkart äußerte sich in jeder ihrer Handlungen; frei von den gewöhnlichen Vorurtheilen der höheren Stände ging ihr Bestreben stets dahin, Menschenwohl zu befördern, und während der unheilvollen Kriegsjahre, die so Viele dem Elende und der drückendsten Noth zuführten, die Lasten ihrer Unterthanen durch Fürsprache und That, oft mit eignen Aufopferungen zu mildern. In jenem erhabenen Sinne stärkte sie sich zu duldsamer Ertragung vieler körperlichen Leiden, die besonders in den letzten Jahren ihr an edlem Wirken und Wohlthun so reiches Leben trübten. Sie starb den 3. Juli 1816 nach langem Krankenlager an der Wassersucht. Ihr einziger Sohn ist Karl Friedrich Moritz Graf von Brühl, General-Intendant der königlichen Schauspiele zu Berlin. Die Gräfin von Brühl hat sich in der literarischen Welt durch eine Menge Aufsätze in verschiedenen Zeitschriften und durch mehrere dramatische Gedichte bekannt gemacht.

E. v. E.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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