Brachmann, Louise

Brachmann, Louise, die unglücklichste unter Deutschlands Dichterinnen, deren schrecklicher Tod eine so allgemeine Theilnahme erregt hat, war am 9. Februar 1777 in Rochlitz geboren. Noch in zarter Jugend zog sie mit ihren Eltern nach Weißenfels, wohin ihr Vater versetzt wurde, und hier vereinigten sich mehrere Umstände, die ihr schon frühzeitig bewährtes Talent für die Dichtkunst förderten und unterstützten, namentlich war es der Umgang mit dem verewigten Novalis, der den größten und glücklichsten Einfluß auf die Geistes- und Gemüthsgaben der jungen Louise übte. Durch ihn wurde dieselbe Schillern bekannt, der ihre ersten Versuche in die Horen und den Musenalmanach aufnahm. Im Jahr 1800 brachte sie einige Monate bei ihrem Bruder in Dresden zu, nach ihrer Rückkehr aber wurde sie von einer schweren Krankheit ergriffen, die sie um so härter niederwarf, als ein innerer Gram in ihrem Herzen zerstörend lebte. Die nächstfolgenden zwei Jahre waren leider nur wenig geeignet, ihrer Seele die Heiterkeit und den Frohsinn zurückzugeben, sie verlor beide Eltern, ihre Schwester, und ihre liebsten Freunde Novalis und dessen liebliche Schwester Sidonie. Zu diesen Schlägen des Schicksals gesellten sich drückende Nahrungssorgen und endlich noch eine unglückliche Leidenschaft. Der Gewinn, den sie von ihren schriftstellerischen Arbeiten erlangte, war sehr gering; dennoch erkämpfte sie mit edler Beharrlichkeit eine ärmliche Existenz. Allein der Gram über die Verluste ihrer Lieben und die Verirrungen einer hoffnungslosen Liebe beugten ihren Geist und es zeigten sich bereits Spuren eines an Irrsinn grenzenden Seelenleidens, als ein neuer lebhafter Eindruck, den ihr Herz empfing, die entsetzliche Krisis herbeiführte, und die Unglückliche suchte zum zweiten Male die gewaltsame Auflösung, die einige Jahre vorher ein günstig einwirkender Zufall verhindert hatte. Sie war aus Weißenfels nach Halle gereist, wo sie in einer befreundeten Familie zuvorkommend aufgenommen war. Wenige Tage nachher wurde sie vermißt und am 24. September 1822 fand man ihre Leiche in der Saale. – Ihre Schriften haben sich in ganz Deutschland derselben allgemeinen Anerkennung zu erfreuen, als ihr schreckliches Verhängniß den gerechtesten Anspruch auf eine ungeschmälerte Theilnahme machen darf. Außer einer großen Menge von einzelnen Aufsätzen und Gedichten, die sich namentlich in Becker's Taschenbuche, in der Minerva, Urania, Penelope, im Taschenbuche für Liebe und Freundschaft und in andern Zeitschriften, vorfinden, besitzen wir von ihr 2 Bände Gedichte, die mehrfach neu aufgelegt worden sind, das Gottesurtheil, ein Epos in 5 Gesängen, 1818, Schilderungen aus der Wirklichkeit 1820, und 2 Bände Novellen 1822. Auch hat der Professor Schütz auserlesene Dichtungen von ihr, denen eine Biographie der Verfasserin vorsteht, herausgegeben.

X.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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