Brunnen


Brunnen

Brunnen, nennt man natürlich oder künstlich gebildete Orte, wo der Zufluß des Wassers aus dem Innern der Erde hervortritt; es ergibt sich, daß man also darunter ebenso gefaßte Quellen, als die eigentlichen Ziehbrunnen und Cisternen zu verstehen habe. Sie sind namentlich im Morgenlande schon seit den ältesten Zeiten von der größten Wichtigkeit; von ihrem Auffinden oder Verfehlen hängt das Wohl der Karavanen ab, deßhalb gilt das Graben von Brunnen für sehr verdienstlich, das Verschütten für ruchlos und gottlos. Bei den Griechen nennt die Mythe den Danaos als deren Erfinder, und die Namen vieler schöner und merkwürdiger Brunnen, unter denen die Quelle Pirene zu Korinth, sind auf uns gekommen. Rom behalf sich lange mit dem Wasser der Tiber, bis ihm durch Aquäducte welches zugeführt wurde; zur Kaiserzeit hatte fast jedes Haus seinen Brunnen oder Wasserbehälter. Griechen und Römer verehrten Gottheiten bei Quellen und Brunnen; diese selbst sogar wurden für göttlich gehalten, ihnen geopfert und Tempel erbaut. Ebenso hielt man dafür, daß sie Orakel ertheilten, so der Brunnen im Tempel des Erechtheus in Athen, der im Tempel des Poseidon Hippios bei Mantinea und vor Allen die Quelle Egeria vor dem cangenischen Thore in Rom. – Mit Recht haben in der neuesten Zeit die Bohr- oder Springquellbrunnen, die man auch von der französischen Grafschaft Artois, wo sie um die Mitte des verwichenen Jahrhunderts sehr in Aufnahme gekommen waren, artesische Brunnen nennt, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gerichtet. Sie sind keineswegs eine Erfindung der Franzosen, sondern weit früher in Oestreich und Oberitalien schon bekannt gewesen, und werden seit langer Zeit wahrscheinlich auch in China angewandt. Es wird durch die Anlegung solcher Brunnen auch in dürren Gegenden frisches, reines Trinkwasser, und zwar zu jeder Jahreszeit, in gleicher Menge und Temperatur hervorgelockt; die Theorie derselben ist höchst einfach, und keine andere, als die jedes Springbrunnens, wenn man sich anstatt der geneigten Röhren zwei wasserdichte Wände vorstellt, zwischen welchen das mittelst Durchbohrung einer tiefgelegenen festen Schicht gewonnene Wasser emporspringt. Dasselbe ist kein Quellwasser, sondern vielmehr atmosphärisches Wasser, das von der Erde auf einer Höhe aufgenommen, bis zu demjenigen Punkte der Erde gedrungen ist, auf den man bohrt; trifft man nun durch fortgesetztes Bohren den Ort, wo dieses Wasser zwischen Gebirgsschichten so eingeschlossen ist, daß es weder tiefer eindringen, noch nach einer Seite hin einen Abfluß erzwingen kann, so steigt dasselbe nach den Gesetzen des Falls so weit wieder in die Höhe, als es eingedrungen war; es geht also aus dieser ersten Bedingung, dem Vorhandensein einer solchen Gebirgsschicht mit dem zwischen ihr eingepreßten Wasser, die zweite hervor, daß nämlich der Punkt, wo die Bohrung angestellt wird, tiefer als derjenige gelegen sei, wo die Gebirgsschicht, auf die man nach Verhältniß der obern Bodengattung früher oder später trifft, auf der Erdoberfläche zu Tage kommt.

T.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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