Caracas (Geographie)

Caracas (Geographie), eine ehemals spanische Provinz, in dem nördlichen Theile von Südamerika, welche sich längs dem mexikanischen Meerbusen von der Landenge bei Panama bis zum Orinocco hin erstreckt. Bei einem Flächenraum von 24,000 Quadrat Meilen hat dieß Land noch keine Million Einwohner. Obgleich unter dem Aequator, also in der größten Sonnengluth liegend, ist das Klima doch milder, als man glauben sollte, indem sich ein bedeutender Zweig der Andes weit hinein erstreckt, und das Land von 4000 bis auf 14,000 Fuß über die Meeresfläche erhebt. Aber im Süden, in der Sierra de merida, liegen die unendlichen Grasfluren, die Llanos (sprich Lianos,) dort findet man die Hitze der Aequatorialregion, dort brennt der Sommer alle Gewächse zu Staub und Asche, welche viele hundert Meilen weit fliegt, und keine Spur von Vegetation übrig läßt. Dort klafft der Boden 3–4 Fuß weit aus einander, Spalten von mächtiger Tiefe bildend, in deren Innerem sich die von dem Sonnenbrand gequälten Krokodile und Boa, oder Riesenschlangen verbergen, um ihren Sommerschlaf zu halten; dort sieht man abgemagerte, ausgezehrte Rinder, Büffel, Pferde und Maulthierherden, brüllend vor Hunger, lechzend nach einem Tropfen Wasser umherziehen, endlich verschmachtet, den Geiern zur Beute werden, wenn es ihnen nicht gelingt, den Rand dieser beinahe uferlosen Wüste zu erreichen; aber eben dort sieht man auch, so wie die ersten Regentage beginnen, eine Vegetation sich regen, welche jeden Fremden in Erstaunen setzt. Das Gras schießt bald so hoch empor, daß es den Reiter und sein Roß verbirgt, die Herden erscheinen wieder wohl genährt, die Besitzer derselben ziehen in ganz ledernen Wohnungen hinaus, um das alte Vieh der Felle wegen, das jüngere um des fetten, gesunden Fleisches willen, zu schlachten, die Wüste wird bevölkert, der Regen verläuft sich, man glaubt ein Paradies zu sehen, bis die Sommermonate wiederkehren und nach und nach alles Leben ertödten, und das wechselvolle Spiel der Jahreszeiten, mit Erblühen und Ersterben von Neuem eintritt. Die nördliche Region des Landes liefert Reis, Kaffee, Zucker, Vanille, Cochenille, Harze, Balsame, treffliche Arzneien, Farbe- und seine Tischlerhölzer, Indigo, Tabak, Baumwolle etc. allein, Alles das nur, so weit es die Natur selbst bietet, denn dort vernachlässigt der Mensch die Schätze, welche der überreiche Boden ihm spendet. Von den Be wohnern läßt sich nicht viel mehr sagen, als daß sie zum größten Theile, Spanier sind, und ihre Sitten über das Meer getragen haben; seit 1810 war das Land der Kriegsschauplatz des Miranda, Bolivar, Morillo etc., und bildet nun einen Theil der Republik Columbien. Die Ureinwohner bieten mehr Interesse, sie sind theils Caraiben, Ottomaken und Guaraunos, welche die Wälder und Flußgebiete bewohnen, und zur Regenzeit auf an den Palmbäumen angebrachten Flößen leben, und von diesen Bäumen ihre einzige Nahrung nehmen (s. Caraiben). Das weibliche Geschlecht seufzet unter einem schweren Drucke, es muß für alle Bedürfnisse der Familie sorgen, und man hat viele Fälle, daß Mütter ihre neugebornen Töchter tödteten, um sie einem Schicksale zu entziehen, das ihnen selbst unerträglich scheint.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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