Catalonien

Catalonien

Catalonien, Eine Provinz des Königreichs Spanien, an Frankreich gränzend, vom mittelländischen Meere bespült, durch die Pyrenäen, den Montserat, die Sierra de la Llena (sprich Liena) sehr gebirgig, und daher nur zum Theil in den üppigen, romantischen Thälern fruchtbar, Südfrüchte, Wein und andere Gewächse, welche einer hohen Temperatur bedürfen, um zu reisen, wie Reis, türkischer Weizen etc., gedeihen dort vortrefflich – große Viehzucht – doch meistens nur von eßbaren Thiern, nicht von Pferden, Eseln, Maulthieren – reicher Bergbau – nicht unbedeutende Manufakturen, machen das Land wohlhabend, welches unter anderer Hand paradiesisch genannt werden könnte; die Forste sind wildreich.– doch nähren sie auch viele Raubthiere; die Thäler bedecken die würzigsten Kräuter, der Seidenwurm spinnt von selbst und im Freien, ohne große Pflege, aber leider wird der Handel von der Regierung nicht unterstützt. Der Catalonier ist kräftig, ehrliebend, kühn, ein guter Soldat, er ist ein so treuer Freund, als ein gefährlicher, lange den Groll nachtragender Feind. – Freiheits- und Vaterlandsliebe zeichnen besonders das schöne Geschlecht aus, welches sich an die Seite der Biscajerinnen stellen darf, da ein höherer Grad von körperlicher und geistiger Vollendung dasselbe schmückt, als man in dem übrigen Spanien findet. Von frühester Zeit war Catalonien als Gränzprovinz, zwischen dem letztgenannten Reich und Gallien, der stete Schauplatz langwieriger Kämpfe dieser Nationen – in allen haben sich die muthigen Frauen von aufopfernder, sich selbst durchaus nicht achtender Liebe erfüllt, gezeigt; die Kriege zwischen den Urbewohnern und den Römern, zwischen jenen und den Gothen, Celten, Vandalen, zwischen diesen und den Mauren, den Mauren und den Franken, endlich zwischen den Parteien und Spanien selbst, für die Erbfolge auf den castilischen Thron haben die hellleuchtendsten Beweise eines hohen, uneigennützigen Muthes geliefert, und die neueste Zeit ist deren keinen schuldig geblieben. Der siebenjährige Kampf Napoleon's um den Besitz der pyrenäischen Halbinsel hat gezeigt, daß die catatonischen Frauen ihren alten Ruhm zu behaupten wußten, und des gewaltigen Helden welterschütternde Heere haben niemals Catalonien ganz unterjocht.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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