Dänemark

Dänemark

Dänemark, das kleinste und südlichste der skandinavischen Reiche, das schöne Küstenland mit dem Schlüssel zum Kattegat und zum baltischen Meere, das den herrlichen Hafen von Helsingör besitzt, dessen Fluthen Schiffe aller Nationen tragen, während auf diesen Reichthum und diese Schönheit des Landes die steile, dunkle Küste von Schweden ernst herüber blickt. Die früheste Geschichte ist, wie die des gesammten Nordens, in die Nacht der Mythe und Fabel gehüllt, aus der erst die Normänner als kühne Seefahrer hervortraten. Kanut der Große unterwarf sich England, führte das Christenthum ein, und unter seinen Nachfolgern, den Waldemaren, breitete sich das dänische Szepter weit über Deutschlands und Polens Nordküsten aus; eine große Königin, Margarethe (s. d.) vereinte 1397 auf ihrem Haupte alle drei skandinavischen Kronen, und über ein Jahrhundert waren die dänischen Könige Herren von Schweden und Norwegen. Schweden riß sich 1523 los, Norwegen wurde erst 1814 abgetreten. Beinahe in der Mitte zwischen den Nord- und Ostseeländern gelegen, bilden die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg den deutschen Antheil des Königreichs, das außerdem die Halbinsel Jütland und die Inseln Seeland, worauf Kopenhagen (s. d.), Fünen, Laaland, Langland und mehrere kleinere umfaßt. Die ganze Ländermasse enthält 1050 Geviertemeilen, mit nahe an 2 Millionen Einwohnern. Zu Dänemark gehören noch als europäische Besitzungen Island (s. d.) und die Faröerinseln (s. d.), und als Kolonien in Asien Tranquebar, Kalikut und Bassora, in Afrika einige Forts in Guinea, in Amerika endlich Grönland und die Jungfraueninseln, sämmtlich fast ohne alle Wichtigkeit. Das eigentliche Dänemark von der Eider durchströmt, die ein Kanal mit der Ostsee verbindet, ist vom Festlande völlig geschieden und hat so den gesammten Ostseehandel in seiner Gewalt, ein Vortheil, der von hoher politischer Wichtigkeit ist. Die deutschen Länder besitzen den herrlichsten Boden mit einer Fruchtbarkeit, die zur höchsten Ausbildung vervollkommnet ist und vortrefflich benutzt wird. Es gedeihen Früchte, wie sie selbst wärmere Klimate nicht hervorbringen. Die Gemüsearten: Spargel, Blumenkohl, Rüben, Kohl werden nirgend so ersprießlich erzeugt, das Saftobst wird in ganz Deutschland nicht so groß und wohlschmeckend angetroffen. Diese reiche Productivität des Bodens bedingt die Nahrungszweige des Volkes, dessen Thätigkeit auf Acker- und Gartenbau und auf Viehzucht gerichtet ist; treffliche Pferde, die leichte dänische und die schwere holsteinische Race, kräftiges Hornvieh, große, fette Schweine, veredelte Schafe, große und kleine Hunde, worunter die bei den Damen so beliebte Gattung der dänischen Schooshunde, ferner vorzügliches Geflügel liefert das Land, ausgesuchte Fische die See in großem Ueberfluß. Dagegen sind Fabriken und Manufakturen weniger im Gange, obwohl Manufakturen in Wolle, Zuckersiedereien, Papierfabriken und zahlreiche Branntweinbrennereien bestehen. Die dänischen Handschuhe (s. d.) werden durch die ganze Welt verführt; der Bergbau wird wenig betrieben. – Die Dänen sind deutscher Abkunft, kräftig, muthvoll zur See, religiös, fleißig, geduldig, zurückhaltend, aber bieder, verständig und treu; ihre Sprache ein Zweig der niederdeutschen und der alten normännischen, verwandt und ähnlich der englischen; die dänischen Frauen sind groß, wohlgewachsen, blond, blauäugig, von lieblicher Fülle und zarter, weißer Hautfarbe, durch Gutmüthigkeit, Herzlichkeit und häusliche Talente ausgezeichnet. Für die Bildung des Volkes wird sehr Viel gethan, und die seit einigen Jahrzehnden aufblühende Nationalliteratur wächst kräftig an Reichthum und Gediegenheit. Ewald, Baggesen, Friederike Brun (s. d.), außerdem Thorwaldsen (s. d.), der berühmteste Bildhauer unserer Zeit, und Adam Oehlenschläger (s. d.), als Tondichter Kuhlau, sind Namen, die der literarischen und künstlerischen Thätigkeit Dänemarks hohe Ehre bringen.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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