Dante, Alighieri

Dante, Alighieri

Dante, Alighieri, eigentlich Durante, Alighieri, der Schöpfer der neuern italienischen Poesie, ein leuchtender Stern aus einer Zeit, die, noch reich an barbarischen Ueberresten, von politischen Factionen zerrissen, nur sparsam die zarte Blume der Kunst hegte; Dante, der lange vor Tasso sich einen gleich theuren Lorbeer errungen, der aber, wie dieser Dichter, den Ehrenpreis nur auf Kosten eines von Schmerzen durchwebten Lebens errang, der Dichter der »göttlichen Komödie,« eines Werkes, welches noch in die späteste Zeit hineinragen wird, wurde 1265 zu Florenz in einer angesehenen Familie geboren. Schon als Jüngling liebte er mit glühender, reiner Leidenschaft ein junges Mädchen, Beatrice Portinari. Er mußte ihr entsagen, trug aber sein ganzes Leben hindurch ihr leuchtendes Bild im Busen und verherrlichte sie, einer Göttin gleich, in seinen Gesängen. In jener Zeit der blutigen Kämpfe zwischen den Guelfen und Ghibellinen wandte sich Dante 1300, damals im Besitze einer Magistratswürde seiner Vaterstadt, zu der Partei der sogenannten Bianchi (der Weißen). In Folge der politischen Zerwürfnisse, die hierauf eintraten, wurde der Dichter, der sich durch Rechtlichkeit des Charakters, Wahrheitsliebe und Sanftmuth, aber auch durch Festigkeit und Starrsinn auszeichnete, lebenslänglich verbannt, unter Androhung des Feuertodes, im Falle seiner Rückkunft. Der Pöbel plünderte sein Haus, seine Feinde bedeckten sein Angedenken mit Schmach. Und dennoch hing er mit glühender Liebe an dem treulosen Vaterlande, und sehnte sich voll tiefer Schwermuth wieder dahin zurück. Er suchte zuerst Zuflucht bei dem edlen Marchese Malaspina, der, obgleich zu der feindlichen, ihm entgegengesetzten Partei gehörend, ihn doch liebevoll aufnahm. Später ging er nach Verona an den Hof der Scaligeri – aber sein düsterer Ernst, das Ergebniß seines unverschuldeten Unglücks, paßte nicht zu den prunkenden Festen, harmonirte nicht mit den Prachtpalästen. – Heinrich VII., der deutsche Kaiser erschien jetzt 1311 an der Spitze eines Heeres in Italien, um, von den Ghibellinen unterstützt, die empörten Länder wieder zu erobern. Dante leuchtete jetzt eine Hoffnung; er schloß sich an die Partei des Kaisers und gedachte unter dessen Schutze nach Florenz wieder zurückzukehren. Doch der Kaiser starb bald darauf, und Dante's Hoffnungsstern versank wieder in Nacht. Sein Leben verdüsterte sich immer mehr, jeder Versuch, wieder zum Besitze seines Eigenthums und seiner Würden zu gelangen, scheiterte. Nur in der Poesie fand er Trost – im Reiche der Phantasien den Frieden, welchen ihm die rauhe Wirklichkeit nicht vergönnte. Er begab sich nach Ravenna, wo er seine göttliche Komödie dichtete und den Rest seines Lebens in der Einsamkeit beschloß, den 14. September 1321. – Nach Beatrice's Tode hatte er sich mit Gemma Donati vermählt, aus welcher Ehe mehrere Söhne entsprossen. Kaum hatte des Dichters großes Herz ausgeschlagen, so verbreitete sich sein Ruhm auch wie auf Sturmesflügeln durch ganz Italien. Die »göttliche Komödie« lebte in Jedermanns Munde; die Florentiner schämten sich jetzt selbst der unwürdigen Behandlung ihres Landsmannes – der Haß seiner Feinde verstummte; nur der Preis seiner Verdienste lebte in Aller Munde. – Der Magistrat seiner Vaterstadt verlangte wiederholt von den Ravennesern des Dichters irdische Ueberreste zurück; aber Ravenna, das ihm ein Asyl gegeben, war zu stolz auf diesen Besitz, und Bernardo Bembo ließ ihm 1483 ein würdiges Denkmal setzen. – Dante war zugleich Staatsmann, Redner, Sprachforscher und Dichter. Sein unglückliches Loos fällt mit den verworrenen, von Parteiwuth gelenkten Ereignissen jener Zeit zusammen. Damals mußte ein Jeder Parteimann sein; auch Dante war es, aber im edlen Sinne. – Sein Hauptwerk: »die göttliche Komödie« ist ein Original voll tiefer Bedeutung, von gigantischem Bau Eine ganze Welt – noch mehr – ein unendliches Jenseits spiegelt sich darin ab. Eine überraschende Kraft durchglüht alle seine Bilder, dabei die reichhaltigste Abwechslung der Episoden, dazwischen wieder Gemälde voll Anmuth und Zartheit: dieß Alles überweht mit dem heiligen Hauche der reinsten Religiosität und in einer wunderbar volltönenden, kräftigen Sprache vorgetragen, die wir eine eherne nennen würden, die aber, gleich den Stahlstäben, herrliche Klänge gibt. – Deutsche Uebersetzungen haben wir von Kannegießer und Streckfuß, die höchst verdienstlich sind.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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