Deken, Agathe

Deken, Agathe

Deken, Agathe, eine treffliche holländische Dichterin, deren in diesem Werke bereits in der Biographie der Elisabeth Bekker (s. d.) rühmlich erwähnt wurde, war am 10. December 1741 zu Amstelveen bei Amsterdam geboren. Ihre durch Unglücksfälle in Armuth gerathenen Eltern verlor sie früh und kam als Kind von 3 Jahren in ein Waisenhaus zu Amsterdam. Hier erhielt ihr Charakter frühzeitig eine ernste und fromme Stimmung, und schon im zarten Alter zeichnete sie sich durch Anlagen zur Dichtkunst aus, was ihr die Unterstützung der literarischen Gesellschaft »diligentiae omnia« (Alles für den Fleiß) erwarb. Später wurde sie die Gesellschafterin einer jungen Dame, Namens Maria Bosch, welche gleichfalls die Dichtkunst liebte und ausübte. Ihr wurde sie die zärtlichste Freundin, und pflegte die Leidende mit inniger Sorgfalt bis an deren Tod 1773. Nach ihrem Tode gab sie eine Sammlung Gedichte, welche beide gemeinschaftlich verfaßt, unter dem Titel: »erbauliche Lieder« heraus, die allgemeine Theilnahme fanden. – Bald darauf fand sie in der Predigerswitwe Elisabeth Bekker eine gleichgestimmte Freundin und Lebensgefährtin. Mit ihr brachte sie mehrere Jahre auf dem reizenden Landhause Lommerlust zu. – Hier wurden beide durch Vereinigung ihrer schönen Talente die Schöpferinnen des holländischen Originalromans. Wenn auch in ihrem Charakter verschieden; denn Elisabeth war lebenslustig, heiter, satirisch, Agathe dagegen sanft, ernst-religiös, lebten sie doch in inniger, ungetrübter Freundschaft 28 Jahre bei einander, im Glück und Unglück gleich unwandelbar. – Die Ereignisse der damaligen Zeit bewogen die beiden Freundinnen 1787 nach Frankreich auszuwandern. In ländlicher Muße huldigten sie wieder der Poesie, und eine Frucht ihrer Weihestunden sind die »Wandelingen door Bourgogne« (Haag, 1789). Während der Schreckensherrschaft in Frankreich kam Elisabeth durch einige Aeußerungen in drohende Lebensgefahr; nur ihre Geistesgegenwart rettete sie von der Guillotine. Beide Freundinnen kehrten jetzt nach Holland zurück, fanden sich hier aber plötzlich dem Mangel Preis gegeben, da ein treuloser Freund Elisabeth um ihr ganzes bedeutendes Vermögen und Agathe um ihre Habe gebracht hatte. Aber auch dieses Mißgeschick entmuthigte sie nicht und band ihr ferneres Loos nur desto inniger an einander. Beide Freundinnen beschäftigten sich jetzt mit Uebersetzungen englischer Romane, doch behielt Agathe noch Muße genug, mehrere patriotische und religiöse Gesänge zu verfassen, die noch jetzt geschätzt werden. – Zu den Mühseligkeiten der harten Prüfungen gesellte sich nun bald auch die Last der Jahre und Kränklichkeit. Elisabeth starb den 5 November 1807 in den Armen der Freundin. Das Dasein beider Frauen war aber so in einander verwachsen, daß Agathe die geliebte Geschiedene unmöglich lange überleben konnte. Sie folgte der bis zum Tode gleich Getreuen, gleich Liebevollen, bereits am 15. desselben Monats. Man begrub sie, die sich im Leben nicht trennten, neben einander auf dem Kirchhofe zu Scheveningen. – Die batavische Gesellschaft, so wie mehrere gelehrte patriotische Männer feierten das Andenken der vaterländischen Dichterinnen auf würdige Weise. Noch ist ihr Name von ihrem Volke nicht vergessen. – Agathe besaß eine edle Seele, voll Frömmigkeit, Wohlwollen, Sanftmuth und Liebe. – Als Religionsdichterin wird sie noch lange im Gedächtnisse ihrer Landsleute fortleben.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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