Delhi

Delhi

Delhi, eine Provinz des Reiches, welches eine Gesellschaft englischer Kaufleute durch Krieg sich aneignete, ein Distrikt von Indien, ehemals dem Großmogul gehörig. Das trockene, ebene Land, war von der väterlichen Sorgfalt, der patriarchalischen Regierung jener mächtigen Fürsten gesegnet, durch die großartigsten Canalbauten bewässert, fruchtbar gemacht, mit den Handel belebenden Straßen durchzogen; hatte die reichsten Getreide-, Reis- und Indigofluren; treffliche Kaffee-, Zucker- und Baumwollenplantagen, Wachs, Gummi, Honig, Tabak im Ueberfluß, außerordentliche Viehzucht; Elephanten, Kameele, und mit Wild angefüllte Wälder; eine in Indien überall verbreitete Industrie, belebte Dörfer und Städte, bis aufgereizt durch den schmählichsten Eigennutz, gelockt durch die unermeßlichen Schätze, von welche ihnen erzählt war, zwei Räuber sich entschlossen, dem Reichthum und dem Glück des Volkes ein Ziel zu setzen. Diese waren der Straßenräuber Nadir aus Khorassan, der sich unter dem Namen Schach Nadir zum Kaiser von Persien aufschwang, 1738 und dessen Nachfolger, Abdallah, nach welchem das Land eine leichte Beute der Kaufleute ward, die nunmehr den Großmogul absetzten, das Reich für ihre Besitzung erklärten, und dem mächtigsten und reichsten Herrscherhause der Erde, für eine Zahl von 19,000 weiblichen, und 700 männlichen Verwandten desselben, eine Apanage von 136,000 Ps. Sterling zur Unterhaltung gaben. Die zweite Hauptstadt des unermeßlichen Reiches, Delhi (Agra hieß die erste, eben so tief herabgesunkene Residenz der Mongolen), liegt ziemlich mitten in der Provinz Delhi, am Flusse Dschumna, hat jetzt noch ungefähr 200,000 Einwohner. Eine Menge Bazars, Paläste der Großen, der Veziere und Feldherrn, des Kaisers, Moscheen, Tempel, Pagoden, Grabmäler, Zeughäuser, kostbare Brücken etc. zeugen von der hohen Pracht dieser Stadt, und von der unverwüstlichen Bauart derselben, indem die beiden schrecklichen Ueberschwemmungen wilder Heereszüge sie nicht zu zerstören vermochten; was jedoch an Werth erreichbar war, haben die Feinde mit hinweg geführt – wie z. B. die goldenen Platten, mit denen die Säle, welche der Mogul bewohnte, ausgelegt waren, und den berühmten Pfauenthron, welcher ganz aus massivem Golde bestand, und dessen Rücklehne einen ausgebreiteten Pfauenschweif von lauter Edelsteinen und von so wunderbarer unnachahmlicher Farbenpracht bildete, daß jede Beschreibung vergeblich wäre, weil sie kaum einen Schattenriß zu geben vermöchte. Jetzt leben die Nachkommen jener Fürsten in drückender Dürftigkeit und Abhängigkeit von denselben Eroberern, welche sie entthronten.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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