Editha, die Heilige

Editha, die Heilige

Editha, die Heilige die Heilige, die Tochter Eduard's des Bekenners, Königs von England. Dieser fromme, aber schwache Fürst, welcher England von 1041 bis 1066 regierte, glaubte den Pflichten eines Christen nur dadurch Genüge leisten zu können, daß er sein Leben der höchsten Zierde, sein Dasein des einzigen, wahren Glückes, des Umgangs mit einem edlen schönen Weibe, beraubte. Er ließ sich von seiner Gattin, der Königin Willfried, trennen, wofür er vom Papste Alexander III. heilig gesprochen und ihm der 5. Januar als Festtag geweiht wurde. Seine Gemahlin begab sich in das Kloster Wilton und ward dort Mutter eines holden Kindes, Editha. Zu jeder Tugend von der frommen Mutter erzogen, verschmähete sie doch, dieselbe in der Welt geltend zu machen, denn als ihr königlicher Vater durch seine Trennung von der Gattin ohne Erben starb, wollten die Großen des Reiches sie auf den Thron erheben; sie aber schlug den Antrag aus. Inzwischen sollte ihr Leben nicht ohne Kummer bleiben, denn unter den Boten des Reiches befand sich ein junger Fürst von Morwen, zu welchem eine lebhafte Neigung in ihrem reinen, unschuldigen Herzen erwachte. Die Unterhandlungen um den Thron verzögerten sich mehrere Monden lang, und Editha, das fromme Kind, sah täglich den Geliebten, und gewahrte, wie auch in seiner Brust eine glühende Leidenschaft für sie entbrannte. Die Aebtissin, eine würdige Frau, mehr auf das Glück ihres Pfleglings, als auf den zeitlichen Vortheil ihres Klosters bedacht, und wahrnehmend, was in Beider Herzen vorging, selbst die Freuden des Lebens kennend, da sie erst nach einer froh verlebten Jugend die Einsamkeit der Zelle gesucht, rieth der Prinzessin, den Ruf zum Thron anzunehmen, und den jungen Mann, ausgezeichnet durch Schönheit und Tugenden, mit ihrer Hand zu beglücken. Doch wie laut auch die Stimme des Herzens sprach, so war der Wunsch, des Herrn Eigenthum zu bleiben, noch mächtiger in ihr, und die wiederholten Anträge der Großen hatten nur wiederholte Weigerungen, dem Kloster Lebewohl zu sagen, zur Folge. Kaum 17 Jahr alt nahm sie den Schleier in demselben Kloster, in welchem sie geboren und erzogen worden. Das stürmisch seine Rechte fordernde Herz sollte beruhigt werden, die Braut des blühenden Lebens Ersatz in einem himmlischen Bräutigam finden, darum übergab sie sich dem Studium fremder Sprachen, und erfüllte bald mit dem Ruf ihrer Gelehrsamkeit und Heiligkeit des Reiches fernste Grenzen. Aber schon im 24. Jahre erlag der zarte Körper den Entbehrungen aller Lebensfreuden, der Geist war nicht stark genug, ihn aufrecht zu erhalten; sie starb am 16. September des Jahres 1073 in dem Kloster, welches ihr Fuß nie verlassen.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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