Elektricität

Elektricität

Elektricität. Eine eigene, höchst merkwürdige, der Oberfläche der Körper anhängende Kraft, deren Wesen wir, trotz Jahrhunderte langer Forschungen, noch bei Weitem nicht ergründet haben, über welche die jüngste Vergangenheit noch den merkwürdigsten, auf das Eifrigste gesuchtesten, und immer nicht gefundenen Ausschluß geliefert hat, ist die Elektricität. Die alten Griechen kannten bereits zu Thales's Zeiten die Elektricität, und gaben derselben, in ihrer naiven Weise den Namen, den wir jetzt noch haben, von der Sache, an welcher sie dieselbe bemerkten, von dem Bernstein (Elektron). Nicht bloß Reibung, sondern hundert andere Ursachen ihrer Entstehung sind vorhanden, und nicht allein Bernstein, Harz, Glas und einige andere Körper, sondern alle Gegenstande der Erde ohne Ausnahme erzeugen durch Berührung ihrer Oberfläche mit andern diese Kraft. Die Modificationen derselben sind verschieden, und zwar bringt die einfache Berührung diejenige Art von Electricität hervor, welche man Galvanismus (Berührungs- Elektricitat) nennt, (s. d.), während die vermehrte Berührung, die Reibung, diejenige Elektricität erzeugt, welche man gewöhnlich mit diesem Namen, oder auch mit dem Beisatz Reibungs -Elektricität bezeichnet. Es scheint, als habe diese Kraft den wichtigsten Einfluß auf die größten Operationen der Natur, gewiß ist sie thätig im Gewitter, bei jedem Niederschlag aus der Atmosphäre, bei den Erdbeben und den vulkanischen Eruptionen, bei dem Nordlicht etc., etwas, das um so begreiflicher wird, da man weiß, daß Elektricität durch Erwärmung, Erkältung, Befeuchtung, Stoß, Reibung, Verdampfung, durch Schmelzen, Zerbrechen, Spalten, durch Berührung, ja durch bloßes Annähern ungleichartiger Körper erregt wird. Demnach möchte wohl keine Kraft weiter verbreitet, allgemeiner sein als diese, welche man, wie so vieles neuerdings gründlich Erforschte, noch vor nicht gar langer Zeit zu den sehr gesonderten Erscheinungen der Physik zahlte. Um das Wesen der Kraft festzustellen, muß hauptsächlich zweierlei in's Auge gefaßt werden – erstens gibt es ein doppeltes Wesen in der Elektricität – die sogenannte positive und die negative, oder Glas und Harz, Plus- und Minus-Elektricität; zweitens ist die einmal erregte Elektricität sowohl fähig, fortgepflanzt als aufgehalten zu werden, und man theilt alle Körper nach dieser Eigenschaft in fortpflanzende, d. h. Leiter und in nicht leitende, Isolatoren, ein. Diese Begriffe sind durchaus fest zu halten. Zu denjenigen Körpern, welche die Elektricität leiten, gehören alle Metalle, Erden, die meisten Steine, Holze u. s. w., so wie Wasser und Wasserdämpfe – zu den Isolatoren dagegen gehören Glas, krystallisirte Gesteine, trockene Luft, Harz, harzige und sehr trockene Holze und manche chemische Produkte. Zwischen beiden Klassen stehet eine Menge anderer, welche sich der einen oder der andern Reihe von Körpern mehr oder minder nähern, mitten inne, wobei nicht zu übersehen ist, daß die Fähigkeit, Elektricität an andere Körper überzuleiten, genau im umgekehrten Verhältniß zu ihrer eignen Leitungsfähigkeit steht, so daß ein Körper, je besser er leitet, um so schlechter tauglich ist, andere zu elektrisiren, und je schlechter er leitet, um so besser zu Erregung von Elektricität ist. So sind Glas, Harz, Seide, welche man für die besten Isolatoren hält, auch die meiste und stärkste Elektricität hervorzubringen im Stande. Die Erscheinungen, welche auf diesem Wege hervorgebracht werden können, gehören zu den anziehendsten und schönsten der ganzen Physik. Um naher in dieselben eindringen zu können, müssen wir ein Instrument beschreiben, welches die Hauptrolle in der ganzen Lehre von der Elektricität spielt, die Elektrisirmaschine. Sie wird jetzt gewöhnlich aus einer rundgeschnittenen Spiegelglasscheibe gemacht; bis zu einer gewissen Größe bringt jedoch ein Glascylinder, der außerdem leichter vor dem entschiedenen Feind aller Experimente, vor der Feuchtigkeit, zu schützen ist, wenigstens dieselbe Wirkung hervor, Der Cylinder oder die Scheibe wird auf einer Are befestigt und auf ein Gestell gesetzt, so daß man das Glas mit der Handhabe drehen kann. An irgend eine Seite bringt man ein genau an den Glaskörper passendes, mit Tuch nur einfach überzogenes Stück Holz an, das Reibezeug: über dieses wird ein festes, doch weiches Leder gelegt, mit Fett bestrichen, und darauf eine Mischung aus Quecksilber, Zinn und Zink – das sogenannte Amalgam, gebracht, Nunmehr dreht man den Glaskörper, so daß er an das Reibzeug, und zwar an den metallischen Ueberzug desselben, streift. Alsbald wird man bei trockener Luft einen starken Phosphorgeruch und ein Knistern wahrnehmen, welches sich vermehrt, und in kleine prasselnde Funken übergeht, sobald man dem Glase die Hand nähert. Dieses ist der sehr starke Antheil von Elektricität, welcher durch Reibung des Glases an dem Metall erregt worden ist. Um mit mehr Bequemlichkeit die nöthigen Versuche machen, und mehr Electricität sammeln zu können, braucht man noch ein zweites Instrument, welches jedoch zu diesem ersten so unumgänglich nöthig ist, daß es mit demselben nur eins ausmacht, es heißt Conductor. Er besteht aus einer großen Kugel oder einem Cylinder aus Blech, welcher an beiden Seiten sorgfältig abgerundet und mit Halbkugelstücken geschlossen ist; dieser steht auf einer oder mehrern Glassäulen, die am besten massive Glasstangen sind. Wenn man nun bei Umdrehung des Glaskörpers die Hand dem Conductor nähert, so erhält man viel stärkere Funken, welche bei einer sehr großen Ausdehnung der Maschine knallen und den Arm für einige Stunden lahmen können, in der Regel aber nicht so sind, daß man nicht ohne alle Unbequemlichkeit zehn – zwanzig auf dieselbe Stelle sollte schlagen lassen können. Das gesammte Gebiet der hierher gehörigen Erscheinungen ist trotz aller ' Theorien noch nicht genügend erklärt, man weiß noch immer nicht, ob das, was wir Elektricität nennen, eine Kraft oder eine Materie sei; ihr Gewicht hat sich noch nicht ermitteln lassen – gewiß bleibt aber, daß die Verbreitung der Elektricität allgemein, und daß sie mit den drei andern, auch noch unerforschten Thätigkeiten, mit Wärme, Licht und Magnetismus (welche alle vier man gewöhnlich Unter dem Namen der Imponderabilien oder unwägbaren Stoffe abhandelt), auf das Innigste, und so, daß sie sich wechselseitig ergänzen, verwandt ist. – Endlich gehört noch die Lehre von den elektrischen Thieren hierher. Daß alle stark Behaarten Elektricität haben, ist bekannt, allein merkwürdig sind einige Thiere wegen ihrer außerordentlichen Kraft. Zu diesen gehört der Zitterrochen, der Zitteraal, der Fisch, den die Engländer Blubber nennen, eine große Molluske, eine Seeblase, und der Zitterwels. Mehr oder minder haben viele Thiere, ausnahmsweise selbst Menschen, so viel Elektricität, daß sie Funken und leichte Erschütterungen geben, allein höchst auffallend ist, was bei andern Thieren als zufällig erscheint, das Gesetzmäßige und Gewaltsame der Wirkung bei den vier genannten Thieren. Der Zitteraal ist in Amerika, der Wels und Roche in Italien und Indien (schon Plinius kannte seine Eigenschaft), und der Blubber in dem Kanal zwischen England und Irland zu Hause. Sie alle ertheilen dem, der sie berührt, heftige erschütternde Schläge, welche von inneren Organen hervorgebracht werden. Vergl. d. A. Zitteraal.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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