Eleonore, von Castilien

Eleonore, von Castilien von Castilien, Tochter Alphons's III. Königs von Castilien, und Eleonorens von England, zeichnete sich vor ihren beiden Schwestern, Berengaria, Königin von Leon, und Blanca, Königin von Frankreich, durch Schönheit und Geist, aber auch durch ihr Unglück aus, denn wie ihre Namensschwester, Eleonore von Guienne (s. d.), wurde sie einem Kinde zur Gemahlin bestimmt. Der Hof von Aragonien wünschte, daß sich der 13jährige König, Don Jacobo I., vermähle, und die Wahl der Stände fiel auf Donna Leonore, Kronprinzessin von Castilien, die 19 Jahr alt, mit allem Reiz der Jugend geschmückt, aus dem ersten Königshause der ganzen Halbinsel entsprossen, unermeßlich reich und Erbin einer mächtigen Monarchie war. Der König von Castilien und seine Gemahlin nahmen die Bewerbung günstig auf, die Bedingungen wurden festgestellt, und das nächste Jahr zur Vermählung bestimmt, die in der Domkirche von Tarragona auf der Grenze beider Reiche vollzogen ward. Nach der Vermählung kehrten beide Theile in ihre Staaten zurück. Erst nach Verlauf eines zweiten Jahres kam Eleonore nach Aragonien und schon nach einiger Zeit wurde auf Grunde gedacht, die Ehe wiederum zu trennen. Erst im Jahre 1229, nachdem also die Königin sechs Jahre in Fesseln, die ihres Geistes, wie ihrer Schönheit und Jugend unwürdig gewesen waren, gelebt hatte, gelang es, die Trennung durch den Ausspruch einer Kirchenversammlung von castilianischen Großen, daß die Vermählten in einem zu nahen Verwandtschaftsgrade ständen, da beide dieselben Personen zu Urgroßeltern hätten, zu bewirken. Der dieser Ehe entsprossene Sohn ward übrigens, trotz der Nichtigkeit derselben, für legitim erkannt, die Königin lebte mit demselben zu Alhambra, bis zu seinem Tode, nach welchem sie von den Großen ihres Reiches, nach Castilien zurückgerufen und auf den erledigten Thron erhoben wurde. Eleonore suchte in einer weisen Führung des Scepters, in der Beglückung ihres Volkes Ersatz für ihr früheres gänzlich verfehltes Leben; sie wies auch jeden Antrag, sich wieder zu vermählen, zurück, und starb, kinderlos, noch nicht 30 Jahre alt, beweint von ihren Unterthanen, geehrt selbst von dem Manne, der die Schuld ihres Unglücks trug.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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