Eleonore, von Guienne

Eleonore, von Guienne von Guienne, geb. 1122, war die Tochter Wilhelm's IX., des letzten Herzogs von Aquitanien; vermählte sich in erster Ehe mit Ludwig VII. von Frankreich, und nach erfolgter Scheidung mit Heinrich II. von England. Ihr Vater erklärte sie, vor dem Antritte einer Wallfahrt, die er nach St. Jacob in Gallizien unternahm, zur Erbin seiner schönen Länder; jedoch mit der Bedingung, daß sie sich mit Ludwig, dem Sohne Ludwig's des Dicken, vermähle. Eleonore erfüllte den väterlichen Wunsch und gab nach seine Tode dem französischen Prinzen ihre Hand, dem sie ihr reiches Erbe Poitou, Saintonge, Gascogne, und die baskischen Provinzen als Mitgift zubrachte. Bald nach ihrer Verheirathung im Jahr 1137 bestieg ihr Gemahl unter dem Namen Ludwig VII. den französischen Thron. Die ersten Jahre seiner Regierung waren glücklich, und Eleonore, die durch ihr beträchtliches Heirathsgut das Königreich vergrößert hatte, vermehrte durch ihre Gegenwart den Glanz des neuen Hofes, Sie war auf dem Concilium zu Vezelai anwesend, wo der Abt Bernhard von Clairvaux den zweiten Kreuzzug predigte: Eleonore empfing das Kreuz aus den Händen des würdigen Mannes, und belebte und erhob den Eifer und den Muth der anwesenden Ritter und Barone. Im Sommer 1147 trat sie mit ihrem Gemahle die Reise in das gelobte Land an, und zeichnete sich am Hofe zu Constantinopel durch ihre Schönheit und liebenswürdige Lebhaftigkeit des Geistes aus. Nachdem sie mit der größten Ergebung alle Anstrengungen der so gefahrvollen Reise durch Kleinasien ertragen hatte, erreichte sie Antiochien, und ward von ihrem Oheim, dem Grafen Raimund von Poitiers, mit allen Beweisen der aufrichtigsten Freude empfangen. Doch hier scheiterte Eleonorens häusliches Glück. Raimund, dem viel daran gelegen war, Ludwig's Heer zurückzuhalten, um mit dessen Hilfe den Krieg mit seinen Nachbarn, den sarazenischen Fürsten, fortzusetzen, bemühte sich, der Königin Herz zu verlocken und sie für seine Plane zu gewinnen. Erweicht durch die Bitten dieses Fürsten, bestochen von den Schmeicheleien eines glänzenden und üppigen Hofes, und wenn man gleichzeitigen Schriftstellern Glauben beimessen will, von Vergnügungen und Neigungen verleitet, die des Weibes, und daher um so viel mehr der Königin unwürdig waren, bat Eleonore den königlichen Gemahl, seine Abreise nach Jerusalem zu verzögern. Nach dessen bestimmter Weigerung erklärte sie laut, sich von Ludwig VII. trennen zu wollen und schützte die Bande der Verwandtschaft vor, um die Einwilligung der Kirche zu erhalten. Sie wurde von ihrem Oheim in diesem Plane unterstützt, und von diesem alle Mittel aufgeboten, die schöne Frau in seinem Gebiete festzuhalten. Ludwig, als Gatte und Fürst beleidigt, sah sich genöthigt, seine Gemahlin mit Gewalt zu entführen. Aber das gute Verhältniß war einmal gestört, und Ludwig, den Gefühlen seines Herzens und der Stimme der gekränkten Ehre mehr gehorchend, als der Politik, willigte in die Scheidung; worauf sich Eleonore mit Heinrich Plantagenet von Anjou, Herzog von Maine und der Normandie, nachmaligem König von England, vermählte, und da- durch das reiche Guienne und Poitou in das Loos der gegen Frankreich feindlich gesinnten Macht warf. Eleonore war älter, als ihr zweiter Gemahl, der in der Verbindung mit ihr, nur seinem Ehrgeize Gehör gab. Schon nach kurzer Zeit quälte sie ihn mit den Ausbrüchen der heftigsten Eifersucht, und erweckte Zwiespalt und Hader am englischen Hofe, wie sie früher am französischen die Urheberin bittern Unfriedens gewesen war. Heinrich's Leidenschaft für die schöne Rosamunde und einige andere Frauen seines Hofes steigerten Eleonores Verdruß und ihre Eifersucht auf das Höchste. Sie entschloß sich endlich, Rache an dem treulose Gatten zu nehmen, und indem sie überall den Samen des Mißtrauens und des Hasses ausstreute, fand sie Mittel, die Königliche Familie zu entzweien und die Söhne gegen den eigenen Vater zu waffnen. Die Normandie, Aquitanien und England wurden der Schauplatz eines verheerenden Krieges. Sie selbst hatte sich in den Staaten Ludwig's VII. einen Zufluchtsort erwählt; und obschon dieser Monarch lange mit ihrer Rache bedroht gewesen war, so ward er doch ihr Verbündeter, als sie einzig darauf dachte, ihren zweiten Gemahl für seine Untreue zu strafen. Im Begriff, in männlicher Kleidung England zu verlassen, ließ Heinrich, der bereits von ihrem Vorhaben Kunde erhalten, sie verhaften und in engen Gewahrsam bringen. Eleonores Gefangenschaft währte von 1173 bis in das Jahr 1188, wo Richard Löwenherz seinem Vater auf dem englischen Throne folgte. Der erste Gebrauch ihrer Freiheit war der, ihren Sohn von der Vermählung mit Alix, Prinzessin von Frankreich, abzuhalten, indem sie ihn zu bereden suchte, Berengaria, Tochter des Königs von Navarra, zur Gattin zu nehmen. Während des dritten Kreuzzuges, der Richard im Morgenlande festhielt, war sie von ihm zur Regentin ernannt worden; und als jener auf seiner Rückkehr in östreichische Gefangenschaft gerieth, verwendete sie sich bald bei dem Papst und dem Kaiser Heinrich VI., bald bei Philipp August von Frankreich und allen christlichen Fürsten, um die Freiheit ihres Sohnes zu erhalten. Einige Jahre nach dessen Befreiung 1194 zog sich Eleonore nach Fontevrauld zurück, wo sie 1203 in einem Alter von mehr als 80 Jahren ihre Tage beschloß.

E. v. E.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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