Eleonore Tellez

Eleonore Tellez, Königin von Portugal, die Tochter eines Edelmannes ohne hohen Rang, aber ausgezeichnet durch blendende Schönheit und dadurch berufen, eine glänzende Rolle in der Welt zu spielen, war 1350 in dem Dörfchen Tellez an der spanischen Grenze geboren, Ihr Vater war Herr eines kleinen Gutes, doch stolz auf das Alter seiner Familie und seine Titel, darum geschah es auch nicht ganz mit seinem Willen, als Eleonore einen Edelmann, Johann Lorenz d'Acunha, zum Gatten wählte, welcher zwar reich, sich aber nicht so vieler Ahnen rühmen konnte wie er. Eleonore dachte hierüber anders; sie war vierzehn Jahr alt, und sehnte sich aus ihrer Einsamkeit in das Geräusch der großen Welt. Ihre Wünsche gingen bald in Erfüllung, d'Acunha hielt sich, kaum 40 Jahre zählend, noch nicht für zu alt, um in Lissabon glänzen und mit der jungen Frau prunken zu können. War Leonore vorher schön zu nennen, so überstrahlte sie jetzt durch die innere Freude geistig erhoben, durch den großen Aufwand auch äußerlich geschmückt, alle Frauen umher; die ganze Residenz, der Hof, und zuletzt der König Ferdinand I. selbst lagen ihr zu Füßen, und suchten einen Blick, ein freundliches Lächeln ihrer Lippen zu erhaschen. Das junge unerfahrene Weib gab sich mit dem lebhaftesten Freudegefühl, diesen schmeichelhaften Huldigungen hin, doch nicht ohne Gefahr für ihre Ruhe, denn der König setzte seine Bewerbungen so auffallend fort, daß der eifersüchtige Gatte aufmerksam werden mußte, und der schönen Dame mancher Verdruß daraus erwuchs. Bald sollte dieses Unheil noch höher steigen, indem Lorenz d'Acunha seiner Gemahlin zum wahren Todesschrecken ankündigte, daß sie sich zur Heimreise vorzubereiten habe, weil er des Lebens in der gefahrvollen Residenz völlig überdrüssig sei. Schweigend mit kaum unterdrückten Thränen hörte Eleonore diesen Befehl, doch ungehalten brachen dieselben hervor, als der Gatte sie nicht mehr sah, und in diesem Zustand überraschte sie der König, der, ohne zu ahnen, welch eine Veränderung so plötzlich vorgehen sollte, gekommen war, um ihr seine Huldigungen darzubringen. Seinen Bitten vermochte die junge Frau nicht zu widerstehen, sie sagte ihm, was sie so betrübte, und Ferdinand, keinen Augenblick zweifelnd, daß die Neigung der Donna zu ihm eben so groß sei, als die seinige zu ihr, machte ihr den Vorschlag, dem Gatten zu entfliehen, und sich in seinen Schutz zu begeben. Das ganze Gefühl weiblicher Würde erwachte in ihr, die nie geglaubt, daß es möglich sei, ihr einen solchen Antrag zu machen, und nun betrieb sie selbst die Abreise, da sie sah, daß sie unwissend an einem gefährlichen Abgrund gestanden. Der Tag des Abschieds von allen ihren Freuden schlug, und obwohl ihr der edle Entschluß, das drohende Geschick, das sich ihr vorzubereiten schien, zu fliehen, mehr Muth und Stärke gab, als sie erwartet, so konnte sie sich doch nicht läugnen, daß sie einer freudenlosen Zukunft entgegen gehe. Anders war es vom Schicksal beschlossen. Der liebekranke König wollte die Hoffnung auf den Besitz des reizenden Weibes nicht aufgeben. Von einigen vertrauten, zuverlässigen Dienern geleitet, verfolgte er die Spur der Geliebten, und wenige Tage nach ihrer Abreise hatte er sie schon erreicht. Das Wirthshaus, in welchem Eleonore und ihr Gatte übernachteten, ward umstellt, mit geschwärzten Gesichtern, und vermummt drangen des Königs Gehülfen in das verschwiegene Gemach, in welchem das Ehepaar wohnte. Don Lorenz d'Acunha ward gebunden im Bette zurückgelassen, seine reizende junge Frau aber entführt. Jetzt hoffte der König die Früchte seiner Gewaltthat genießen zu können, erntete jedoch nur Abscheu ein. Eleonore wies ihn auf das Strengste von sich. Dessen ungeachtet kehrte er zurück mit der Geraubten, und führte sie nächtlicher Weile in die Königsburg zu Lissabon. Bis zum Morgen hatte der arme d'Acunha in der peinlichsten Lage gebunden zubringen müssen, dann befreiten vorübergehende Maulthiertreiber die gefesselten und geknebelten Wirthsleute, und diese ihren Gast. Schäumend vor Wuth, halb ahnend, wer der Frevler sei, und doch weder muthig, noch gewiß genug seiner Sache, kehrte er nach Lissabon zurück, woselbst er durch seine Erkundigungen seine Vermuthung beinahe bestätigt fand. Endlich faßte er sich ein Herz, begab sich zum König und erzählte diesem, was man ihm gethan. Dieser, welcher bisher ganz vergeblich versucht, die Sprödigkeit seiner schönen Gefangenen zu besiegen, getrieben von der heftigsten Leidenschaft, wollte um jeden Preis die Geliebte besitzen, und hatte ihr daher, wenn dieses irgend möglich zu machen wäre, eine Scheidung von ihrem Manne angetragen, ihr die Königskrone versprochen, wenn sie seine Wünsche erfüllen wollte. Diese Versuchung war dem kalten ungeliebten Manne gegenüber, zu stark gewesen, und sie hatte ihm erröthend gestanden, daß sie der Scheidung nicht entgegen sei. Der König beschloß nunmehr, allen Ernstes durchzuführen, was er nur als Köder aufgestellt, um das schöne Wild in sein Netz zu locken. Er machte daher dem Don den Vorschlag, sich von seiner Gattin gerichtlich zu trennen, versprach, ihn mit Gütern und Ehren zu überhäufen, stellte ihm vor, wie wenig anständig es sei, die Gattin aus den Händen des Entführers, in dessen Hause sie so lange verweilt, wieder zurück zu nehmen, und brachte es dahin, daß d'Acunha in die Trennung willigte. Nur der Stolz, nicht aber Leonorens Herz hatte Antheil an der Erfüllung der Wünsche des Herrschers. Ein Jahr floh der Königin im immerwährenden Taumel dahin. Leonore war kaum sechszehn Sommer alt, frisch blühte jeder ihrer Reize; kein Wunder, daß des neuen Gatten Gluck vollkommen war. Nicht so das Glück der jungen Frau, ihr fehlte Alles, denn ihr Herz war leer geblieben, oft hing sie mit stummem Schmerz an den schönen Scenen, welche die freiere Sitte des Hofes herbei führte, da war Alles fröhlich gepaart, und wenn die in Liebe schwimmenden Blicke einer ihrer Hofdamen auf den geliebten Ritter fielen, wenn sich in ihnen alle Seligkeit der Liebe aussprach, dann fühlte sie mit tiefer Wehmuth, daß ihres Lebens Räthsel noch nicht gelöst sei. Jetzt trat plötzlich eine glänzende Erscheinung auf. Don Fernando von Andeira, ein junger Edelmann aus Galicien, kam an den Hof von Lissabon, und wie von einem unsichtbaren Zauber geleitet wendeten sich die Herzen aller Damen auf diesen Mann, und auch die Königin blieb nicht ungerührt, allein Andeira ging stolz und achtlos an all' den schönen und üppigen Blumen vorüber, als wären sie gar nicht auf der Welt. – Die Ritter fanden es unerträglich, sich um dieses Fremdlings willen zurückgesetzt zu sehen, und dachten sich seiner zu entledigen, so daß seine schweren schwarzen Haarlocken und seine feurigen Blicke ihnen keinen Schaden mehr thun sollten. Doch ein Duell nach dem andern ward von dem neuen Helden, mit gleichem Muth, und gleichem Glück bestanden: er verwundete alle seine Gegner im Gesichte und entstellte sie so. Bald gewahrten aber die Uebrigen, daß er keine Absichten auf ihre Damen hege, wohl aber schien Allen klar, daß nicht Gefühllosigkeit daran Schuld sei, denn mit mehr als gewöhnlicher Aufmerksamkeit sah man ihn nun um die junge Königin bemüht; und diese, geschmeichelt durch den Vorzug, den er vor allen Damen ihr gab, bestochen durch seine Tapferkeit, seine hohe männliche Schönheit und seinen ungewöhnlich reich geschmückten Geist, blieb nicht gleichgiltig gegen so viele Vorzüge. Zum ersten Male berührte Liebe das noch freie Herz, und mit einer Allgewalt, welche alle Schranken zu durchbrechen drohete. Jetzt durfte der Galicier bei keinem Feste fehlen, und da er sich dem Könige so angenehm zu machen wußte als der Gebieterin, so sah Ferdinand selbst seine Nähe täglich lieber, und fand es nicht unrecht, als die Königin ihn aufmerksam darauf machte, daß eine Standeserhöhung, ein Orden, ein wichtiger Staatsdienst nöthig wäre, um den Fremden an seinen Hof zu fesseln. So ward dieser zum Grafen von Ourem erhoben, mit dem Christusorden geschmückt und schnell von einer Ehrenstufe zur andern befördert. Die größere Freiheit im Umgange mit Männern, welche in Portugal den vermählten Damen mehr als irgendwo anders gestattet ist, benutzte auch die Königin für sich. Mehrere Jahre verflossen der schönen Leonore in ungetrübtem Glück, bis ihr Gemahl endlich auch erfuhr, daß er es nicht sei, der dieses Glück befördere. Zorn, Eifersucht und Rache erwachten in seiner Brust. Die nächste Gelegenheit ergreifend, suchte der König Streit mit dem Grafen, und durchbohrte ihn vor den Augen Leonorens, mit dem Schwerte, da der Graf den Degen nicht zu ziehen wagte. So heftig war die Leidenschaft des Königs, daß er die Gattin nicht verstieß, sondern ihr Alles verzieh, und noch eine Reihe von Jahren mit ihr lebte, wiewohl des liebenden Weibes Glück vernichtet war. Eine Tochter entsproß dieser Ehe, sie ward mit dem Prinzen Johann von Castilien vermählt. Als Ferdinand starb, wandte sich die Königin gegen einen Prätendenten, den Großmeister von Avis, und stand thätig auf der Seite ihres Schwiegersohnes; doch dieser selbst ließ sie in ein Kloster zu Valadolid in Spanien sperren, woselbst ihr lange Zeit blieb, das Glück und die Verirrungen ihrer Jugend zu beweinen.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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