Elfeda, Tochter Alfred's des Großen

Elfeda, Tochter Alfred's des Großen. Alfred's des Großen einzige Tochter, und Schwester Eduard's I. von England, war so außerordentlich schön und tapfer, daß beide Eigenschaften sprichwörtlich wurden, wie seltsam dieß auch klingen mag. In jener wildbewegten rauhen Zeit stand Muth und Kühnheit bei Frauen in höherem Preise als jetzt, und Elfeda wurde durch Jagd und leichte Fehdezüge vorbereitet zu schwereren Kämpfen, welche sie mit ihrem Bruder theilte. An ihrer Seite stritt ein kriegerischer Fürst Ethelred von Mercia. Zur Bewunderung hingerissen warb er um die Hand der reizenden Prinzessin, und der königliche Bruder, die Neigung des holden Mädchens erkennend, wollte kein Hinderniß ihren Wünschen in den Weg legen – er fügte die Hände der Liebenden, welche durch gleiche Neigungen und Gefühle an einander gekettet waren, zusammen, und erwarb sich so den treuesten Freund in dem Gatten seiner Schwester. Kurzer Ruhestand der kriegerischen Angelegenheiten gönnte den Liebenden sich auf ihre Schlösser zurück zu ziehen, und nach wild durchtobter Zeit des Kampfes eines idyllischen Lebens sich zu freuen – alle Gefühle der Liebe wurden hier doppelt rege, und bald wiegte der glückliche Vater ein schönes Mädchen auf seinen Armen. – Bis dahin hatte sie die Pflichten einer Gattin und Hausmutter nicht vernachlässigt, jetzt aber übertrug sie ihr Hauswesen einer Freundin, und geleitete ihren Gatten auf allen seinen Zügen. Die Dänen, mit ihrer starken Seemacht, überzogen England immerfort mit neuen Stürmen, und diesen Einfällen war Mercia, ein Küstenland, stets zuerst ausgesetzt – hier leisteten nun Elfeda und Ethelred dem König Eduard die wichtigsten Dienste, indem sie stets gewaffnet und gerüstet die feindlichen Heere zurück schlugen, die Angriffe leiteten (wobei besonders Elfeda sich durch ihre unbesiegbare Tapferkeit und Starke auszeichnete) und die Herrschaft der Dänen in den Seeprovinzen immer mehr schwächten. Aber Ethelred starb nach wenig Jahren und der muthige Held lag auf dem Scheiterhaufen, welcher seinen Körper in Asche verwandelte. Ein Heldengrab umschloß seinen Aschenkrug, sein Streitroß und seiner Gattin Waffen; Schwert und Schild des Geliebten, führte von da an Elfeda, zum Andenken an den Theuern, den nie Vergessenen. König Eduard hatte eine solche Achtung vor dem Muth und der Klugheit seiner Schwester, daß er sie zur Statthalterin der am Meere gelegenen Provinzen Englands machte, und er täuschte sich nicht in seinem Vertrauen. Sie befestigte und besetzte alle Seestädte, rückte dann mit gewaffneter Hand in Wallis ein, zwang die Walliser, sich Englands König zu unterwerfen, und ihm tributpflichtig zu werden, nahm dann den Dänen im Jahr 918 (im 21. ihres Alters) die Grafschaft Derbi, 919 Leicester, und 920 York ab, bis sie endlich dieselben im Jahr 922 gänzlich aus England vertrieb. Ihr Heldenmuth, ihre Feldherrenklugheit, ihre Regententugenden erwarben ihr den Beinamen des Königs. – Jedermann nannte sie nicht Königin, sondern König Elfeda, und Ingulph, ihr Historiograph, sagte, man hätte der Heere wegen, die sie befehligt, der Städte wegen, die sie befestigt, der Schlösser und Festen wegen, die sie erobert und zerstört, wirklich glauben sollen, sie habe ihr Geschlecht verändert, denn selbst damals, wo man noch die Schildjungfrauen kannte, und wo oft in dem kleinen Heere eines Grafen oder Fürsten, der sechste Theil aus muthigen kampfeslustigen Schildjungfrauen und Walküren bestand, selbst damals fiel ihre Tapferkeit als etwas höchst Ungewöhnliches auf. Sie starb nach kaum beendetem Kriege mit den Dänen im 29. Jahre ihres Alters, und ward in dem Garten des Klosters Glocester, welches sie um das Heldengrab ihres Gatten erbaut, neben diesem tapfern und von ihr hochgeliebten Fürsten begraben, mit aller Ehre, welche einem so erhabenen Geiste, wie der ihrige, gebührt.

V.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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