Elisabeth, Kaiser Albrecht's I. Gemahlin

Elisabeth, Kaiser Albrecht's I. Gemahlin

Elisabeth, Kaiser Albrecht's I. Gemahlin, Kaiser Albrecht's I. Gemahlin, war eine Tochter Herzog Meinhard's zu Kärnthen und Tyrol, welche beide schönen Länder durch sie an das Haus Oestreich gelangten. Sie lebte mit ihrem Gemahl in einer sehr glücklichen Ehe, in welcher sie ihm 21 Kinder gebar, von denen eilf am Leben blieben, die übrigen 10 aber frühzeitig starben. Die Schriftsteller ihrer Zeit nennen sie eine an Schönheit und Verstand, Zucht und Tugend unübertreffliche Fürstin. Mehrere dieser Eigenschaften kamen ihr zu Statten, um die traurigen Schicksale zu ertragen, welche ihr beschieden waren. Denn die mit Widerwärtigkeiten begonnene und durch Meuchelmord beendete Regierung ihres Gemahls brachte auch ihr der Sorgen und Leiden gar viele, und mehrere Male war ihr Loos an seiner Seite so hart, daß die ganze Kraft der Liebe, die in ihrem Herzen für ihn loderte, dazu gehörte, nicht zu erliegen, und ihm durch Fassung, Geduld und Zuversicht ein erhebendes und ermuthigendes Beispiel zu geben. Bald nach ihrer Vermählung mit Albrecht schlug sein Vater, Kaiser Rudolph I., ihn zum deutschen Kaiser vor; doch Adolph von Nassau ward ihm vorgezogen, und erst der blutige Kampf der Waffen entschied später für ihn, indem er Adolph, der mit tollkühnem Muthe gleich einem Rasenden in der Schlacht auf ihn eindrang, und ihnen zurief: »Hier sollst Du mir das deutsche Reich wohl lassen« durch einen Stich in's Auge zu Boden streckte. Hierauf wurde er zwar zur Kaiserkrone berufen und mit ihr gekrönt, aber von den rheinischen Kurfürsten wieder abgesetzt, die ihn als den Mörder Kaiser Adolph's anklagten, und ihm den Gehorsam verweigerten. Indem er ein Heer zusammen rief, und ihre Länder mit Feuer und Schwert verheerte, befestigte er sich auf seinem Thron, der aber theuer durch das vergoßne Blut erkauft war. Alle diese Drangsale half Elisabeth's Trost und ihre Theilnahme ihm tragen und dadurch erleichtern. Herbere Prüfungen noch als die Schrecken des Kriegs wurden ihr durch die Heimtücke heimlicher Feinde bereitet, die dem Kaiser nach dem Leben trachteten. Eine Vergiftung, die ihn zwar nicht tödtete, aber ihm doch ein Auge kostete, und deren Anstifter unentdeckt blieb, betrübte die treue Gattin sehr, denn die Mittel dagegen waren in diesen Zeiten der Kindheit der Heilkunde fast eben so schrecklich, als das Gift selbst. Nur die treffliche Pflege der Kaiserin, so wie späterhin der Gebrauch des Bades zu Baden, stellte ihn nach und nach wieder her. Ahnungslos, daß die Zukunft ihr noch Schlimmeres bringen könne, glaubte Elisabeth nun das Mißgeschick erschöpft und fand in ihrem unwandelbaren Eheglück Ersatz für den Kummer und die Unruhen der Vergangenheit. Mit freudigem Eifer und kluger Umsicht trug sie zur Erleichterung und zum Wohl der Unterthanen bei, und ihre menschenfreundliche und fromme Gesinnung bethätigte sich auf jede Weise. So hatte sie in Gmünd, in Oberöstreich eine sehr ergiebige Salzquelle entdeckt, und auf ihre Kosten Pfannen zum Sieden des Salzes errichten lassen, wodurch die Länder ihres Gemahls weit und breit mit Salz versorgt wurden. Aus dem süßen Traum, nun nach der Schwüle und den Stürmen ihrer Lebenstage sich noch eines heiteren Abendroths neben ihrem Gemahl zu erfreuen, weckte sie auf die entsetzlichste Weise die Kunde seiner Ermordung durch Johann von Schwaben, als sie eben mit ihrer Tochter, der Königin Agnes von Ungarn, und mit Kaiser Albrecht's Stiefmutter sich zu einem ländlich frohen Aufenthalt nach Rheinfelden begeben hatte, und seinen versprochenen Besuch erwartete. Der Schmerz der Seinigen läßt sich nicht beschreiben. Die Kaiserin, die ihren Gemahl unbeschreiblich geliebt hatte, und 26 Jahre mit ihm vermählt gewesen war, ließ auf der Stätte des Jammers, die sein Blut getrunken, ein Bethaus erbauen, wohin zwei geistliche Brüder adeliger Herkunft von ihr berufen wurden, täglich für die Ruhe seiner Seele zu beten, bis sie vereint mit ihrer Tochter Agnes, Königin von Ungarn, das Kloster Königsfelden dort begründete, in welchem sie ihre noch übrigen Tage in tiefster Einsamkeit beschloß. Sich nicht mehr mit weltlichen Angelegenheiten befassend, überließ sie die Strafe der Mörder, welche größtentheils eingefangen wurden, ihren Kindern. Fünf Jahre lebte die kaiserliche Witwe noch dem Andenken ihres Gemahls, der frommen Pflicht, für ihn zu beten, und der Sehnsucht, in einer bessern Welt wieder mit ihm vereinigt zu werden. Sie starb den 28. October 1313 im funfzigsten Jahre ihres Lebens, und wurde in Königsfelden begraben.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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