Essex, Robert Devereux, Graf von

Essex, Robert Devereux, Graf von, Robert Devereux, Graf von, der bekannte Günstling der Elisabeth (s. d.), ward den 10. November 1567 zu Nethwood, in der Grafschaft Herefordshire, geboren, widmete sich nach dem frühen Tode seines Vaters zu Cambridge, mit Erfolg den Studien und zeigte lange Zeit eine große Abneigung gegen seinen Stiefvater, den Grafen Leicester, der das Werkzeug seiner Erhebung werden sollte. Nur der mütterliche Wunsch und der eigne, sich früh rcgende Thatendurst bestimmten ihn, jenem in den Krieg nach Holland zu folgen. Er legte dort glänzende Proben der Tapferkeit ab, und im 20. Jahre bereits war er General. Elisabeth, Englands große, geistvolle Königin, war schon bejahrt, als Leicester, der Geliebte ihrer frühern Jahre, den von mütterlicher Seite so übel Empfohlenen ihr vorstellte. Seine Jugend und sein Wesen zogen sie an, und sein Geist flößte ihr ein höheres Interesse für ihn ein. Sie nahm es über sich, ihn zu bilden. Bald und oft widersprach der Schüler, ohne den Zorn der außerdem nicht langmüthigen Elisabeth zu erregen, und als sie ihn zum Großstallmeister ernannte, geschah dieß nur, um ihn in ihrer Nähe zu behalten. Zahlreiche Freunde gewann ihm am Hofe die eigne, ansprechende Persönlichkeit, so wie der Sonnenschein der Fürstenneigung, die sich im Kurzen noch entschiedner für ihn bemerkbar machen sollte. In Tylburn ward 1588 eine Armee zusammengezogen, um einem von Spanien befürchteten Einfalle zu begegnen. Die Königin begab sich selbst in das Lager, erhob Essex zum General der Cavalerie, und schmückte ihn mit dem Hosenbandorden So ausgezeichnet und öffentlich zum Lieblinge seiner Beschützerin erklärt, fühlte Essex damals gewiß aufrichtige Dankbarkeit; dennoch konnte ihn, den thatendurstigen, lebenslustigen Jüngling, die Alternde nicht so vollkommen fesseln, daß er sich nicht hinweg gesehnt hätte von der Einförmigkeit des Hoflebens, hinaus in den Kampf, wo frische Lorbeern für seine jugendlichen Schläfe blühten. Er entfloh heimlich und schloß sich einer nach Portugal bestimmten Expedition an. Nach London zurückgekehrt, fand er die Gesinnung der Monarchin gegen ihn ziemlich erkaltet und mußte durch Gewalt Walter Raleigh und Karl Blount, die seine Stelle einzunehmen bemüht gewesen waren, entfernen. Mit dem Letztern bestand er einen Zweikampf und ward verwundet Elisabeth, von wiederkehrender Liebe und Mitleid ergriffen, beschenkte den Genesenen auf's Neue mit ihrer besondern Gunst. Von diesem Zeitpunkte an beginnt der unselige, doch begreifliche, Wahn des durch zu große Nachsicht verzogenen Lieblings, er dürfe sich Alles erlauben, und ertrotzen, was ihm nicht augenblicklich gewährt würde. Leicester war todt und nur der Lord Schatzmeister Burleigh stand ihm um so furchtbarer entgegen, je mehr dieser heimlich dem Arglosen, der der Beförderung seines eigenen Sohnes Robert Cecil im Wege stand, bei der Königin zu schaden suchte. Unvorsichtig wie immer, schloß Essex um diese Zeit eine Heirath mit der Witwe des Sir Philipp Sidney, Tochter des berühmten Walsingham, und verwundete dadurch die eifersüchtige Königin tief. Dennoch erhielt er 1591 den Oberbefehl über die englischen Hilfstruppen im Lager Heinrich's IV. vor Rouen und ward 1593 zum Mitgliede des geheimen Raths ernannt. 1596 bestimmte er und der Admiral Howard Elisabeth's Entschluß, eine Flotte gegen Spanien auszurüsten. Klug hatten indessen seine Feinde die kurze Abwesenheit genutzt, um dem Sieger einen ungnädigen Empfang bei der Schöpferin seines Glückes zu bereiten, und der ungemessene Beifall des Volks, das den verschwenderischen, tapfern Essex vergötterte, wirkte mit, ihn in ihren Augen gefürchtet und verdächtig zu machen. Ein Liebesverständniß des Flatterhaften mit der schönen Bridges, einem Hoffräulein, entdeckte die Königin selbst und strafte die Schuldige mit eigner Hand. Nach langem Zürnen von beiden Seiten kam endlich, zum letzten Male, eine Versöhnung zu Stande. Essex ward mit den bedeutendsten Vollmachten nach Irland als Vicekönig gesandt, um einen ausgebrochnen Aufstand zu unterdrücken. Statt dessen schloß er Bündnisse mit den Empörern und handelte in jeder Art seinen Aufträgen so vollkommen entgegen, daß es seinen Feinden leicht ward, ihn des Verraths zu zeihen. Ernsten Tadel von Elisabeth's Seite beantwortete er in dem gewohnten, hochfahrenden Tone, und als er eine abermalige Mahnung zur Aenderung seines Verfahrens und den Befehl, Irland nicht zu verlassen, erhielt, that er gerade das Gegentheil. Am 28. September 1599, als die Königin eben aufgestanden war, öffnete sich die Thür und der Angeschuldigte lag zu ihren Füßen, um sich mündlich zu rechtfertigen. Wirklich gelang es ihm für den Augenblick, durch diese Ueberraschung ihren gerechten Unwillen zu entwaffnen; allein schon am Abend erhielt er Arrest und es begann eine Untersuchung gegen ihn, bei der er sich nur höchst unvollständig vertheidigen konnte und in Folge deren er aller seiner Aemter, das eines Großstallmeisters ausgenommen, entsetzt ward. Schon damals mußte sich Essex tief erniedrigen, um den Reuigen so zu spielen, daß sie gerührt ward und nicht harter mit ihm verfuhr. Doch diese Rührung war das letzte Lächeln der von ihm gewaltsam verscheuchten, nun gänzlich entschwebenden Fortuna. Vom Hofe verbannt, sollte er geduldig harren, ob man ihn wieder zu Gnaden aufzunehmen gesonnen sei, das lag nicht in seiner Seele. Hatte er vergeblich das Opfer der Verstellung gebracht, so fiel nun die lästige Maske; er ward, was er früher schien, Rebell. Von zahlreichen Freunden unterstützt, auf die schwankende Volksgunst bauend, trat er in Unterhandlungen mit Jakob VI. von Schottland, dem präsumtiven Thronfolger; er beabsichtigte, sich der Person der Königin zu bemächtigen und sie zur Berufung eines Parlaments und zur Einsetzung anderer Minister zu zwingen. Alles das mißlang. Gefänglich eingezogen, war er verloren, und es bedurfte, als der Gerichtshof das Todesurtheil über ihn aussprach, kaum noch der Einflüsterungen von Frauen, die ehedem Opfer seiner betrüglichen Leidenschaft geworden waren und jetzt in Rachelust der Königin seine unverzeihlichen Spöttereien über sie wiederholten, um die als Weib und Herrscherin gleich schwer Gekränkte zum Unterzeichnen desselben zu vermögen. Am 25. Febr. 1601 fiel sein Haupt im Hofraume des Towers unter dem Beile. Die wahre Reue, die er in den letzten Augenblicken bezeugte, versöhnt in etwas mit dem wilden Wahne, der ihm den Tod zuzog. Elisabeth überlebte ihn nur 3 Jahre.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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