Estrées, Gabriele d'

Estrées, Gabriele d'

Estrées, Gabriele d', gewöhnlich die schöne Gabriele genannt, lebte zu den Zeiten Heinrich's IV. von Frankreich, dessen Neigung sie gewann und bis zu ihrem Tode fest hielt. Sie war im Jahr 1576 geboren, und ihrer Reize wegen schon früh von einer Schar leichtsinniger Männer umschwärmt, die sich bemühten, ihr Wohlgefallen auf sich zu ziehen, und gegen die sie sich keineswegs grausam erwies. Eben war der Herzog von Bellegarde ihr erklärter Liebhaber, als Heinrich IV. sie kennen lernte, und von ihr bezaubert, sie mit leichter Mühe dem Herzog abspenstig machte, um sie selbst zu besitzen. Man gibt ihr indessen Schuld, daß sie selbst dem König nicht treu geblieben, der sie mit der größten Zärtlichkeit, ganz im Geist des Zeitalters der Chevalerie liebte, ihr, wenn er von ihr getrennt sein mußte, die herzlichsten Briefe schrieb, und wenn er bei ihr war, sie mit Güte und den feinsten und gemüthvollsten Aufmerksamkeiten überhäufte. Er hatte es, des äußeren Anstandes wegen, für nöthig gefunden, ihr einen Gemahl zu geben, nach welchem sie sich Frau von Liancourt nannte. Bald inzwischen zur Herzogin von Beaufort ernannt, trat Gabriele öffentlich als die Geliebte Heinrich's auf. Noch nicht zufrieden, strebte sie selbst nach dem Throne, und Heinrich's Schwäche würde ihren Wunsch gewahrt haben, wenn nicht die Schwierigkeiten doppelter Ehescheidung (da auch er noch mit seiner ersten Gemahlin vermählt war), so wie der Minister Sully dieß verhindert hätten. Gabriele, die sich bloß durch ihre glänzende Außenseite vortheilhaft auszeichnete, deren Verstand aber eigentlich nur Schlauheit, so wie ihr Charakter ein Gemisch von Hoffahrt, Heftigkeit, Ehrsucht und Leichtsinn war, starb sehr plötzlich im Jahr 1599 nicht ohne zu der Befürchtung Anlaß zu geben, daß irgend eine feindliche Hand durch Gift ihre Tage verkürzt habe. Denn es zeigten sich bald nach ihrem martervollen Tode die gräßlichsten Entstellungen an ihrem reizenden Körper, die auf eine gewaltsame Zerstörung deuteten. Der König war Anfangs trostlos, doch linderten bei seinem leicht erregbaren Sinn bald neue Bekanntschaften seinen Schmerz, und halfen ihn zerstreuen. Sie hinterließ drei Kinder von Heinrich.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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