Europa (Geographie)

Europa (Geographie). Der kleinste, aber mächtigste unter den fünf bekannten Welttheilen, von einigen nur eine Halbinsel Asiens genannt, liegt auf der östlichen Halbkugel, wird im Osten durch den Ural von Asien, im Süden durch das mittelländische Meer von Afrika, im Westen durch den atlantischen Ocean und die Nordsee von Amerika getrennt, im Norden aber von dem Eis- und weißen Meer begrenzt. Gleich fern von der Alles erstarrenden Kalte des Nordpols, wie von der sengenden Glut des Aequators, liegt es größtentheils im Bereiche der gemäßigten Zone. Sein Flächenraum beträgt 180,000 Quadrat Meilen. Nach verschiedenen Richtungen hin ist es von Inseln umgeben, worunter England mit Schottland, Irrland, Island, Sicilien und Corsika die größten sind. Mächtige Ströme, zahlreiche Flüsse münden nach den Meeresküsten. Zahlreich sind auch die Seen, doch hinsichtlich ihrer Größe nicht mit denen anderer Welttheile zu vergleichen. Als Schutzmauer des Ostens kann das Uralgebirge gelten; die Mitte und den Süden durchkreuzen die Karpaten, der Balkan, die Alpen, Apenninen und Pyrenäen in verschiedenen Richtungen. Kleinere Gebirgstöcke sind die Sudeten, das Erzgebirge, die Sevennen etc. Europa's Klima ist milder als das anderer Welttheile unter denselben Breiten. Im Süden: Spanien, Italien, Sicilien gedeiht der Cactus, die Agave, die Palme, das Zuckerrohr. Etwas weiter hinauf die Olive, Orange, Citrone, die Baumwolle, der Reis. Bis zum 51° reist trefflicher Wein, und bis 6° Getreide. Die nördlichern Theile bedecken ungeheure Nadelwälder, die erst über 70° verkrüppeln. Man hat die Wälder gelichtet, welche die Höhen bedeckten, der Sonnenwärme freie Bahn gemacht, und so ist Europa mit Ausnahme der nördlichsten Regionen ein fruchtbarer Welttheil geworden, der auf verhältnißmäßig kleinem Raum eine ungeheuere Population ernährt, wie kaum ein anderer Erdtheil. – Im Süden der Türkei und Rußlands findet man das Kameel, im äußersten Norden das Rennthier. Pferde sind fast überall, in Rußland noch wild, Auerochsen und Elenthiere nur in Rußland, Steinböcke und Gemsen in der Schweiz, Tyrol und Steyermark. Im südlichen Spanien gibt es noch wilde Affen, in Scandinavien den Vielfraß. Der Bär haust nördlich und südlich in Gebirgswäldern; Pelzthiere sind besonders dem Norden eigen. Hirsche, Rehe, wilde Schweine gibt es fast überall, so auch wildes Geflügel – im Norden Eidergänse, Schwäne etc. Im Süden wird Seidenbau getrieben. Die Gebirge liefern Gold im Ural und den Karpaten; Silber weit verbreitet; viel Eisen, Kupfer, Blei, Quecksilber, Zinn, Steinkohlen, Salz, Schwefel, Vitriol, Alaun etc. Arm ist Europa an Edelsteinen, aber reich an Marmor, Alabaster, Porphyr, Reißblei und edlen Thonarten. Die Anzahl der heilsamen Mineralquellen übertrifft die aller andern Welttheile. Ist Europa's Oberfläche auch nicht mit der riesigen Natur, mit den Bergzügen, gigantischen Strömen, paradiesischen Ebenen Asiens und Amerika's zu vergleichen, so ist es doch nicht arm an pittoresken Landschaften, Alpenthälern, Felsgebirgen, romantischen Ebenen, deren Reiz noch durch die Seele des Ganzen: den Menschen mit seinen friedlichen Wohnsitzen, in zahllosen Städten, Dörfern und Landhäusern erhöht wird. Hier gibt es fast keine Steppen, keine Prairien, Pampas, keine Sandwüsten und hundert Meilen weiten Einöden; überall erblickt man Leben, Regsamkeit, Kultur, überall Sicherheit, Ordnung, Gesetzlichkeit. Keine wilden Stämme bekämpfen sich im blutigen Vertilgungskriege; überall sind die Grenzscheiden geregelt, überall der Völkerverband festgestellt. Europa ist das Mutterland Amerika's, die Wiege seiner jungen, lebenskräftigen Völker. Die weißen Einwohner aller afrikanischen, asiatischen und australischen Kolonien nennen Europa ihr Stamm-, ihr Heimathland. Von hier aus schritt die Kultur der neuen Aera nach allen Seiten der Windrose; seine intellectuellen Kräfte besiegten Völkerschaften unter allen Zonen, brachten ihnen Kultur, gaben ihnen Religion und Gesetze. – Die Zahl der Bevölkerung Europa's, ein Sechstel der der ganzen Erde (während sein Flächeninhalt nur den 13. Theil der ganzen festen Erdoberfläche ist), beträgt 230 Millionen Seelen; sie bestehen aus den Nachkommen der alten Celten und Briten, aus Germanen, Slaven, Finnen, Letten, Arnauten, Tataren, nebst ihren Unterabtheilungen und Vermischungen. Unbekannter Herkunft sind die Wlachen und Magyaren. Juden, Armenier und Zigeuner leben zerstreut – Die allgemeine Religion ist die christliche, welche sich in die römische, griechische und protestantische zertheilt. Letztere zerfällt in zahlreiche Secten. Unter den Samojeden und Lappen gibt es noch Heiden; ein Theil der Bevölkerung in der Türkei und Rußland bekennt sich zum Islam. Mit Ausnahme weniger Republiken ist die Regierungsform überall monarchisch nur in der Türkei despotisch. – England, Frankreich. Spanien Portugal, Holland, Rußland, Schweden und Dänemark haben Kolonien in Asien, Afrika, Amerika und Australien. 130 Mill Menschen fremder Welttheile stehen unter europäischer Herrschaft. Europa beherrscht die Meere und ist noch immer der Träger der Kultur für andere Welttheile, der Born des Wissens, der Aufklärung, des geistigen Reichthums für dieselben. Noch ist es ein Riese, trotz seines Alters, mächtig und gesund im Marke, voll Thatkraft, imposant, dem in die Barbarei versunkenen Asien, dem wüsten Afrika, dem lebenskräftigen, aber in seiner Innenbildung noch begriffenen Amerika gegenüber. Von hier gingen die größten und nützlichsten Erfindungen aus, von hier riesige Entdeckungen, Kolonisationen, Handelsunternehmungen etc. Es ist der heilige Tempel, nach welchem alle neueren Völkerschaften voll Ehrfurcht und Andacht blicken, weil von ihm aus ihnen das Licht aufging, weil er in seinem Mysterium die Weisheit der untergegangenen Geschlechter Asiens und Afrika's bewahrte, und sie fortbildend den neuen Generationen offenbarte. Europa ist die Pflanzschule der neu entdeckten und noch zu entdeckenden Welttheile, sein Keim befruchtet nicht nur diese, sondern seine Kultur, seine geistige Weltherrschaft verspricht auch rückwirkend dem erschlaffenden Asien, dem dunkeln Afrika eine neue schönere Zeit!

–n.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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