Ferver (Mythologie)

Ferver (Mythologie). Nach der parsischen Mythe die beseelenden Gedanken des höchsten Wesens, Ormuzd, selbst Wesen unaussprechlicher und unbeschreiblicher Art; nicht Götter, nicht Engel, nicht Geister, nicht Seelen, sondern von allen diesen das reinste, herrlichste, kräftigste Substrat; unsterbliche Grundkräfte, welche die Lebensräder der Natur, des ganzen Weltalls bewegen. Ormuzd selbst hat einen Ferver, dieser ist das durch alle Ewigkeiten dauernde, schaffende Allmachtwort, der leuchtende Göttergedanke, der die Welt mit Wonne erfüllt, der die Fervers aller Wesen, aller Sterne, aller elementarischen Grund- und Urkräfte aus der Fülle seines eigenen Glanzes gebar. In seinem seligen Lichte dachte Ormuzd den Gedanken Zoroaster, und der Ferver Zoroaster war geboren, dieser konnte nun nicht mehr der Ferver eines andern Wesens werden, war aber auch noch nicht mit der sterblichen Hülle jenes berühmten Weisen und Gesetzgebers umkleidet, sondern thronte noch im Auge des Vollkommensten, des urewigen Schöpfers, konnte dort Jahrtausende weilen und wirken, ehe ihn der irdische Leib umschloß. Das ist die reinste, erhabenste und bewundernswürdigste Lehre des Zend-Avesta: Der Geist Ferver, von Gott geboren, ist unsterblich, darum, weil er aus dem göttlichen Wesen selbst hervorgegangen ist, ein Theil dieses Wesens. Aber wo Leben und Lebensäußerung (Bewegung) vorhanden ist, da walten auch Fervers; ihr unerforschliches Walten ist's, das die Thiere belebt, die Bäume und Pflanzen bewegt, die Sterne wandeln heißt. Gottes Geist, Gottes Odem erfüllt die ganze Natur. Immer und immer wieder kehren die Fervers zurück in den Schoos ihres Ursprungs, und wohnen dort, selig und unsterblich im ewigen Licht der Vollkommenheit. Sie selbst so rein, sind ein Schutz und Schirm der Reinen, ein Schrecken der Bösen und Unreinen, die ihr starker Arm zerschlägt. Sieg, Triumph und Wunscherfüllung gewähren sie ihren innigen und aufrichtigen Verehrern. Zu solcher Erhabenheit, gegen die alle spätere Lehre anderer Völker von Genien, Engeln und Schutzheiligen zu beschränkten armseligen Gedanken zusammenbricht, schwang sich in einer so frühen Zeit die feuerbeflügelte Phantasie des Orients und schuf aus sich selbst, ein seligwaltender Ormuzd, Göttergestalten des reinsten Lichtes.

–ch–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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