Feuchères, Sophie, Baronin von

Feuchères, Sophie, Baronin von, Sophie Baronin von, deren Name bei Gelegenheit des Todes des letzten Herzogs von Condé 1830 häufig genannt ward, heißt eigentlich Sophie Dawes und ist zu St. Helena auf der Insel Wight geboren, wo noch jetzt ihre Familie lebt. Ihr Vater, Robert Dawes, war früher Lootse und Austernsänger, und trieb nebenbei das Gewerbe eines Schleichhändlers. Sophie diente als Magd in einem Wirthshause zu Portsmouth, und hier war es, wo sie 1814, als die Verbündeten nach der ersten Einnahme von Paris ihrem Bundsgenossen, dem Prinzen Regenten von Großbritannien, einen Besuch abstatteten, der Herzog von Bourbon-Condé erblickte und sich in sie verliebte. Auf seine Veranlassung kam Sophie Dawes 1817 nach Paris und heirathete einen der Adjutanten des Prinzen, der zum Obersten ernannt wurde, während seine Gemahlin den Titel einer Baronin von Feuchères empfing. Die Ehe wurde sehr bald getrennt, und die Baronin setzte ihr Einverständniß mit dem Prinzen fort, den der Mißbrauch ihres Einflusses zu einem Testamente nach ihrem Sinne veranlaßte. Ludwig Heinrich Joseph, Herzog von Bourbon, Prinz von Condé, wurde am 27. August 1830 erhängt gefunden und dieses unmittelbar nach der Juliusrevolution geschehene Ereigniß gab dem herrschenden Parteikampfe Gelegenheit zu der Behauptung, der Prinz, welcher den Herzog von Aumale, den vierten Sohn Ludwig Philipps, zum Erben eingesetzt und der Baronin bedeutende Besitzungen und 2 Mill. Francs vermacht hatte, sei ermordet worden. Prinz Ludwig von Rohan leitete wegen seiner eigenen Erbansprüche einen Rechtsstreit gegen Frau von Feuchères ein, der jedoch zu Gunsten der letztern entschieden ward, obwohl nicht jede Dunkelheit aufgehellt wurde, und sich die öffentliche Meinung ganz unzweideutig darüber äußerte, daß die Baronin von einer höchst selbstsüchtigen Benutzung ihrer Gewalt über den altersschwachen Prinzen durchaus nicht freizusprechen sei.

T.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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