Gay, Sophie Lavalette

Gay, Sophie Lavalette, als Verfasserin vieler beliebten Romane bekannt, war die Tochter eines Wechselagenten, und wurde 1776 in Paris geboren. Durch die Sorge ihres Vaters, der keinen andern Ruhm kannte, als sie bewundert zu sehen, mit der vielseitigsten und glänzendsten Erziehung ausgestattet und an Herrn Liottier verheirathet, war sie eine der schönsten Frauen der Hauptstadt, durch ihre Talente die Zierde aller Bälle und Concerte, und durch ihren Geist die Seele der Gesellschaft. Die Ehe mit Herrn Liottier, der ihr an Jahren weit überlegen war, wurde getrennt und die junge Witwe verheirathete sich 1799 mit Herrn Gay, der einen ansehnlichen Posten zu Aachen bekleidete. Während ihres Aufenthalts daselbst bildete ihr Haus den Vereinigungspunkt aller ausgezeichneten Fremden, welche die Bäder von Spaa besuchten, und hier war es auch, wo die innige, langjährige Freundschaft zwischen ihr und der Schwester Napoleon's, Pauline Borghese (s. d.). entstand. 1802 erschien das erste Werk der geistvollen Frau; und zwar ist die Veranlassung, welche ihr die Feder in die Hand gab, eine so ehrenwerthe, daß sie mit Recht besonders hervorgehoben werden darf. Frau von Staël hatte damals ihre »Delphine« geschrieben und dieser vortreffliche Roman ward von vielen Kritikern nicht nur unverdient herabgesetzt, sondern es wurden sogar der berühm, ten Frau Unwahrheiten nachgesagt, die ihre Person trafen. Mad Gay trat als Vertreterin der Ehre ihres Geschlechts und der unsterblichen Verfasserin auf, die sie vertheidigte. Gleichzeitig erschien ihr erster Roman »Laura von Estell,« der allgemeines Aufsehen und die Neugierde der gebildeten Welt nach dem Namen seines Autors erregte. Trotz der schmeichelhaften Urtheile aber, in denen sich alle Journale und die anerkanntesten Autoritäten erschöpften. blieb Mad. Gay ungenannt, bis sie 1813 Aachen verlassen hatte und die Romane »Leonie von Montbreuse« und »Anatole« erscheinen ließ. Der letztere ist unstreitig ihr gelungenstes Produkt; Napoleon selbst soll sich lobend darüber geäußert haben Jedenfalls sind die Dichtungen der Verfasserin durch treue Sittenschilderung, wahre Zeichnung der Charaktere und durch Eleganz und Schmuck der Darstellung vor vielen andern rühmlich auszuzeichnen. Außer den genannten schrieb sie noch die Romane »Theobald« und »Memoiren eines Adjutanten des Kaisers.« Weit weniger glücklich hat sich das Talent der Mad. Gay im Drama bewährt, obgleich »der Marquis von Pomenar« beifällig aufgenommen ist. Mad. Gay erringt sich auch im Reiche der Tonkunst Kränze; sie ist nicht nur treffliche Künstlerin auf dem Pianoforte, sondern hat sich auch als Tondichterin versucht und mehrere sehr beliebte Romanzen componirt.

X.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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