Gouges, Marie Olympe von

Gouges, Marie Olympe von, jene denkwürdige Frau, welche der Ehrgeiz, sich berühmt zu machen, auf das Schaffot führte, war die Tochter einer Modehändlerin und 1755 zu Montauban geboren Sie kam in dem Alter von 18 Jahren nach Paris und vermählte sich dort wahrscheinlich mit einem gewissen Aubry, obgleich sie diesen Namen niemals annahm. Gewisser ist, daß die stolze schöne Frau, deren lebhafter Geist und glühende Einbildungskraft über den gewöhnlichen Wirkungskreis ihres Geschlechts sich weit erhaben fühlten, dem Ruhm der Galanterie entsagte, um als Schriftstellerin zu glänzen. Mit einer eben so rühmlichen als seltenen Ausdauer lebte sie mehrere Jahre in gänzlicher Abgeschiedenheit für die Wissenschaften und trat 1785 mit den Früchten dieses langjährigen Fleißes, einer Anzahl dramatischer Dichtungen, auf. »Zamore und Mirza« wurde von der Comédie française aufgeführt, dagegen versuchte sie umsonst, einige andere Stücke zur Darstellung zu bringen. Alle ihre Produkte bekunden eine rege Phantasie, vieles Wissen und eine richtige Auffassung, nur die Schreibart ist in hohem Grade incorrect; sie selbst gestand, daß die Erziehung, welche sie erhalten, sehr mangelhaft gewesen sei, daß sie die eigne Sprache niemals nach der Grammatik gelernt, niemals gute Schriftsteller gelesen und keinen Begriff von den Erfordernissen eines dramatischen Werkes gehabt habe. Mit der außerordentlichsten Begeisterung erfaßte aber Frau von Gouges die Ereignisse der Revolution, um der Politik ihre Feder zu weihen; gleichsam trunken von dem Gedanken der Freiheit, waren Mirabeau und der Herzog von Orleans (Egalité) ihre Götzen. Allein trotz dieser Gesinnungen, von denen eine große Anzahl von Broschüren überströmten, trotz der unumschränkten Freiheit, welche die Presse unter den Terroristen genoß, wurde sie den Letzteren verdächtig, vor das Revolutionstribunal gestellt und am 4. November 1793 durch die Guillotine hingerichtet.

T.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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