Grönland

Grönland

Grönland. Dieser Theil Amerika's ist bereits um die Mitte des 10. Jahrhunderts, also ein Halbjahrtausend früher, bevor Columbus in Westindien landete, von einem Isländer, Gunbiorn, entdeckt und von dem Norweger Erik Rauda zuerst besucht worden. Es ist ein rauhes, fast immer mit Schnee und Eis bedecktes Land, von großen Gebirgsketten durchzogen und von zahllosen Buchten durchschnitten, welche so tief in das Land hinein dringen, daß es nach aller Wahrscheinlichkeit eine Gruppe vieler großer und kleiner Inseln ist. Weit in die gemäßigte Zone herab erstreckt sich die Rauhheit des Klima's, doch sind die Sommermonate vom April an so gemäßigt, daß die Einwohner bis zum September im Freien unter Zelten ausdauern können. An der südlichen Küste erreicht die Hitze oft einen hohen Grad, dagegen steigt eben daselbst die Winterkälte bis auf 30 Grad, so daß Quecksilber gefriert. Der Boden bringt an Bäumen nur verkrüppelte Weiden, Erlen und Birken hervor, man findet aber weite Grasflächen, mehrere Sträuche mit eßbaren Beeren, einige Arzeneikräuter etc. Auf den weiten Schnee- und Eisgefilden hausen Eisbären, Berghasen, wilde Rennthiere, weiße und schwarze Füchse, Hermeline und Hunde. Letztere dienen zur Nahrung und als Zugthiere vor den Schlitten der Eingebornen. In den Buchten und an den Seeküsten findet man Wallfische, Seehunde, Wallrosse, Seekühe, Finnfische etc. Die rauhe Eisluft durchziehen auf raschem Flügel zahlreiche Eidergänse, Möven, Sturmvögel, Seetauben, Schneehühner, Meerschwalben etc. Die Gewässer enthalten viele eßbare Fische: Schollen, Kabliaus, Lachse, Häringe, aber auch Hai- und Kohlenfische. Die Anzahl der Insektengattungen ist bedeutend, darunter Schmetterlinge, Muskitos und eine Art Biene. In frühern Jahrhunderten soll es hier brennende Vulkane gegeben haben, was die vorhandenen heißen Quellen beweisen Von Mineralien findet man Marmor, Asbest, Granaten, Chalcedon, Blei, Kupfer und gediegenes Eisen Die Einwohner Grönlands bewohnen von den 20,000 Quadrat M. Flächenraums, größtentheils nur den schmalen Streif an der Westküste. Ihre Anzahl mag an 20,000 betragen, Sie bestehen aus Eskimo's (s. d.), Dänen und dänischen Creolen und Mestizen. Die dänischen Bewohner beschränken sich auf die Erhaltung der Handelsverbindungen mit dem Lande und die Ausbreitung des Christenthums unter den Eingebornen. – Von der Ostküste, die viel früher entdeckt war, als die westliche, hat man seit dem 15. Jahrhundert keine weitern Nachrichten erhalten, indem der Handel zwischen Norwegen, Island und Grönland damals so unterbrochen wurde, daß selbst die Westküste zu Anfang des 18. Jahrhunderts gleichsam von Neuem entdeckt werden mußte. Auf ersterer sollen 190 Meierhöfe und Dörfer gewesen sein, welche 12 Kirchspiele ausmachten und einen Bischofsitz und zwei Klöster enthielten Aus den Verzeichnissen der grönländ. Bischöfe geht hervor, daß deren 17 nach einander dahin geschickt worden waren. Der Letzte derselben, Andreas, konnte 1408 wegen der großen Menge des aufgethürmten Eises nicht mehr dort landen und seit jener Zeit ist jede vollkommen verbürgte Nachricht über das Land und die Ansiedler verschwunden. Alte Schriftsteller sprechen von dem Reichthum der Ostküste an Viehweiden, Rindern und Schafen; auch davon, daß die Einwohner eine Steuer von Käse und Butter entrichteten, welche in Norwegen selbst auf die königl. Tafel kam. Alle Versuche zur Wiederauffindung der alten Niederlassung sind erfolglos geblieben, als wäre das Land in den Abgrund des Meeres gesunken oder von gewaltigen Eisbergen bedeckt worden und in seinem animalischen und vegetabilischen Leben erstarrt Berichte einiger Seefahrer behaupten zwar, daß die Einwohner und Ansiedler jener Ostküste nicht gänzlich zu Grunde gegangen seien; doch sollen sie in so hohem Grade verwildert sein, daß sie zur Zeit der Noth Menschen fressen. Wahrscheinlich ist es, daß die ehemaligen Ansiedler, nachdem sie ohne Unterstützung von Island und Norwegen aus geblieben, Gebräuche und Lebensweise der Eingebornen angenommen haben. Der wichtigste Erwerbzweig an der Westküste Grönlands ist der Wallfischfang. Der Handel mit Grönland ist Monopol der dänischen Regierung und wirft derselben jährlich 50,000 Thlr. ab. Man führt Mehl, Salz, Hülsenfrüchte, Tuch, Zucker etc. ein, und dafür Thran, Haifisch- und Dorschhäute, Fischbein, Fuchs-, Bären-, Robbenfelle, Rennthierhäute, Hasenbälge, Eiderdunen, Rarwalhörner etc. aus – Ueber die Heirathsgebräuche der heidnischen Eskimo's ist noch Folgendes nachzutragen: Bei ihnen fordert es die Schicklichkeit, daß das Mädchen den Mann nicht selbst wähle, auch die Eltern werden nicht um ihre Einwilligung befragt, sondern der Liebhaber entführt das Mädchen im Nothfalle mit Hilfe einiger Freunde gewaltsam. Sie muß, selbst wenn sie Gegenliebe fühlt, wenigstens Widerstand heucheln und sich sogar bei den Haaren fortziehen lassen. Dauert der Widerstand ernstlich fort, so erhält sie sogar Faustschläge. Ist ihre Neigung gegen die Verbindung, so kann sie sich derselben nur durch die Flucht auf den schneebedeckten Gipfel eines Berges, oder durch das Abschneiden ihres Haares entziehen Niemand wirbt hier um ein Mädchen, das seine Haare geopfert hat. Ein Mädchen, das sich durchaus ihrem Entführer nicht ergeben will, wird von den ältern Frauen gemißhandelt und so zur Nachgiebigkeit gezwungen. Eine Witwe muß ihre Trauer durch Nachlässigkeit in der Kleidung an den Tag legen; sobald sie sich wieder zu putzen anfängt, gibt sie zu verstehen, daß sie geneigt sei, eine zweite Verbindung einzugehen.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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