Hünen und Hünengräber

Hünen und Hünengräber. Mit dem Ausdruck Hünen bezeichnet die deutsche Sprache ein Riesengeschlecht von unbestimmtem Charakter und ohne sichere historische Nachweisung. Der Glaube an Riesen geht überdieß durch die Mythen aller Völker, und es wird kaum ein Land geben, in welchem nicht eine Sage von irgend einem Riesen haftet. Den Glauben an ein Riesengeschlecht der Vorzeit schienen vorzüglich die hochaufgethürmten Grabhügel der heidnischen Vorfahren, unter denen sich bisweilen riesige Gerippe fanden, zu bestätigen. Man nannte diese Hügel Hünengräber und dieselben sind in neuern Zeiten ein Gegenstand vielseitiger Forschung geworden. Die meisten dieser Gräber liegen auf und an Anhöhen, wo das Land solche darbot, in Eichen- und Buchenwaldungen, haben oft mehrere hundert Fuß im Umfang und sind entweder gemeinschaftliche Grabstätten oder einzelne Grabhügel. Manche sind innen mit Fleiß gemauert, andere nur mit Steinen um- und zugesetzt, in manchen finden sich ganze Skelete, nebst den schönsten und wohlerhaltensten Mitgaben, in andern deutliche Spuren von Leichenbrand, gesammelte Knochenfragmente in Aschenkrügen, und oft Alles zertrümmert. Bei vielen, zumal bei denen, die in sandigen Gegenden gelegen sind, ist die Nachgrabung leicht, und meist von glücklichen Erfolgen begleitet, andere sind so mühsam zu öffnen, daß tagelange Arbeit nöthig wird, um nur ein Hünengrab aufzudecken, und dennoch lohnt nicht immer ein erwünschtes Resultat. Höchst interessant sind solche Ausgrabungen immer, und sie werden es noch mehr sein, wenn alle gewonnene Resultate zusammengestellt, in ein richtiges System gebracht und übersichtlich geordnet sind, wozu eben in unsern Tagen mehrseitig hingearbeitet wird.

–ch–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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