Haarmalerei, Stickerei

Haarmalerei, Stickerei

Haarmalerei, Stickerei, Stickerei, Poussirkunst. Der Juwelier Scharf in Koburg erfand 1770 die mühsame Kunst, durch Haare, vom Hellblond bis in's dunkelste Braun, Portraits für Ringe und Medaillons gleichsam zu malen. Die Haare wurden dazu klein geschnitten und auf Emailflächen, wo Gummi sie nach der Zeichnung festhielt, aufgestreut. Nach seinem Tode setzte sein Neffe und Schüler Walter diese Kunst mit vieler Geschicklichkeit fort. Er trieb dabei auch die Seidenmalerei, etwas ganz Analoges mit geschnittener Seide, was nächst der Woll- und Sandmalerei auf gleiche Art noch fleißig in Wien ausgeführt wird. In aufgestreuten Haaren sieht man gegenwärtig nur noch zuweilen Landschaften, für welche sich diese artige Künstelei im Grunde am Besten eignet und die in der Verfertigung manche Gleichheit mit den sogenannten Mooslandschaften haben; aber unendlich mehr Ausdauer und Gewandtheit erfordern. Die Anwendung des menschlichen Haars zur Stickerei erfanden im Jahre 1782 die drei Schwestern von Wyllich in Zelle. Es ist dazu vor allen Dingen nöthig, den Haaren, die vorher durch Kleie gereinigt wurden, vermittelst Einschlagens (versteht sich wohl eingewickelt) in Brodteig, mit dem sie gebacken werden, die natürliche Sprödigkeit zu benehmen, worauf sie gerade so gebraucht werden können, wie die Kreppfäden. Die Arbeit ist ganz wie bei der Kreppstickerei und ahmt die Sepiazeichnung, wie diese den Kupferstich, nach. Baumschlag und Wasserdarstellung sind ihr Triumph. In Frankreich, wo sie noch immer vielen Beifall findet, ward diese Kunst fleißig geübt und die Mode, die Taschentücher, den jetzigen Lieblingsluxus der Damen, durch Haarstickereien noch kostbarer zu machen, als durch die prächtigsten Spitzenbesetzungen und Medaillons im Lyonerstich, kam uns von dort, doch scheint sie ihrer geringen Dauer und großen Mühseligkeit halber nicht allgemeiner werden zu wollen. Derselbe Fall scheint mit der Poussirkunst, die obengenannte Frauen ebenfalls trieben, eingetreten zu sein. In Frankreich gehört es zu den bekanntesten Souvenirs, ein niedliches Blumen- oder Landschaftsstück, sei es auch nur ein Sträußchen, pensées, von seinem Haar en relief, auf einer netten Emailplatte, in einem zierlichen Rahmen, dem geliebten Gegenstande zu bieten, ja kinderreiche Eltern lassen wohl gar Proben sämmtlicher Chevelüren als Nüancen anwenden und zu einem Erinnerungsfamilienbildchen verarbeiten. Die Perrückenmacher, als die eigentlichen Haarkünstler par profession, nahmen diese angenehme Beschäftigung vorzüglich für sich in Beschlag, und ein gewisser Michalon poussirte 1802 die Büste Napoleon's täuschend ähnlich aus Menschenhaaren. Die Procedur zu den gewöhnlichsten Schöpfungen, den Blumenkörben etc., ist ganz einfach diese: Man legt auf seine, mit zerlassenem Gummi arabicum bestrichne, Gaze Haar an Haar, vermittelst eines Pinsels, dicht, und zwar nach dem nöthigen Licht und Schatten helleres und dunkleres, neben einander auf und läßt dieß dann trocknen, wobei es beschwert werden muß. Scheren, Brenneisen in Formen, wie zur Fabrikation der italienischen Blumen, dienen dann dazu, aus diesem Stoffe Blumen und Blätter, die nach Geschmack und Zeichnung wieder auf der Grundfläche durch Gummi festgeklebt werden, zu gestalten. Die Industrieausstellung Dresdens zeigte vor mehreren Jahren höchst artige Arbeiten dieser Art.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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