Hafis, Hafiz

Hafis, Hafiz, franz. Hafiz. In Persien, wo die Natur nur selten ihr flimmerndes Blüthenkleid ablegt, wo die Lüfte den starken Duft der Rose und den süßen Gesang zahlloser Nachtigallen weit hin über das mit prachtvollen Städten und heimlichen Thalern gesegnete Land tragen, dort ist auch die Heimath der Dichter und über 200 berühmte Namen derselben hat uns die Geschichte dieses Landes aufbewahrt, unter denen mehrere den Beinamen Dichterkönig führten. Das Abendland aber gestand diese ehrende Benennung nur dem sanften Saadi und dem glühenden Hafis zu, als es ihre Leistungen kennen und würdigen lernte. Der Letztere, eigentlich Schemseddin Muhamed, genannt Hafis, der Bewahrende (weil er den ganzen Koran auswendig wußte) lebte während des 8. Jahrhunderts der Hedschra in der reizenden Stadt Schiras und ward auch dort (1389 nach christlicher Zeitrechnung) in der Vorstadt Mosetta an den Ufern des von ihm vielbesungenen Flusses Roknabad begraben. Sein ganzes Leben war der Dichtkunst und der Freude geweiht und obgleich viele auswärtige Fürsten ihn durch glänzende Anerbietungen an ihren Hof zu ziehen suchten, so zog er es doch vor, im Vaterlande zu bleiben und durch seine lieblichen Verse den Ruhm der heimischen Regentenfamilie, der Nasasseriden, zu preisen. Diese Fürsten bezeigten ihm dafür besondere Gunst und es ward sogar zu Schiras eine Schule besonders für Hafis gestiftet, an welcher er lehrte. So geehrt und geliebt wollte er dennoch nie mehr sein, als ein armer Derwisch, und obwohl seine Gesänge die berauschendste Luft athmen, so achtete er doch persönlich die Genüsse der Welt sehr gering und erfüllte treu die Pflichten seines klösterlichen Gelübdes. Es singen seine Lieder die Liebe und den Wein und immer wieder Wein und Liebe, und wenn er gleich voll Schalkheit sagte: »An der Schönheit fänd' ich wahrlich gar nichts Anderes auszusetzen, als daß insgemein die Schönen, Nichts von Treu' und Liebe wissen,« so erfüllen doch noch ganz andere, wie der Klosterdisciplin u. dergl., hohnsprechende, Freigeistereien seine Dichtungen, weßhalb ihm denn auch nach seinem Tode das ordentliche Begräbniß verweigert werden sollte. Seine Freunde suchten diesen Schimpf abzuwenden, indem sie seine ungläubigsinnlichen Aeußerungen, nach der Sitte des Orients, für die allegorische Sprache der höchsten, mystischen Andacht ausgaben, was ihnen auch vollkommen gelang. In späterer Zeit sollte die Lesung seines Diwans (Gedichtsammlung) verboten werden, doch rettete sie dieselbe List und wie schon früher Saadi's Rosengarten auch in Europa eingeführt und geschätzt ward, so bot Goethe, der deutsche Dichterkönig, in seinem westöstlichen Diwan viele der feurigsten Gewürzblumen des Hafis der Beurtheilung abendländischer Leser dar. Im Oriente erklingen seine Verse überall, und es geht, wiewohl unverbürgt, die Sage, daß sogar die Gasele: »Süßer Sängermund, o fing' Frisches mit Frischem neu und neu,« nach deren Melodie in Indien die Bajaderen tanzen, dem Hafis angehöre.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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