Halsgeschmeide

Halsgeschmeide

Halsgeschmeide, finden sich ziemlich bei allen Nationen der alten und neuen Welt und der Unterschied, welcher sie als Eigenthum des einen oder des andern Geschlechts bezeichnet, besteht einzig darin, daß die Frauen sich ihrer zum Putz bedienen, die Männer hier und dort ein Ehrenzeichen daraus machten. Schon Pharao hing dem Joseph eine goldne Halskette als Gnadenbezeigung um, der chaldäische König Belsazar ehrte Daniel auf gleiche Weise, und die prachtvollen Ketten manch' hoher Orden, wie z. B. die des goldnen Vließes und des heiligen Geist-Ordens, sind noch heute das, was bei den Römern die torques (Prunkketten der Männer, besonders der Feldherren) und im Mittelalter die prachtvollen, auf die Rüstung vornehmer und tapfrer Ritter herabfallenden Halsgeschmeide mit angehängtem Kleinode waren. Die wilden Häuptlinge der indianischen Stämme Amerika's zieren ihre tättowirte Brust mit einem Halsbande von Zähnen oder kleinen Knochen erschlagner Feinde, der arme Wilde der Schneeregionen benutzt Seehundszähne und Fischgräten und der Südseeinsulaner bedient sich zu diesem Endzwecke der Thierknochen. Die gebildetern Mexikaner und Peruaner, reich an Gold, benutzten dieß edle Metall auch zu Halsbändern, die von beiden Geschlechtern getragen wurden. Die Griechen überließen das Halsband ihren Frauen und fertigten es für diese nur von Gold, selten mit Beimischung von Edelsteinen, die sie nur zu poliren, aber nicht zu schleifen verstanden. Die kunstvollen Gemmen ersetzten diese und nebenbei kannten sie auch Perlen und Bernsteinschmuck. Eurymachos sandte der scheinbar verwitweten Penelope einen solchen, um ihre Neigung zu gewinnen, und das verhängnißvolle, goldne Halsband der Hermione, in welches Haephästos nach der Mythe die böse Eigenschaft, jede Besitzerin unglücklich zu machen, eingeschmiedet hatte, erlangte im Alterthum eine traurige Berühmtheit. Die stolzen Römerinnen haschten nach Kleinodien, die irgend einer berühmten Frau angehört hatten und die Perlen der schönen Cleopatra wurden mit ungeheuern Summen zu Rom bezahlt. Halsbänder von Perlen nannte man, je nachdem sie aus einer oder mehreren Schnüren bestanden, monalina, dilina, trilina, reihte aber auch zuweilen Juwelen dazwischen. Mit dem Isisdienste kam aus Aegypten auch die unerläßliche Kleidung, nebst dem zu ihr gehörigen Schmucke, nach Italien. Trug die Römerin bei den Mysterien der großen Göttin den Palmenkranz, so durfte auch das wunderliche Halsband nicht fehlen, welches sie als eine Eingeweihte bezeichnete und wovon die unsern Cumä aufgefundenen Ueberreste einer wahrscheinlichen Isisdienerin uns ein um den Hals des Skeletts geschlungenes Exemplar aufbehalten haben. Es besteht aus einer Menge rosenkranzartig angereihter Glaskügelchen, die durch schneckengleiche Zäpfchen von der nämlichen Masse und kleine bronzene Thierfiguren unterbrochen werden. Eine Doppelschnur läßt zwei ganz kleine Harpokrates-Bildchen nach der Brust herabhängen und eine dritte, etwas größere Figur desselben Gottes (er bedeutet das Schweigen) bildet die Mitte der untersten Reihe. Die niedliche Salbenspenderin auf dem alten Gemälde der sogenannten Aldobrandinischen Hochzeit, das um's Jahr 1607 im modernen Rom aufgefunden wurde, gibt uns ebenfalls die Probe eines antiken Halsbandes. Das, was sie trägt, besteht aus einem goldnen Bande, an welchem ringsum Pappelblättern ähnliche Anhängsel befestigt sind. Von einem zweiten, merkwürdigen Hals oder vielmehr Busenschmucke jener Zeiten, denn dieß unterschied man damals, finden wir die Abbildung in Böttiger's Sabina, oder die Römerin am Putztische. Von einer Gemme hängen zwei Ketten aus Halbedelsteinen herab. Zwischen ihnen befindet sich eine dritte Kette, an welcher ein bleiernes Amulet befestigt ist. Ueberhaupt liebten, wie es scheint, die Frauen ehmals dergleichen Anhängsel und die putzsüchtigen Hebräerinnen hingen ihren Ketten außer den Amuletten auch noch kleine goldne Monde, Sonnen und Riechfläschchen an. Der einfachste und urälteste Gebrauch zur Schmückung des Halses bestand indessen unbezweifelt nur aus zusammengereihten Perlen und Metallkügelchen; noch früher vielleicht bloß aus den kugeligen Samen verschiedner Pflanzen. Von den Letztern stehen noch immer einige in Gunst, als die rothen Thomaskörner und die schwarzen Samen des indischen Blumenrohrs (canna indica) zu Halsbändern für Kinder. Die Antillen erzeugen außerdem noch die feuerrothe, niedlichgestaltete Bohne für dieselbe Anwendung, und aus China kamen die wunderschönen rothen Früchte, die vor einem Jahrzehend von europäischen Damen zum Halsschmucke so gesucht waren. Die Koralle, ihnen an Farbe verwandt, diente auch schon im Alterthume zur Zierde und nachdem die wankelmüthige Mode sie nebst dem Atlas und Bernstein eine Zeit lang von dem weißen Nacken unsrer Schönen verdrängte, so kehrt sie doch jetzt siegreich wieder; allein zuvörderst nicht als Perlenschnur, sondern als goldgerahmte Kamee, wie einst zu Rom von verbindenden goldnen Kettchen zum Halsgeschmeide geformt. Die Medaillons von geschnittnen Steinen ersetzten damals, durch die Kunst, womit die auf ihnen vorgestellten Gegenstände gearbeitet waren, den Glanz, welcher die geschliffnen, namentlich die brillantirten, Edelsteine auszeichnet, doch traten auch mitunter Mosaiken an ihre Stelle. Die Kunst, Diamanten zu schneiden, ist nicht älter, als drei Jahrhunderte und die, sie zu brillantiren, geht nicht viel über ein Jahrhundert hinaus. Agnes Sorel war die erste Dame, die ein Halsband von Diamanten trug, um welches sie die reichste Domina der weltbeherrschenden Roma beneidet haben würde. Unter Katharina von Medicis verdrängte dieser kostbare Stein in Frankreich die Perlen, welche bis dahin Lieblingsputz gewesen waren, gänzlich, und als während der Regierung Ludwig's XIV. die Kunst, sie vollkommen nachzuahmen, erfunden ward, da sanken die echten Perlen noch mehr im Werthe. Kreuze, die man vordem nur aus Andacht trug, waren allmälig ein Halsschmuck geworden; man trug sie an glatter Kette, oder gar nur an einem schwarzen am Halse von einem Juwel, oder einer goldnen Schleife zusammen gefaßten, Bande. Nichts vereinigte so gut Prachtliebe mit scheinbarer Einfachheit und der feinsten Koketterie; denn besser als die schimmerndste Diamantschnur (rivière) unsrer Zeit, hob dieß demüthige Schwarz die weiße Haut des Halses, der außerdem nur ein colier von Gold-Topasen gleich günstig ist. An dieses kleine Band à la paysanne oder à la Jeannette, geheißen, hing man denn auch bald der Abwechselung halber einen Bisamapfel, ein Herz oder Medaillon von Gold, doch dachte noch Niemand daran, daß es einst bestimmt sein würde, die Lorgnette zu tragen. Mit dem fortschreitenden Luxus, der alle Stände überzog, wuchs auch das Bedürfniß des Schmucks, und da die Wenigsten echten kaufen konnten, so schuf die Mode falschen. Da gab es wohlriechende Pasten und Glasperlen aller Formen und Farben, unechtes Gold und Silber, Haare von Menschen und Pferden flochten sich zur elastischen Schnur, und selbst das Eisen legte sich in seinen Kettengegliedern um den Hals der Frauen, nachdem die zum Tauschhandel ausgeführte Glaskoralle das Blut der Neger bezahlte. Den vergänglichsten und idealsten Halsschmuck aber, leichte Guirlanden von Schlingpflanzen, aufgereihten Rosenblättern und andern kleinen, starkduftenden Blumen überließen wir bis jetzt noch den hinter vergoldeten Gittern vor den sengenden Sonnenstrahlen geschützten Frauen der Chinesen und Japanesen, der braunen Insulanerin der Südsee und den von uns fast für Feenwesen gehaltnen Bajaderen Indiens, ohne zu bedenken, daß schon die Römer dergleichen zur kühlenden Busenzier bei Festmahlen trugen.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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