Heiliges Grab

Heiliges Grab. Helena, die Mutter des Kaisers Konstantin, erbaute auf der Stelle, wo das Grab des Heilands gewesen, eine prachtvolle Kirche. Dieses Gebäude umschließt durch verschiedene Mauern und Kapellen nebst dem Calvarienberge und anderen durch die Leidensgeschichte unsers Herrn geheiligten Oertern das Felsengrab im Garten des Joseph von Arimathia, welches den Gekreuzigten bis zu seiner Auferstehung barg. – Die Araber, seit 637 Herren von Palästina, gestatteten den Pilgern aus dem Morgen- und Abendlande den Besuch dieser heiligen Stätte gern; anders gestaltete es sich unter den Türken, welche später Herren des Landes wurden und die nach Jerusalem wallfahrtenden Christen plagten und mißhandelten. Dieß gab dem heil. Peter von Amiens Veranlassung zu seinem Aufruf zu den Kreuzzügen (s. d.), in Folge welcher, durch die Kraft des vereinigten Europa's, Jerusalem 1099 den Muhamedanern entrissen wurde. Gottfried von Bouillon wurde der erste König von Jerusalem und als solcher mit einer Dornenkrone gekrönt. Er, so wie sein Bruder und Nachfolger Balduin, wurde in einer Felsennische der Kirche des heil. Grabes bestattet. Saladin der Gr. eroberte Jerusalem 1187, schonte aber des heiligen Grabes, nicht so der Herrscher von Bannat, welcher 1244 den alten Tempel zerstörte und die Hüter des Grabes verjagte. In der Folge wurde die Kirche wieder aufgebaut, kam Stadt und Heiligthum unter die Herrschaft der Osmanen, welche gegen eine Abgabe von beinahe 40 Rthlrn. den fremden christlichen Pilgern den Besuch des heil. Grabes gestatten. In früherer Zeit gab es auch einen Orden der Ritter des heiligen Grabes, deren Pflicht es war, das Grab zu bewachen. Nur an hohen Festtagen werden die Pforten Jedermann geöffnet und 30 griechische, 15 armenische, 12 kathol. und 2 koptische Geistliche verrichten an besonderen Altären den Gottesdienst. Bei dem großen Brande, welcher am 12. Oct. 1807 den größten Theil der Kirche in Asche legte, blieb glücklicher Weise die Grabstätte des Heilandes unversehrt. Der Tempel wurde später in seinen einzelnen Theilen wieder aufgebaut, doch herrscht im Innern ein wunderliches Gemisch von architektonischen Zierathen. Die Form der Kirche ist ein unregelmäßiges Kreuz. Drei Kuppeln, wovon die mittelste das heil. Grab deckt und das Schiff bildet, wölben sich über seltsamen Arkaden und Cedern des Libanons, welche das Dach stützen. Zunächst dem Eingange befindet sich der Stein, auf welchem der Leichnam Christi vor der Grablegung gesalbt ward. Ueber ihm hängen 8 Lampen. In der Mitte befindet sich unter einer Kapelle das heil. Grab. Ein Vorhang von Sammt verhüllt die marmorne Halle und die niedere Felsenplatte, auf welcher der Gekreuzigte seinen kurzen Todesschlummer schlief. 50 silberne Lampen erhellen Tag und Nacht den Raum, über welchem sich ein Altar von weißem Marmor wölbt. Nicht fern davon zeigt man den Stein, wo der Engel sichtbar wurde und den beiden Freundinnen des Herrn am Ostermorgen seine Auferstehung verkündete. Ueber eine Treppe gelangt man in die zweite Kirche, welche der Kreuzfindung geweiht ist. Hier fand die Kaiserin Helene das wahre heil. Kreuz, die Dornenkrone und das Eisen des Speers, welcher in Christi Brust gedrungen. Eine Kapelle umschließt die Säule, auf welcher Christus saß, da er mit Dornen gekrönt ward. Eine schmale Treppe, die um einen Pfeiler geht, führt zu der dritten Kirche auf den höchsten Punkt des Gebäudes: es ist Golgatha. Tausend Gebete ertönen hier an den heil. Stätten, welche der Erhabenste durch seine Leiden und seinen Tod geweiht, und mengen sich mit den nie endenden Gebeten der Mönche, welche unablässig den Gottesdienst verrichten. Auch in neuerer Zeit wurde das heil. Grab von verschiedenen europäischen Reisenden besucht; wir erwähnen besonders Lamartine's, welcher in seinen Erinnerungen eine anschauliche und poetische Schilderung desselben geliefert hat.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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