Heinrich IV., König von Frankreich

Heinrich IV., König von Frankreich, unter allen Königen Frankreichs der beste, der achtungswertheste, der geliebteste, am 4. Decbr. 1553 zu Pau in Bearn geboren, wurde streng erzogen, früh in den Waffen geübt und zum Protestantismus angehalten Schön, muthig, kraftvoll, edel, war sein Herz nur allzu sehr für die Liebe empfänglich. In seinem 15. Jahre schon schwur er Fleuretten, der Gärtnerstochter, ewige Treue und bald nach ihrem tragischen Ende hatte die Gräfin von Grammont (s. d.) ihn für sich eingenommen. Als 16jähriger Jüngling siegte er an der Spitze der Hugenotten bei Montcontour und ging nach Paris, wo ihm der König, um beide Parteien zu versöhnen, seine Schwester Margarethe von Valois zur Gemahlin gab. Den Mordscenen der Bluthochzeit entronnen, wurde H. König von Navarra und bald nachher durch den gewaltsamen Tod Heinrichs III., des letzten Valois, Erbe der Krone von Frankreich. Diese zu erlangen, mußte er die blutigen Schlachten von Ivry und Courtrai kämpfen und seinen Glauben abschwören; dann erst, und nachdem seine Tapferkeit, sein Feldherrntalent und seine Menschlichkeit ihn zum Abgotte seines Heers erhoben hatten, öffneten sich ihm die Thore von Paris. Jetzt beschäftigte er sich thätig mit der Wohlfahrt seines Landes, gab das Toleranzedikt von Nantes (1598) und belebte Ackerbau, Künste und Gewerbe. Margarethe von Valois, in der verdorbensten Gesellschaft aufgewachsen, und ausschweifend bis zur Schamlosigkeit, konnte den König nicht fesseln, desto eher vermochte die schöne Gabrielle von Estrées (s. d.) die Grammont zu verdrängen. Nach ihrem Tode trat Henriette von Balsac an deren Stelle. Die Ehe des Königs wurde endlich getrennt, und eine neue Verbindung mit Maria von Medicis (s. d.) eingegangen; allein auch sie vermochte nicht, Heinrich's Herz für sich einzunehmen, der die Gräfin von Moret und die Prinzessin von Condé dazu mehr geeignet fand, als die kalte, eifersüchtige, frömmelnde Maria. H. wurde am 14. Mai 1610 durch den Dolch Ravaillac's, der vielleicht von Marien selbst gedungen worden war, ermordet; er starb 57 Jahr alt und war der erste Bourbon auf Frankreichs Thron.

R.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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