Heinrich VIII., König von England

Heinrich VIII., König von England, König von England, Sohn Heinrich's VII. und der Elisabeth (s. d.), Tochter Eduard's IV. wurde 1491 geb. und bestieg 1509 den großbrit. Thron. Sein Geist, seine Jugend und Schönheit erregten die herrlichsten Erwartungen, das Volk jauchzte ihm entgegen; denn er setzte die Minister ab, welche es bedrückt hatten. Krieg war des jungen Königs erste Losung, denn kein zarteres Gefühl kettete den Jüngling an seine erste, ältere Gemahlin, Katharina von Arragonien (s. d.). Er mengte sich, um sein Reich auf Kosten Frankreichs zu vergrößern, in die Streitigkeiten Ludwig's XII. mit Spanien, begab sich nach dem Continente und eroberte zwei franz. Städte. Hierauf aber folgte eine glänzende Aussöhnung mit Ludwig, der H's junge blühende Schwester Maria (s. d.), die nur dem Machtgebote ihres Bruders folgte, zur Gattin erhielt. Von da an entwickelte sich H's Charakter immer despotischer; was sein Regierungsantritt versprochen, vernichtete die Folgezeit. Auf seines heuchlerischen Ministers Wolsey Rath täuschte er erst Franz I., dann Karl V. Er wünschte jetzt, da Katharinens Schönheit verblüht war, von ihr geschieden zu werden, um sich mit der schönen muntern Anna Boleyn (s. d.) zu vermählen. Dieß sollte unter dem Vorwande geschehen, daß er Gewissensbisse fühle, mit der Witwe seines Bruders in unerlaubter Ehe gelebt zu haben. Heinrich war bis dahin ein eifriger Anhänger des päpstlichen Stuhles gewesen, hatte sogar ein Buch gegen Luther geschrieben und deshalb den Titel »allerchristlichster« König erhalten. Als aber der Papst, aus Furcht vor dem Kaiser, die Dispens verweigerte, später gedrängt ein Cardinalcollegium zur Untersuchung der Sache niedersetzte, vor welchem aber die Königin siegreich ihre Sache verfocht, übertrug H. dem Dr. Cranmer, einem berühmten Theologen, die Einholung eines Gutachtens der berühmten Universitäten, und da dieß ziemlich günstig für ihn ausfiel, vermählte er sich heimlich mit Anna B., welche schon damals den Titel einer Marquise Pembroke führte. Um sich am Papste zu rächen, faßte er den Entschluß, sein Land von der römischen Oberherrschaft loszureißen und begründete so die anglikanische Kirche. Der Bischof Fisher und der Kanzler Thomas Morus hatten inzwischen, weil sie des Königs Ehe mit Anna nicht für rechtsgiltig anerkannten, das Blutgerüst besteigen müssen. Schrecklich verfolgte von nun an Heinrich Alle diejenigen, welche seinen Kirchenreformen nicht Folge leisteten, gleichviel ob Katholiken oder Lutheraner: sie mußten den Scheiterhaufen besteigen. Am Tage nach Anna's Tod auf dem Schaffot vermählte er sich mit dem schönen Hoffräulein Johanne Seymour (s. d.). Anna's wie früher Katharina's Tochter wurde für unehelich und der Krone unwürdig erklärt. S. Maria die Katholische und Elisabeth v. Engl. Johanne gebar einen Sohn und starb in Folge ihrer Niederkunft. Zum vierten Male vermählte sich nun der König, durch ein Portrait Holbeins, in dessen Original verliebt, mit der Prinzessin Anna von Cleve. Als sie aber erschien und ihre Schönheit dem Gemälde nicht vollkommen entsprach, trennte er sich schon nach fünf Monaten von ihr, zugleich auf den Wunsch der Königin selbst. Hierauf erhob er die wunderschöne Katharina Howard (s. d.), für die er heftig erglühte, auf den Thron! Ein Jahr darauf fiel auch ihr Haupt unter dem Beile; ihr Lebenswandel vor ihrer Vermählung gab den Grund dazu. – Seine sechste Gemahlin war Katharina Parr, Witwe Lord Latimer's. Sie genoß allgemeine Achtung und ehrte durch ihre Eigenschaften seine eigenmächtige Wahl. Mit zunehmendem Alter wurde der König immer grimmiger und unduldsamer. Er führte Krieg nach Außen und Glaubensverfolgungen im Innern. Die junge Lady Ascue, die mit der Königin umging, wurde wegen einer unvorsichtigen Aeußerung der Ketzerei angeklagt und litt, nebst einigen Andern, nach den schrecklichsten Folterqualen, den Martyrertod. Beinahe wäre die Königin ein Opfer seines Fanatismus geworden Kurz vor seinem Tode ließ er noch den Sohn des Herzogs von Norfolk, bloß weil der Vater der Gegenpartei angehörte, enthaupten. Am Tage vor der Hinrichtung des Herzogs selbst, den 28. Febr. 1547, starb Heinrich und England athmete froh auf.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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