Herkules (Mythologie)

Herkules (Mythologie), griechisch Herakles, der berühmteste aller Heroen, berühmt durch die Wunder seiner Geburt, berühmt durch seine Thaten, die ihn der Unsterblichkeit werth machten, berühmt endlich durch seine Apotheose, mit der er in die Reihe der Götter trat. Er war ein Sohn des Zeus und der schönen Alkmene, die mit ihm zugleich den Iphikles gebar. Zeus that einen Schwur, daß der Sohn seiner Liebe mächtiger werden sollte, als alle seine andern Söhne von Erdentöchtern. Here, voller Eifersucht und Groll, machte, daß Nikippe, auch eine der zahlreichen Geliebten ihres Gatten, den Euristheus gebar, bevor Herkules das Licht begrüßte, und damit noch nicht zufrieden, hinderte sie grausam die Geburt des Götterknaben dadurch, daß sie der Ilithyia, (Geburtengöttin, Diana) befahl, sich mit gefalteten Händen vor das Haus der Alkmene zu setzen, bis diese von der treuen Galanthis überlistet wurde. Und als nun der Knabe in der Wiege ruhte, warf die zornige Göttin zwei giftige Schlangen auf ihn; doch der junge Heros erwürgte dieselben. Herkules hatte in seiner Jugend Lehrmeister in den Künsten, welche dem Jüngling ziemten, der der Welt als leuchtendes Heldenideal dienen sollte. Einst saß er sinnend und über seine Zukunft nachdenkend, an einem Scheidewege, als ihm zwei weibliche Gestalten nahten, die eine voll und üppig, die andere sittsam und züchtig, und jede bat ihn, ihr zu folgen. Es waren Tugend und Laster, jene versprach ihm Mühe, Entbehrung, aber auch Ruhm und Unsterblichkeit, diese eine Fülle von Erdenfreuden. Er wählte zu seiner Führerin die Tugend. Gewiß erinnern sich unsre Leserinnen der schönen Strophen in Tiedge's Urania: »Mit dem Hochgefühl des Sehnens,« welche diesen Stoff behandeln. Riesig und kraftvoll entwickelte sich sein Körper zu einer Hohe von 4 Ellen. Noch Jüngling, tödtete er schon einen Löwen am Berge Kithäron, welcher das Ländergebiet des Königs Thespios verheerte, erschlug den Erginos, dessen Residenz, Orchomenos, er eroberte, und die Einwohner zwang, dem Könige Kleon von Theben einen Tribut zu entrichten, welcher ihm seine Tochter Megara vermählte. Für solche Thaten begabten ihn die Unsterblichen, Athene schenkte ihm einen Schild, Hephästos einen Harnisch, Apollon Pfeile, Hermes ein Schwert, Here aber ergrimmte über sein wachsendes Glück, und stachelte Euristheus, die Macht geltend zu machen, die ihr Trug ihm über Herakles verliehen hatte. Herkules gerieth außer sich, dem schwächern Mann dienstbar sein zu sollen, tödtete im Wahnsinn seine Kinder von Megara, und fügte sich endlich, wieder zur Vernunft zurückgekehrt, dem Ausspruche des delphischen Orakels, die Arbeiten zu vollbringen, die Euristheus ihm auflegen würde, nach deren Besiegung ihm die Unsterblichkeit unter Göttern verheißen werde. Dieses waren nun die berühmten 12 Arbeiten oder Thaten des Herkules, die unzählige Mal und auf die verschiedenste Weise Stoff zu Kunstarbeiten der Alten gegeben haben, und hier der Reihe nach folgen. Die Besiegung des nemeischen Löwen. Ein furchtbares Unthier, erzeugt vom Typhon und der Echidna, den der Held nur mit der Kraft der Hände und Füße, nicht mit Waffen, erwürgen konnte. Das undurchdringliche Fell des Besiegten diente ihm als Decke, und die Kopfhaut als Hauptschmuck. Die Ueberwindung der lernäischen Hyder, einer Sprößlingin von Phorkys und Keto, mit 9, nach andern 80, ja 100 Köpfen. So oft Herakles ihr einen Kopf abschlug, so oft wuchsen zwei neue dafür, während ein riesiger Krebs ihn zwickte und peinigte, bis endlich der Held einen Wald anzünden ließ, und mit brennenden Bäumen den jedesmaligen Stumpf ausbrannte. In dem Blut der Hyder vergiftete er seine Pfeile. Den letzten Kopf, der Unsterblichkeit besaß, vergrub er in die Erde, und wälzte einen Felsen darauf. Der Fang der Hindin der Diana, die auf ehernen Füßen lief und goldne Geweihe trug. Ungeachtet ihrer großen Schnelligkeit verfolgte sie Herkules ein ganzes Jahr lang, bis er sie bei Ladon lebendig fing, und Euristheus übergab. Ebenso fing er den erymantischen Eber lebendig in einem tiefen Schneefelde. Vor diesem gewaltigen Thiere fürchtete sich Euristheus so sehr, als Herakles es brachte, daß er sich in ein ehernes Faß verkroch. Die Reinigung der Ställe des Königs Augias, in denen von 3900 Rindern seit 30 Jahren der Dünger lag. In einem Tage vollbrachte der Held diese Arbeit dadurch, daß er den Fluß Alpheus hindurchleitete. Die Erlegung der Stymphaliden. Dieß waren kranichgroße Vögel mit ehernen Schnäbeln und Klauen, welche im Sumpfe Stymphalos in Arkadien wohnten, und von dem Heroen erst mit ehernen Klappern aufgescheucht, dann mit Pfeilen erlegt wurden. Die Herbeischaffung des Kretensischen Stiers. Dieser war ein Geschöpf Poseidons und wüthend; Herakles gewaltige Kraft bändigte auch ihn, und brachte ihn auf den Schultern zu Euristheus getragen. Der Fang der vier feuerschnaubenden und menschenfressenden Rosse des Diomedes, welcher so grausam war, ihnen die Fremden, die sein Gastrecht in Anspruch nahmen, vorzuwerfen. Dieser Fang gelang dem Herakles erst nach einem harten Kampf. Die Eroberung des Wehrgehenkes der Amazonenkönigin Hippolite, welche das Leben darüber verlor. Die Hinwegführung der Rinder des Geryon, eines dreiköpfigen Ungeheuers, das er erlegte, und zugleich die Wächter jener Rinder, den Riesen Eurytion, und den Hund Orthros, erschlug. Die Gewinnung der Hesperidenäpfel. Nach manchen Mühen fand Herakles erst die Gärten der Hesperiden, und gewann die Aepfel durch Ueberlistung des Riesen Atlas. (s. d.) Die Herausführung des Cerberus auf die Oberwelt. Herakles ließ sich in die Eleusinischen Mysterien einweihen, und stieg zum Orkus hinab, nöthigte Charon, ihn überzufahren, und zwang dem Pluto die Gewährung ab, den Hund fortführen zu dürfen, die ihm jedoch nur unter der Bedingung wurde, Cerberus ohne Waffen zu bekämpfen. Herakles band das furchtbare Ungeheuer, schleppte es auf die Oberwelt zu Euristheus, und auf dessen Geheiß auch wieder in die Hölle zurück. So entrang sich der Heros durch Thaten voll übermenschlicher Anstrengung dem harten Geschick, Euristheus dienstbar sein zu müssen, aber noch durch andre Großthaten machte er sich der Ehre und des Glücks, ein Genosse der seligen Götter werden zu dürfen, immer würdiger. Er besiegte und vertrieb die Centauren, machte die Argonautenfahrt mit, befreite die Tochter des Königs Laomedon von einem Meerungeheuer, erdrückte den Riesen Antäos in der Luft, erschlug den Aegypterkönig Busiris und dessen Söhne, die das Gastrecht verletzten, erschoß den Geier, der an Prometheus Leber fraß und befreite den Letztern, erschlug auch die Riesen Kakus und Alkyoneus, und errichtete seine berühmten Säulen auf den Bergen Kalpe und Abyla zum Gedächtniß seiner Thaten. Er erfand auch die olympischen Spiele, und ordnete sie an. Einem so leuchtenden Bilde, wie Herakles, sollten auch die Schatten nicht fehlen: in der Liebe war sein Glück minder groß, ja sie wurde ihm zur Quelle irdischen Verderbens. Seine erste Gemahlin Megara hatte er sammt ihren Kindern im Wahnsinn erschlagen; er wurde ein Sklave der lydischen Königin Omphale, die ihn, den Mann der Kraft, an den Spinnrocken setzte, Später sah und liebte er die schöne Deïaneira, um welche er mit Achelous kämpfte, der sich erfolglos in einen Stier und in einen Drachen verwandelte; Herakles brach ihm im Kampf ein Horn ab, welches die Nymphen zum Füllhorn weihten. Als er mit seiner Gattin an den Fluß Euenos kam, ging er hindurch, während der Centaur Nessos Deïanira hinüber trug, wobei sich dieser eine Unanständigkeit erlaubte, die Herkules alsobald dadurch rächte, daß er den Centaur mit einem in das Blut der Hyder von Lerna getauchten Giftpfeil erschoß. Der Sterbende bewog Deïanira, etwas von seinem Blut aufzubewahren, das ein Mittel sei, ihr des Gatten dauernde Liebe zu sichern. Später erbeutete Herakles die schöne Jole, die er seiner Gemahlin als Sklavin zutheilte, deren Eifersucht aber durch die neue Dienerin auf das heftigste erregt wurde. Bei einem Opfer, das ihr Gatte den Göttern darbrachte, sandte er zu ihr um ein Gewand, und sie tränkte das, welches sie ihm schickte, mit dem Blute des Nessos, das von dem Blutpfeil vergiftet war. Kaum hatte sich der Heros damit bekleidet, als es ihm am Körper fest hing und ihm die unsäglichsten brennendsten Schmerzen verursachte. Er durchstieß den unseligen Ueberbringer des Gewandes, und riß es gewaltsam vom Leibe zusammt dem Fleisch, und eilte nach Hause, wo sich Deïanira aus Reue und Furcht selbst erhenkte. Herakles thürmte auf dem Berge Oeta einen Scheiterhaufen, bestieg ihn, ließ ihn durch seinen Sohn Hyllos entzünden, und so verzehrte die Flamme seinen Leib, während in einer Wolke sein Geist empor zum Olympos schwebte. Dort wurde er in die Versammlung der Götter aufgenommen, und ihm die jugendliche Hebe vermählt. Seine zahlreichen Nachkommen, die Herakliden, beherrschten lange nach ihm verschiedene Königreiche Griechenlands.

– ch–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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