Hortensia, Eugenie von Beauharnois

Hortensia, Eugenie von Beauharnois

Hortensia, Eugenie von Beauharnois, Königin von Holland und Herzogin von Saint-Leu, geb. den 19. April 1783 zu Paris, ist die Tochter des Vicomte Alexander von Beauharnois und Josephinens Tacher de la Pagerie, nachmaligen Kaiserin. Als Kind von ihrer Mutter mit nach Martinique genommen, kehrte sie nach Frankreich zurück, als dort die Stürme der Revolution wütheten. Ihre Mutter wurde in das Gefängniß, ihr Vater auf das Blutgerüst geschleppt und sie blieb mit ihrem Bruder Eugen unter dem schwachen Schutze einer Erzieherin zurück. Diese harten Prüfungen übten einen entschiedenen Einfluß auf das jugendliche Gemüth, und als später Frau von Campan die Ausbildung der jungen Hortensia übernahm, entwickelte sie eine Ueberlegenheit der Talente und des Charakters, wie sie nur selten in diesem Alter gefunden wird. In dieser Zeit schloß sie den Herzensbund mit Adele Auguié, einer Schwägerin des Marschalls Ney. Frau von Beauharnois vermählte sich in zweiter Ehe mit dem General Bonaparte, bezog nach dem 18. Brümaire die Tuilerien und Hortensia sah sich plötzlich in den Mittelpunkt eines Hofes versetzt. Bald warben um ihre Hand die reichsten und berühmtesten Männer Frankreichs, aber Josephine wünschte ihre Tochter mit Ludwig Bonaparte, dem Bruder ihres Gatten, verbunden zu sehen. Die Politik schloß diese Verbindung, aber nicht die Herzen, sie fiel unglücklich aus, ohne Zweifel, weil die Charaktere zu verschieden waren. Hortensia gebar einen Sohn, den der erste Consul adoptiren wollte, was Ludwig inzwischen bestimmt abschlug. Zur Zeit der Kaiserkrönung machte Hortensia ihren Gemahl zum Vater eines zweiten Sohnes, der vom Papste Pius VII. getauft wurde, und beide Kinder waren jetzt die muthmaßlichen Erben des Reiches. Bei diesem raschen Wechsel des Glückes blieb Hortensia ihrem Charakter getreu. Die kaiserliche Pracht that ihrem bescheidenen, natürlichen Wesen keinen Eintrag; nie bewilligte sie dem Glanze ihres Ranges mehr, als durchaus nöthig war. Die Vorsehung berief sie auf Hollands Thron; hier raubte ihr der Tod ihren ältesten Sohn, und der Schmerz über diesen Verlust brachte sie der Verzweiflung nahe. Um sich zu erholen, unternahm sie eine Reise in die Pyrenäen, traf dort mit ihrem Gemahl zusammen und ging mit diesem nach Paris. Kränklichkeit und eine bevorstehende Niederkunft nöthigten Hortensia, ihren dasigen Aufenthalt zu verlängern; auch war es jene verhängnißvolle Zeit, wo Napoleon seine Scheidung von Josephinen beabsichtigte Während den Berathschlagungen, welche dieser Begebenheit vorangingen, ward keine Bedenklichkeit laut, um die Kronen festzuhalten, die ihnen entrissen wurden: der Edelmuth, mit dem das Opfer gebracht ward, kam der Größe desselben gleich. Hortensia, die sich jetzt ihrer Mutter unentbehrlich glaubte, trennte sich von ihrem Gemahle und fand um so weniger Widerstand, da auch er eine Trennung wünschte. Der Königin Gesundheit war sehr geschwächt; seit einigen Jahren hausten sich zu viele Leiden über ihrem Haupte zusammen, um nicht die Blüthen ihres Lebens anzugreifen. Auch ihre treue Freundin, Adele Auguié, mußte sie bald darauf auf die traurigste Weise verlieren. Allein noch war der Leidenskelch nicht geleert; auch die Demüthigung des Vaterlandes sollte sie erleben. Niemand hat dieß tiefer gefühlt, als Hortensia, wie groß auch die Achtung gewesen sein mag, welche die Sieger ihr zollten. Bei Annäherung der Verbündeten hatte sie sich in Navarra mit ihrer Mutter vereinigt Beide erhielten eine Einladung vom Kaiser Alexander, nach Malmaison zu kommen, wenn sie nicht vorziehen sollten, ihn in Navarra zu empfangen. Seine Frage war eben so schmeichelhaft, als zart, dennoch lehnte Hortensia die Einladung ab. Nicht immer ist es die schwerste Aufgabe, seiner Pflicht zu folgen, wohl aber die, unter zwei gleich dringenden zu wählen. Sie befand sich in der Mitte zweier Kaiserinnen, von denen die eine ihre Mutter, die andere ihre Fürstin war; aber sie hatte sich einmal gesagt, ihr Platz sei neben der Unglücklichsten; und so begab sie sich nach Rambouillet, wo die Kaiserin Marie Luise gefangen war. Erst, nachdem der Kaiser von Oestreich seine Tochter nach Wien beschieden hatte, kehrte Hortensia nach Malmaison zurück, wo ihre Mutter, über Napoleon's Unstern noch immer untröstlich, ihrer bedurfte. Hier sah sie den Kaiser von Rußland. Das Interesse, das ihr edles Betragen den verbündeten Monarchen einflößte, ging so weit, daß sie Hortensia von ihrer Familie zu trennen und ihr ein unabhängiges Loos zu verschaffen wünschten, allein sie scheiterten an dem Widerstande, den Hortensia den Wohlthaten der Sieger entgegen setzte. Unwillkürlich fragen wir uns hier, warum sie dennoch 1814 die durch den Vertrag von Fontainebleau ihr zugesicherten Güter, aus denen für sie und ihre Kinder das Herzogthum Saint-Leu gebildet wurde, annahm; aber der Wunsch, jenen eine Zukunft zu sichern, mag als eine gerechte Entschuldigung dienen. Von diesem Zeitpunkte schreiben sich jedoch die ersten Regungen der Eifersucht und die Feindseligkeiten her, die sie von nun an verfolgten. Das Herz ihrer Mutter blieb die einzige Freistatt vor den Verleumdungen und dem Neide ihrer Feinde, bis auch diese den 19. Mai 1814 ihr entrissen wurde. Sie machte dem Könige Ludwig XVIII., dem sie sich wegen der vortheilhaften Anordnung in Betreff ihrer Kinder verpflichtet glaubte, einen Besuch und wurde von ihm sehr gut aufgenommen Doch auch diese Gunst gereichte der unglücklichen Königin zum Verderben; einen gewöhnlichen Empfang hätte man verziehen, allein die wahre Theilnahme des Königs erbitterte, und man beschuldigte sie, die Urheberin aller der Unruhen der damaligen Zeit zu sein, während ihre Herzensgüte nur bemüht war, die Heftigkeit gewisser Geister zu mildern und sie gerade damals sich beschäftigte, den Gerichten einen Sohn abzustreiten, den ihr Gemahl ihren Armen entreißen wollte. Des Kaisers Landung und Ankunft auf französischem Boden hinderte den Ausspruch des Urtheils und entschied die Frage zu ihrem Gunsten. Sie eilte, sich ihm vorzustellen, aber er wollte sie nicht sehen, und empfing sie später kalt, da er sie anklagte, unter seinen Feinden geblieben und seiner Sache untreu geworden zu sein. Bald aber sprach er sie von jedem Vorwurfe frei. Auch wurde Hortensia als diejenige bezeichnet, die zu Napoleon's Rückkehr von Elba am Meisten beigetragen habe. Ihre erste Sorge war, den Kaiser um Gnade für die zu bitten, die derselben bedurften. Es gelang ihr, seinen Schutz für die Herzoginnen von Orleans und Bourbon zu erflehen. Nach jenem unheilvollen Tage bei Waterloo, wo Napoleon's Unstern siegte und er sich von der ganzen Welt verlassen sah, war es Hortensia, die ihn in Malmaison erheiterte und ihm mit treuer Tochterliebe beistand. Sie vertrat in seinem Unglücke ihre ganze Familie und zeigte mit bewundernswürdiger Geistesstärke und Ergebung, wie man selbst den heftigsten Stürmen des Schicksals zu trotzen vermag. In der liebenden Sorge für ihren Wohlthäter vergaß sie ganz sich selbst. »Mögen sie mich immerhin anklagen,« pflegte sie zu sagen, »so lange mein Gewissen mich freispricht, fürchte ich sie nicht.« Nachdem sie Napoleon das letzte Lebewohl gesagt, verließ sie Malmaison und begab sich nach Paris, wo der gegen sie gehegte Haß endlich in Gewaltthätigkeiten auszubrechen drohte. Alle jene unbedeutenden Unruhen der Hauptstadt, unvermeidliche Ueberbleibsel der gewaltsamen Erschütterung, welche die ganze Welt bewegt hatte, wurden ihr zugeschrieben, und sie erhielt den Befehl, Paris sogleich zu verlassen. Nach einem so vielfach bewegten Leben war Ruhe ihr Bedürfniß. Am 17. Juli 1814 reiste sie in Begleitung ihrer Kinder Und des Fürsten von Schwarzenberg von Paris ab. In Dijon suchte man ihrer Reise vergebens Hindernisse in den Weg zu legen: die Oestreicher beschützten sie gleiche Schwierigkeiten erlitt sie in Genf. Da erinnerte sie sich, ein Hospital zu Aix in Savoyen gegründet zu haben, reiste dorthin und fand eine Aufnahme, würdig ihres Ranges und Unglücks. Hier erwartete sie die Entscheidung der verbündeten Mächte. Aber bald erschien ein Abgeordneter ihres Gemahls, der ihren ältesten Sohn von ihrer Seite riß; dieser Verlust traf sie härter als alle frühern Unglücksfälle. Endlich erhielt sie einen Paß nach Konstanz. Diese ganze Reise war eine ununterbrochene Kette von Plackereien, welche damals die untern Staatsbeamten sich gegen die gefallene Majestät auszuüben erlaubten. In Konstanz hoffte sie durch die Verwandtschaft mit dem Großherzog von Baden eine Stütze zu finden, allein auch von hier mußte sie ihre Reise fortsetzen. Endlich gestattete der König von Baiern der verwiesenen Königin, ihren Wohnsitz in Augsburg zu nehmen. Hortensia's Leben war von nun an zwischen der Ausübung ihrer Talente und ihrer Tugenden getheilt; Künste und Wissenschaften standen ihr zur Seite. Später, als die Zeit ihren verhüllenden Schleier über die Vergangenheit gezogen hatte, lebte Hortensia abwechselnd in Florenz, wo sie die Erziehung ihrer beiden Söhne, Ludwig und Napoleon, vollenden ließ, und auf ihres Bruders Landsitze Arenenberg am Bodensee. Nach der Juli-Revolution im J. 1830, die durch ganz Europa wiedertönte, wurden ihre Söhne beschuldigt, an den Unruhen in Italien Theil genommen zu haben. Napoleon bezahlte diese Theilnahme mit seinem Leben, und die Königin wurde gebeten, die römischen Staaten zu verlassen. Nach diesem neuen Schlage des Schicksals zog sie sich ganz nach Arenenberg zurück, wo sie noch jetzt 1835 mit einigen treu gebliebenen Freunden lebt. Es ist eine Sammlung von Briefen von ihr im Druck erschienen, die höchst geistreich und interessant geschrieben sind und das reine Gepräge ihrer edlen Seele tragen.

E. v. E.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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