Isabelle, Königin von England

Isabelle, Königin von England, Tochter Philipp's des Schönen von Frankreich, wurde 1292 geboren und schon in früher Kindheit mit dem Prinzen von Wales, einem Sohne Eduard's I., verlobt. Das Leben dieser Fürstin fällt in eine der traurigsten Epochen der englischen Geschichte. Günstlinge beherrschten das Land und öffneten zwischen Fürsten und Volk eine weite Kluft, die durch Parteikämpfe des Adels nur noch vergrößert wurde. 1308 bestieg der junge Monarch als Eduard II. den britischen Thron; er begab sich selbst nach Frankreich, um seine 16jährige Braut zu holen. Ihre Anmuth und Schönheit bezauberte ihn beim ersten Anblicke und die unzufriedene Adelspartei schmeichelte sich, durch Isabellens Einfluß den des übermüthigen, allmächtigen Günstlings und Ministers Gaveston zu zerstören. Dieser aber, seiner unumschränkten Macht über Eduard sich bewußt, ging so weit, die schuldige Achtung gegen die Königin außer Augen zu setzen. Als Isabelle ihren verzagten Gemahl vergebens um Gerechtigkeit angesprochen hatte, bat sie ihren Vater, den König, um Schutz. Von diesem Augenblicke an war das Einverständniß der beiden Gatten zerstört und die Königin verbarg auch keineswegs die Geringschätzung, welche sie für Eduard hegte. Dennoch blieb sie ihren Pflichten treu und trat sogar bei der Versammlung des Adels, welche sich zu Gaveston's Sturze gebildet hatte, als Vermittlerin auf Der Tod desselben durch Henkers Hand, stellte die Ruhe nur auf kurze Zeit her. Die mißvergnügten Barone griffen zu den Waffen und Isabelle wandte sich noch ein Mal hilfeflehend an ihren Vater. Ihr Oheim, der Graf von Evreux, erschien in England, während Eduard selbst nach Frankreich schiffte, um die Hilfe seines Schwiegervaters zu erlangen. Mittlerweile gebar Isabelle 1313 einen Sohn, den nachmals berühmten Eduard III. Nach langwierigen Unterhandlungen kehrte der König nach England zurück, aber vergebens hatte man gehofft, die Königin würde auf ihn irgend einen Einfluß gewinnen. Er wählte sich in William Spencer einen neuen Günstling, mußte diesen zwar verbannen, rief ihn aber bald wieder zurück, und mehr als je sah sich die Königin gekränkt und beschränkt. Abermals wandte sie sich an ihren Bruder, Karl den Schönen, und erklärte, daß sie im Hause ihres königlichen Gatten wie eine Magd gehalten werde. Mittlerweile entsprang zwischen den beiderseitigen Höfen ein diplomatischer Streit in Betreff des Besitzes der Provinz Guyenne. Die Königin sollte mit ihrem Bruder, dem nunmehrigen Könige, unterhandeln. Zu diesem Zwecke begab sie sich nach Paris. Kaum dort angelangt, stellte das französische Cabinet die Bedingung, Eduard möge persönlich in Frankreich erscheinen und den Huldigungseid für seine französischen Besitzungen leisten. Diesem jedoch widersetzte sich Spencer, und Isabelle schlug deßhalb vor, Eduard sollte seinem 13jährigen Sohne Guyenne überlassen und dieser dem König von Frankreich den Lehnseid leisten. Dieß ward bewilligt und der Prinz von Wales reiste nach Paris. Kaum hatte Isabelle den Thronerben in ihrer Obhut, als sie sich ernstlich mit der Ausführung ihrer Pläne beschäftigte. In ihrer Umgebung befand sich Roger Mortimer, ein engl. Flüchtling, einer der mächtigsten Barone des Landes und Spencer's erbittertster Feind. Er war mit Gefahr aus dem Gefängniß entronnen, in welches ihn der Haß des Ministers geworfen hatte. Schon in London gehörte er zu der vertrauteren Umgebung der Königin. Er war schön und liebenswürdig und Isabelle hegte eine heftige Leidenschaft für ihn, die sie weder bekämpfte, noch verbarg. Eduard, von diesem entehrenden Verhältnisse unterrichtet, berief die Königin zurück; sie daher weigerte sich so lange, wie Spencer bei Hofe sei. Diese Erklärung machte die Fürstin zum Haupte der Gegenpartei des Ministers. Die Königin ihrer Seits, von ihrem Bruder nicht kräftig unterstützt, suchte Anhang im Auslande. Sie warb für ihren Sohn um die Hand Philippinens von Holland, brachte die Verbindung zu Stande und erhielt mehrere Schiffe und 3000 Mann zu ihrer Verfügung. Mit diesen landete sie im Septbr. 1326 an der Küste von Suffolk, vereinigte sich mit den Unzufriedenen, eilte nach der Hauptstadt, schlug ihre Gegner und nahm ihren Gemahl gefangen. Allein die Siegerin beobachtete nicht jene Mäßigung, welche den Sieg schmückt. Sie hielt ihren Einzug in London, berief ein Parliament, ließ Eduard der Krone' verlustig erklären und den Prinzen von Wales zum Regenten und später zum König ausrufen. Ihrer Neigung zu Mortimer sich hingebend, behandelte sie ihren Gemahl auf's Unwürdigste, weigerte sich sogar, ihn zu sehen, und hielt ihn von seinem Sohne entfernt. Als sie aber in Verbindung mit Mortimer sein Leben auf eine eben so grausame als furchtbare Art endigte, da erwachte der allgemeine Unwille gegen die Urheberin. Vier Jahre hatte nun Eduard III. unter seiner Mutter oder vielmehr ihres Günstlings Vormundschaft regiert. Ein nicht zu verheimlichendes Ereigniß verrieth jetzt Isabellens strafbares Verhältniß mit Mortimer. Kaum davon benachrichtigt, eilte er mit einem kleinen Gefolge nach Nottingham, wo seine Mutter mit ihrem Liebling residirte, und ließ denselben trotz ihres Flehens ergreifen und tödten. Die Königin selbst wurde nach Rising in engen Gewahrsam gebracht; ihre Einkünfte (welche früher fast zwei Drittel der Kroneinkünfte betrugen), auf 4000 Pfd. herabgesetzt, sie außerdem aber mit allen, ihrem Stande geziemenden Rücksichten behandelt. Isabelle starb den 20. August 1358.

E. v. E.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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