Italien (Geschichte)

Italien (Geschichte). (Geschichte.) Unsterbliche Erinnerungen knüpfen sich an die drittehalbtausendjährige Geschichte eines Volkes, dessen Riesenkräfte die Welt erschütterten, das uns Monumente hinterließ, vor denen wir staunend stehen, an dem in buntem Wechsel Glanz und Schmach, Siege und Niederlagen, die Blütenzeit der Künste und Wissenschaften, geistiges Licht und geistige Nacht vorübergingen und das jetzt auf den Trümmern einer doppelten Vergangenheit einer lebenskräftigen Zukunft entgegen schreitet. Nur Weniges ist uns aus seiner ältesten Geschichte bekannt und dieses wieder knüpft sich mehr oder weniger an die Geschichte Rom's (s. d.). Odoacer, Anführer der Heruler und anderer Barbaren, machte 476 dem weströmischen Reiche ein Ende, vermochte jedoch seine Herrschaft nicht zu befestigen. Schon 493 nahm der große König der Ostgothen, Theodorich, seinen Platz ein, und kaum hatte sich das entvölkerte und verarmte Reich unter der milden 33jährigen Regierung dieses Königs etwas erholt, als ein neuer Feind, der oströmische Kaiser, auftrat. Belisar und Narses, seine berühmten Feldherren, wurden nach langem Kampfe 552 Sieger. Jetzt begann die unselige Zerstückelung Italiens. Die Longobarden, ein Volk aus dem heutigen Oestreich, eroberten Oberitalien; Mittel- und Unteritalien, in kleine Provinzen getheilt, gehorchte oströmischen Statthaltern; Rom, Venedig und andere Städte wollten sich selbst regieren. Ewige Unruhen und kleine Kriege zerstörten allen Wohlstand und gaben den Franken Gelegenheit zur Einmischung. Ihr König, Karl der Große, ließ sich 800 in Rom zum Kaiser krönen und schenkte dem Papste Rom und die Umgegend. Mit ihm begann die Oberherrschaft der neuen römisch-deutschen Kaiser. Nach dem Falle der Karolinger entstand neue Verwirrung; die Araber unterjochten Sicilien. Erst Otto I. erneuerte (962) das Ansehen der Kaiser. 1000 landeten Abenteurer aus der Normandie und bezwangen nach und nach ganz Unteritalien und Sicilien; sie stifteten das noch bestehende Königreich Neapel. Nach dem Tode Kaiser Heinrich's III. (1056) wurden die Päpste mächtig; Venedig, Genua etc. trieben großen Seehandel und beherrschten alle Meere. Die deutschen Kaiser galten nur, so lange sie mit Heeren zugegen waren. Die Städte in Oberitalien machten sich fast unabhängig, vor allen Mailand. Vergebens kämpften die tapfern Hohenstaufen gegen ihren Bund; noch durch mehrere Jahrhunderte dauerten die Nachwehen dieses Streites, die Kämpfe der Gibellinen und Guelfen. Auch unter sich kriegten die Städte, und so gelang es einzelnen Familien, die Herrschaft an sich zu reißen, unter denen die Visconti in Mailand, Medicis in Florenz etc. sie lange behaupteten. Venedig und Genua blieben frei, ihr Handel erhielt durch die Kreuzzüge ungeheure Ausdehnung und machte sie so reich und mächtig, daß sie ungestraft allen Mächten trotzen durften. 1495 erschienen die Franzosen unter Karl VIII. in Italien; Spanier, Deutsche etc. tummelten sich mit ihnen 30 Jahre herum, bis die Schlacht von Pavia (1525) die Spanier im Besitze von Neapel und Mailand befestigte. Mailand kam 1714 an Oestreich, Sardinien wurde mit Piemont und Savoyen vereint zum Königreich erhoben. Die franz. Revolution brachte auch für Italien Veränderungen; nach Bonaparte's Siegen (1796) entstanden Republiken, die später das Königreich Italien bildeten. Venedig und Genua verloren ihre Unabhängigkeit. Napoleon wurde 1804 König von Italien; des Helden Herrschaft war für Italien segenbringend, und sie würde in noch bessern Andenken stehen, wenn ihm zur Vereinigung I. in ein Reich Zeit und Ruhe geworden wäre. Nach seinem Falle 1814 bildeten sich die noch bestehenden Verhältnisse. Oestreich erhielt Mailand und Venedig unter dem Titel: lombardisch-venetianisches Königreich, Genua kam an Sardinien und in Rom, Neapel, Modena, Florenz etc. wurden die frühern Herrscher wieder eingesetzt. Wir werden in den Artikeln Mailand, Neapel, Rom, Sardinien, Toscana, Venedig die Spezialgeschichte dieser Theile Italiens mittheilen.

S.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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