Jahreszeiten

Jahreszeiten. Die Sonne rückt in der Ekliptik alljährig von einem Jahrpunkte zum andern. Es gibt deren vier: zwei im Aequator (Nachtgleichen), zwei im Solstitium (Sonnenwenden). Hierdurch entstehen vier Zeitperioden nach der Verschiedenheit des Abstandes der Erde von der Sonne, also auch vier Jahreszeiten. Da die Gestalt der Erdbahn elliptisch ist, so geschieht es, daß Frühling und Sommer zusammen 186 Tage und 12 Stunden, Herbst und Winter aber nur 178 Tage und 18 Stunden beiläufig dauern. Es geht aus der Gestalt der Erde und ihrem Umschwunge hervor, daß die Jahreszeiten auf beiden Hemisphären einander entgegengesetzt sind, so wie auch die Temperatur in denselben nach verschiedenen Breitegraden wechselt. Für die nördliche Erdhalbkugel beginnt der Frühling, wenn die Sonne (scheinbar) in das Zeichen des Widders, der Sommer, wenn sie ind. Z. des Krebses, der Herbst, wenn sie in jenes der Wage und der Winter, wenn sie in das des Steinbocks tritt. Nach unserm Kalender fällt unser Frühling auf den 20. oder 21. März, der Sommer auf den 21. oder 22. Juni, der Herbst auf den 23. Septbr. und der Winter auf den 21. oder 22. December. Mit diesen astronom. Jahreszeiten stimmen die meteorologischen Jahreszeiten, welche wir im gewöhnlichen Leben unterscheiden, nicht genau überein; denn Frühling und Winter treten bald früher, bald später ein, was seinen Grund in anderen Temperaturbedingungen hat. In den Tropenländern gibt es, physikalisch genommen, nur zwei Jahreszeiten: eine trockene und eine Regenzeit, und der Winter erscheint nur in der Bedeutung als diejenige Jahreszeit, wo die Hitze geringer, die Luft nämlich von den Regengüssen abgekühlt und die Glut der Sonne durch Wolkenmassen gedämpft ist. In den temperirten Regionen der gemäßigten Zone bilden Frühling und Herbst nur die Uebergangsperioden von Winter und Sommer abwechselnd. In der Nähe des Pols, der nördlichsten Zone, dauern dagegen diese Uebergänge nur wenige Wochen. – Der Mann hat von den Jahreszeiten ein Bild für sein Leben entlehnt; er nennt den Lenz einen Knaben, den Sommer einen Jüngling, den Herbst einen Mann, den Winter einen Greis; oft auch den Lenz mit Einschluß des Sommers einen Jüngling. Der Winter ist ihm wegen seiner Erstarrung aller Vegetation und manches Thierlebens, der Tod, der Frühling die Auferstehung. Dieser kommt wie ein holder Knabe geflogen und pocht mit dem warmen Rosenfinger an die Erdschale, und die schlummernden Gräser und Blümchen werden wach und strecken die frischen Häupter und glänzenden Augen empor nach dem Sonnenlichte. Was im Frühling duftende Blüte war, reist im Sommer zur segnenden Frucht – die Natur schwillt in der Ueberfülle ihrer Kräfte und Reize. Den Segen spendet der Herbst, und die Natur, nachdem sie ihr Zeugungsgeschäft vollbracht, legt sich ermüdet zur Ruhe, um unter der weißen Winterdecke zu schlafen und neue Kraft für den Frühling zu sammeln. Wie die Jahreszeiten, geht das Menschenleben vorüber, und auch wir schlafen dereinst, um Kräfte zu einem neuen Frühling zu sammeln. Nur begrüßt die holde Jahreszeit jährlich bloß Einmal die leblose Natur: wir aber, der Schöpfung höchstes Werk, bedürfen einer längeren Umlaufsperiode. Welches fühlende Herz hat nicht der Frühling mit seinen tausend Wonnen und Reizen innig ergriffen?! Wo Alles die Auferstehung feiert nach langer Grabesnacht, wo die Nachtigallen schlagen und tausend Wunderblumen blühen, wo der blaue Himmel das einzige große Gottesauge, in welchem sich die Sterne wie erhabene Gedanken wechselnd malen!

–n.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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