Julia, Tochter des röm. Kaisers Augustus)

Julia, Tochter des röm. Kaisers Augustus)

Julia, Tochter des röm. Kaisers Augustus), die einzige Tochter des römischen Kaisers Augustus, blendend schön, geistvoll, anmuthig, aber einem ausschweifenden Leben in dem Maße ergeben, daß ihr kaiserl. Vater bei Gelegenheit, wo sich ihre Vertraute aus Furcht vor gerechter Strafe erhing, ausrief: »Ich wollte, diese wäre meine Tochter!« Sie war drei Mal verheirathet: an Marcellus, Agrippa und Tiberius. Ihr zügelloser Lebenswandel zwang den Letztern, da er nicht Zeuge desselben sein, noch den Kaiser durch eine Entdeckung kränken wollte, sich freiwillig vom Hofe zu entfernen. Ganz Rom kannte ihre Liebes-Abenteuer und sprach unverhohlen davon. Die geistreichsten Männer suchten dessen ungeachtet ihren Umgang, sie liebte und schätzte Wissenschaften und Künste, sie besaß alle Talente der Geselligkeit, jeden Liebreiz der Natur und der Bildung; aber keine moralische Kraft, um ihre Leidenschaft zu dämpfen. Endlich konnte dieß Alles dem Kaiser nicht länger verborgen bleiben. Sein Zorn war so groß, daß er die ungerathene Tochter umzubringen befahl. Auf das dringende Fürbitten seiner Umgebung verbannte er sie jedoch auf die wüste Insel Pandataria, an der Küste von Campanien, wo sie auf den Umgang nur weniger Personen beschränkt war. Augustus gab später den Bitten des Volkes, das für die Kaiserstochter eine Art Vorliebe hatte und den tiefen Schmerz des Fürsten ahnte, so weit nach, daß er sie zurück rief und in der Stadt Rhegium wohnen ließ. Dem Augustus folgte Tiberius in der Regierung; aus Rücksicht auf den kaiserl. Schwiegervater hatte er die treulose Julia bisher mit ziemlicher Schonung behandelt. Nun fiel jede Rücksicht hinweg – er wurde eben so grausam, als er vorher nachsichtig gewesen; ließ sie in ihrem Hause gleich einer Gefangenen halten und entzog ihr sogar den kleinen Jahrgehalt, welchen ihr Augustus ausgesetzt. Und so darbte die Tochter des großen Cäsars, vergessen, gedemüthigt, verlassen: die einst schöne, geistvolle Julia! Sie starb 15 Jahre nach ihrer Verbannung. Je höher Julia im Leben stand, je mehr sie für einen edlen Beruf erzogen und bestimmt war, um desto strenger muß die Geschichte sie richten, denn nicht nur das edle, auch das schlimme Beispiel weckt Nacheiferung. Ihre Tochter Julia, aus der zweiten Ehe mit Agrippa, war das Ebenbild der Mutter, schön und hold wie sie, doch gleich ausschweifend. Augustus mußte auch sie auf die Insel Tremere verbannen, da sie Schmach über seine Familie brachte. Sie war erst 13 Jahre alt und schon so verderbt! 20 Jahre später starb sie in ihrem Exil. – Ihretwegen wurde der Dichter Ovid (s. d.) nach Tomi am schwarzen Meere verbannt.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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