Körper, weiblicher

Körper, weiblicher. Der Mensch ist von allen geschaffenen Wesen das vollkommenste, der menschliche Körper der vollendetste, und wenn auch einzelne Eigenschaften praktischer in der Thierwelt vorhanden sind, so fehlt doch andern Geschöpfen die bewunderungswürdige Harmonie und Ausbildungsfähigkeit aller Eigenschaften. Der männliche Körper ist der Ausdruck der geistig körperlichen Kraft, der weibliche aber der der geistig körperlichen Schönheit. Die weibliche Gestalt in ihrer edelsten Form zeichnet sich durch mittlere Größe, zarte, kleinere Glieder, vorherrschenden Oberkörper, kürzeren Hals, größeres Embonpoint, feinere Haut, zartere Züge und dadurch aus, daß die Oberfläche des ganzen Körpers glatt, voll, rund und geschmeidig ist. Zu große Frauen, starkgliederige, magere Gestalten entfernen sich von der ursprünglichen Schönheit des weiblichen Ideals, eben so wie die mannähnlichen Frauen mit breiten Schultern und schmalen Hüften. Im weiblichen Antlitz müssen die Flächen und das Auge den Vorrang vor der Stirne, der Nase, dem Munde, Kinn und den Ohren haben. Das Auge muß groß unter einer kleinen Stirne hervorglänzen, aber nicht brennend die übrigen Zeugen des Geistes im Gesichte überstrahlen und verdunkeln. Die Augenbraunen seien ein zartgewölbter seinbehaarter Bogen, die Wimpern aber lang, denn dieß gibt dem Auge etwas Beseligendes. Die Nase sei klein, gerade, nicht vorherrschend bemerklich, das Ohr klein und anliegend, der Mund niedlich, aber die Lippen voll und gelind aufgeworfen. Die Stellen am kleinen, rundlichen, eingezogenen Kinne, an der Wange nach den Schläfen zu, müssen sanft und glatt sein. Sie sind der Sitz hohen Reizes, hier wohnt Unschuld und Grazie, der Anhauch höhern Ursprungs. Die Bewegungen des Körpers müssen sanft, langsam, leicht, gemäßigt und ungezwungen sein. Der weibliche Körper erlangt seine vollendeteste Schönheit in der Blüthe des Lebens, in der Zeit, die zwischen dem Alter der Jungfrau und der Frau mitteninne liegt. Vorher und nachher kann zwar eine relative Schönheit bestehen, doch nur in diesem mittlern Alter nähert sich der weibliche Körper dem Ideal, der zwischen Jungfrau und Mutter erscheinenden Venus, gleich entfernt von der majestätischen Pallas, der kräftigen Juno, der üppigen Ceres und der leichten Diana. Die Stufenleiter der weiblichen Schönheitsgestalten in Bezug auf die Ausbildung nach den verschiedenen Lebensaltern sind die Psyche, Hebe, Diana, Pallas, Ceres, Juno und Rhea. Die Venus aber ist das Ideal der Schönheit. Abweichungen, zufällige Bildungen der Lebensweise und Constitution beeinträchtigen, aber vernichten die Schönheit nicht ganz. Sie wird nur durch Carikatur, den Uebergang in den männlichen Charakter, vertilgt. Der Ausdruck der geistigen Schönheit des Weibes ist Sanftmuth, Anmuth, Güte und Liebe. Das Antlitz des Mannes kann Schärfe des Geistes, Verstand, Ueberlegung verschönen, das Antlitz des Weibes ist nur schön, wenn der Ausdruck des Geistreichen sich mit der bezaubernden Freundlichkeit paart, die aus Güte, Liebe, Unschuld und Frohsinn entspringt. Ein bloß Geist strahlendes Weiberantlitz kältet, kann Erstaunen, nie Bewunderung, am wenigsten Begeisterung erregen. Der Ausdruck geistiger Schönheit kann auch auf Zügen wohnen, die sich vom Ideal der Körperschönheit entfernen, nie in einem wirklich unschönen Gesichte. Ein schönes Antlitz verliert durch den Ausdruck eines unschönen Geistes, der Einfalt und Dummheit, des Zornes und der Rachsucht, und kann es ja noch als schön gelten, so ist es, weil die Körperschönheit durch das Unschöne des geistigen Ausdrucks grell, nie entzückend, hervorgehoben wird. Wie Venus das Ideal der Körperschönheit, ist Maria, die Mutter des Heilandes (dieses Ideal männlich geistig schönen Ausdruckes), das Ideal des weiblichen Seelenausdruckes, die höchste Anmuth, Sanftmuth, Liebe und Zartheit, welche die begeisterten Künstler uns in Madonnenbildern zeichneten. Nichtssagende Züge entfernen vom Ideal der geistigen Schönheit, der Ausdruck eines bösen Herzens und Gemüthes ist der Gegensatz desselben und die Uebertreibungen bösen Ausdruckes sind die physiognomischen Carikaturen. Eine vollendete Schönheit muß geistig und körperlich den Anforderungen entsprechen, denn das Ideal des Einen kann nicht ohne das Andere bestehen. Eine Venus mit dem Ausdrucke der Einfalt, eine Maria mit regelwidrigem Körper sind undenkbar. Die geistig körperliche Schönheit muß in den angewiesenen Grenzen der Natur bleiben. Affektirter Ausdruck ist eben so unschön und lächerlich, als unnatürlicher Anputz oder gezwungene Gestalt und Bewegung.

5.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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