Kalmücken

Kalmücken

Kalmücken, ein Hauptzweig des mongolischen Völkerstammes, der sich über die Steppen und Gebirge der Bucharei, Mongolei und des südlichen Sibiriens, vom asiatischen Rußland bis an die chinesische Grenze ausdehnt. Sie leben theils selbstständig, theils unter russischer und chinesischer Herrschaft. 12,000 Familien: die russichen Kalmücken wohnen jetzt zwischen dem Don, der Wolga und Xumma, in den Gouvernements Kasan, Astrachan und Orenburg. Sie sind Nomaden, gewöhnen sich aber nach und nach an feste Wohnsitze und europäische Kultur. Der Kalmücke ist untersetzt, von starkem Gliederbau, dabei muskulös und gelenkig. Seine Augen sind schmal, die schwarzen Braunen flach gewölbt, die Backenknochen hervorstehend, die Nase eingedrückt, die Ohren verhältnißmäßig groß, der Kopf rund. Von Charakter sind sie reizbar und mißtrauisch, leichtsinnig, aber auch gastfrei, nähren sich meist von animalischer Kost und lieben Tabak und Thee. Sie wohnen in Filzhütten (Jurten), welche oben offen sind. Ihre Religion ist der Buddhaismus, die Sprache ist mongolischer Abkunft und in ihr besitzen sie geschriebene Gesetze, Heldenlieder und Sagen. Jede einzelne Horde wird von einem Khan regiert, dessen Verwandte den Adel und eine Art Staatsrath bilden. Der Khan wird der weiße Knochen, das Volk der schwarze Knochen genannt. Rußland führt die Oberherrschaft. 1771 haben sich 60,000 Familien unter chinesischen Schutz begeben und feste Wohnsitze am Saisansee in der Songarei eingenommen. Sie haben vor halbkultivirten Völkern den Ruhm, daß sie ihre Weiber am wenigsten drücken und geringschätzen. Zwar verkauft der Vater seine Tochter, ohne sie zu fragen; aber er gibt ihr eine Ausstattung mit, die dem Brautpreise an Werth gleich kommt. Diese Ausstattung bleibt das Eigenthum der Frau auch nach des Mannes Tode oder bei einer Verstoßung, so daß also ihre Zukunft gesichert ist. Vielweiberei ist gestattet; der Lama (Priester) segnet nur die Frauen, welche eine Ausstattung gebracht, als eheliche ein. – Die Frauen müssen übrigens mehr Arbeiten verrichten als die Männer, denn diese lieben die Ruhe, das Branntweintrinken und Rauchen. Sie sorgen für die Heerden, das Hausgeräth, die Küche, scheren die Schafe, gerben die Felle, bereiten Filzdecken und brechen die Wohnung beim Weiterziehen der Heerde ab und errichten sie wieder auf dem neuen Weideplatze. Nach den Gesetzen werden Beleidigungen, welche Weiber betreffen, schärfer geahndet, als jene, welche Männern widerfahren; alle Strafen, denen sie verfallen, werden gemildert; in ihren Hütten sind sie unverletzlich. – In der Kleidung unterscheiden sich die beiden Geschlechter nicht wesentlich. Die Frauen tragen weite Pantalons von Tuch oder Kattun, Hemden, welche bis an den Hals reichen, Mantel mit sehr langen Aermeln und Halbstiefeln von gefärbtem Leder. Mädchen gehen wie die Männer, tragen Mäntel, Oberkleider, Pantalons etc., nur sind die Stoffe dazu seiner und der Haarputz sorgfältiger. Die Männer scheren den Kopf kahl bis auf einen Büschel am Wirbel, die Mädchen flechten die Haare in drei Zöpfe, Frauen in zwei, welche sie noch überdieß mit buntem Seidenzeuge durchwirken. Mädchen dürfen auch nur einen Ohrring tragen. Alle Frauen schminken sich weiß und roth. Die gelbe Farbe ist ihnen heilig, darum kleiden sie sich gern in Fuchspelze. Den Kopf bedecken sie mit einer gelben Mütze, die, weil sie von heiliger Farbe ist, nie auf die Erde, sondern höchstens auf das Knie gelegt werden darf.

B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Kalmücken — (Kalmyken, vom tatar. Khalimik, d.i. Abtrünniger, sonst auch Ölöt od. Eleuten), ist der Name eines Volkes in Hochasien, welches einen Zweig der mongolischen Völkergruppe (bestehend aus den eigentlichen Mongolen, den Burjäten u. K.) der großen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Kalmücken — (nach eigner Benennung Mongol Oirat, bei den Ostmongolen Ögeled, bei den Tataren Khalimak, woher das Wort K., auch Ölöten oder Eleuten genannt), ein den westlichen Zweig der Mongolen bildendes Volk, dessen Hauptvertreter heute die Choschoten,… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kalmücken — (vom tatar. Khalimak; nennen dich selbst Mongol Oirat oder Oirat), mongol. Volk, in vier Hauptstämmen: Choschot am Kuku nor, Dsungaren in der Dsungarei, Dörböt in Rußland, früher an der Wolga, jetzt am Don und Ili, und Torgot in Ostturkestan und… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Kalmücken — Kalmücken, mongolische Nation, in ihrer Sprache Derben Eret, d.h. die 4 Verbündeten, theilen sich in 4 Hauptstämme: die Choschoten am sog. Blauensee, die Songaren in der nach ihnen benannten Songarei, die Derbeten an der Wolga und die Torgoten,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Kalmücken — Porträt eines Kalmücken. Von Ilja Repin (1871) Die Kalmücken, auch Kalmüken oder Kalmyken geschrieben, sind ein westmongolisches Volk, das heute vor allem in der Autonomen Russischen Republik Kalmückien siedelt. Der Begriff wurde schon im frühen… …   Deutsch Wikipedia

  • Kalmücken — Kalmụ̈cken   Plural, westmongolisches Volk in der Russischen Föderation, v. a. in Kalmückien, auch in den Gebieten Astrachan, Wolgograd und Rostow am Don sowie in der Region Stawropol, etwa 175 000 Angehörige. Die Kalmücken waren früher Nomaden… …   Universal-Lexikon

  • Kalmücken-Rind — Das Kalmücken Rind (Russisch: Kaлмыцкaя, Kalmyzkaja) ist eine Fleischrinderrasse ursprünglich aus der Mongolei und China, weitergezüchtet in Russland. Inhaltsverzeichnis 1 Herkunft und Zuchtgeschichte 2 Charakteristika 3 …   Deutsch Wikipedia

  • Ayuki — Khan (Namensvarianten u. a. Ayuka, Aiuk; * 1642; † 20. September 1724, reg. 1669 1724) war ein namhafter Khan der Kalmücken an der Wolga, Sohn von Puntsuk, Enkel Daichins. Inhaltsverzeichnis 1 Machtergreifung 2 Das Bündnis mit dem Zarenreich …   Deutsch Wikipedia

  • Kalmyke — Porträt eines Kalmücken. Von Ilja Repin (1871) Die Kalmücken, auch Kalmüken oder Kalmyken geschrieben, sind ein westmongolisches Volk, das heute vor allem in Kalmückien siedelt. Der Begriff wurde bereits im 14. Jahrhundert von islamischen… …   Deutsch Wikipedia

  • Kalmyken — Porträt eines Kalmücken. Von Ilja Repin (1871) Die Kalmücken, auch Kalmüken oder Kalmyken geschrieben, sind ein westmongolisches Volk, das heute vor allem in Kalmückien siedelt. Der Begriff wurde bereits im 14. Jahrhundert von islamischen… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”