Karoline Auguste, Kaiserin von Oestreich

Karoline Auguste, Kaiserin von Oestreich, verwitwete Kaiserin von Oestreich, Königin von Ungarn und Böhmen etc., höchste Schutzfrau des Sternkreuzordens, geboren den 8. Febr. 1792, zweite Tochter des Königs Maximilian Joseph von Baiern und der Maria Wilhelmine Auguste, gebornen Prinzessin von Hessen-Darmstadt. – Vortrefflich erzogen, frühzeitig schon alle die herrlichen Eigenschaften des edelsten Frauenherzens entwickelnd, durch welche sie später sich die Liebe und Verehrung ihrer Familie wie ihrer Unterthanen im höchsten Grade erbindung mit dem damaligen Kronprinzen, jetzt Könige Wilhelm von Würtemberg (von 1808 bis 1815) mit Kaiser Franz I. von Oestreich, diesen feierlichen Eintritt in einen so erhabenen Wirkungskreis sogleich mit unzähligen Wohlthaten verherrlichend. Ihre Milde, holde Leutseligkeit, natürliche Herablassung, ihre, bei jeder Veranlassung sich auf's Schönste darthuende Liebe und Sorgfalt für den hohen Gatten, gaben ihr bald den edelsten Namen einer Fürstin – Landesmutter, den keine gekrönte Frau je mit heiligerem Rechte trug. Beispiellos war der Jubel des Dankes und der Huldigung, ihr gebracht, als sie sich, nach der Todeskrankheit des Kaisers 1826, während welcher ihre treue Hingebung von ganz Wien bewundert worden, das erste Mal wieder an seiner Seite zeigte und Freudethränen weinend gleichsam sagte: Hier bringe ich euch wieder euren Vater! Liebevolle, huldreiche Fürsprecherin für jeden Bittenden, Beschützerin jedes Gekränkten, verlor sie aber auch nicht einen Augenblick das Große ihrer erhabenen Bestimmung aus dem Auge Zahllose humane Anstalten danken ihr Unterstützung, mehrere selbst das Dasein. Zu nennen hier vor Allem sind die durch sie in Wien gegründeten, allseitiger Nachahmung würdigen, Kinderbewahranstalten, jetzt vier an der Zahl, in welchen 2–6 jährige Kinder armer, hilfloser Eltern den Tag über, während nämlich diese durch Arbeit in oder außer Hause verhindert sind, der Kleinen zu pflegen, unter der trefflichsten Aussicht in hellen, schönen Gemächern und Gärten nicht nur besorgt, gereinigt, erzogen, sondern selbst geliebkost, und mit Spielen in den Himmel der Unschuld und des ersten Träumens gezogen werden, den die elterliche Stube, geschwärzt von Elend und Kummer, nicht haben kann. Auch die Stiftung zur Bildung und Belohnung treuer und geschickter Mägde hat die erhabene Wohlthäterin gegründet. Was sie bei der furchtbaren Ueberschwemmung im März 1830 gethan, was sie endlich nach so vielen schönen und trüben Tagen, deren jeden sie mit unerschöpflicher Heiterkeit und Theilnahme begleitet, am Sterbebette des unvergeßlichen Kaisers gelitten, dafür gibt es keine Sprache, wenn sie nicht in dem Namen enthalten ist, welchen ihr sogleich die hohen Ihrigen unter gerührtester Zustimmung von Millionen beilegten für immer, in dem Alles sagenden Namen – Mutter!

B –l.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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