Karoline Mathilde, Königin von Dänemark

Karoline Mathilde, Königin von Dänemark Mathilde, Königin von Dänemark, eine Fürstin, geistreich und liebenswürdig, schön und tugendhaft; aber unglücklich, wie wenige ihres Geschlechtes und Ranges, fiel als ein Opfer der härtesten Verfolgung, der boshaftesten Kabale. Kaum hatten ihr die Tage des Glückes und der Jugend gelächelt, als schon finsterer Gram, Schmach, Erniedrigung und ein früher Tod ihr Loos wurden. Geb. den 22. Juli 1751, als Tochter des Prinzen Friedrich von Wales und Schwester des nachmaligen Königs Georg III. von England, wurde sie schon in ihrem 15. Jahre mit dem König Christian VII. von Dänemark vermählt. Diese Verbindung schien im Anbeginne eine der glücklichsten von der Welt; denn die Schönheit, Huld und Leutseligkeit der jungen Königin fesselte nicht nur den König, sondern auch das Volk und den Hof. Was aber in den Augen aller Wohlwollenden ihr zum Ruhme und Verdienste gereichte, das zog ihr den Haß der beiden verwitweten Königinnen, der Großmutter Christian's, Sophia Magdalena, und seiner Stiefmutter, Juliane Marie von Braunschweig, zu. Jene, an dem steifen Hofceremoniel Ludwig's XIV. hängend, nahm Anstoß an dem jugendlich-heitern Wesen, an der Herablassung der jungen Königin; diese fürchtete für ihren Einfluß auf den schwachen Fürsten, den sie bisher größtenheils geleitet und beherrscht hatte, und so ward schon frühzeitig der Himmel der jungen Fürstin durch kleinliche Hofintriguen getrübt. So lange Karoline Christian's Liebe besaß, ertrug sie geduldig alle Feindseligkeiten dieser Art, verzieh edelmüthig und verschloß den Gram in ihre Brust; als aber in Folge jener Intriguen des Königs Neigung erkaltete, da ließ sich Karoline zu Klagen hinreißen, die, so gerecht sie auch waren, dem Haß und der Verfolgung der alten Königinnen nur neue Nahrung gaben. Dieß fiel in jene Zeit, als der talentvolle Struensee am dänischen Hofe eine glänzende Rolle zu spielen begann. Dieser, ursprünglich Leibarzt und Reisegesellschafter des Königs, stieg in dessen Gunst so schnell, daß er einen fast unumschränkten Einfluß über ihn ausübte. Durch ihn, der über den König so viel vermochte, der rasch hinter einander zum Conferenzrath, Vorleser der Königin, Minister etc. emporstieg, wollte K. ihren Einfluß auf den König, seine Liebe und dadurch einen Antheil an der Regierung, den alten Königinnen zum Trotz, wieder erlangen. Dieser Plan war nur das Werk einer erlaubten Nothwehr; sie wollte den Platz einer Königin wieder einnehmen, von dem man sie ungerechter Weise verdrängt hatte. Der Zweck ward erreicht; Struensee, als Premierminister im Besitze der obersten Gewalt, leitete von nun an alle Geschäfte im Einverständnisse mit ihr. Natürlich steigerte dieß die Erbitterung ihrer Gegner nur noch mehr; es bildete sich eine Verschwörung, an deren Spitze die Königin Juliane, des Königs Bruder, Prinz Friedrich, und der intriguante und herrschsüchtige Graf Ranzau standen. In der Nacht vom 16. Januar 1772 gedieh das Komplott zur Reise. Die Verschworenen drangen in das Schlafgemach des Königs, schüchterten den schwachen, an häufiger Geistesabwesenheit leidenden Monarchen durch Vorspiegelung einer sein Leben bedrohenden Verschwörung ein und drangen auf die Verhaftung Karolinen's, Struensee's und seines ganzen Anhangs. Christian willigte in Alles. Der rohe Ranzau, welchen Struensee früher begünstigt, welchen er als Rath und Vertrauter benutzt, der aber jetzt selbst nach dem Portefeuille dürstete, welches ihm die Gegenpartei versprach – stürzte mit gezogenem Degen in das Schlafcabinet der Königin, weckte sie mit Schimpfworten, und befahl ihr, sich anzukleiden und einen bereitstehenden Wagen zu besteigen. Mit einem Blicke übersah Karoline die schreckliche Wendung ihres Geschickes, sie nahm den Säugling, der neben ihr in einer Wiege schlummerte, auf den Arm und folgte unter Thränen dem harten Gebote. Keine ihrer Dienerinnen hatte man ihr mitzunehmen gestattet. Ein Officier brachte sie nach der Festung Kronenburg. Zu gleicher Zeit wurden auch Struensee und seine Anhänger in Ketten gelegt und ihnen als Hochverräther der Prozeß gemacht. Dieß genügte aber den Verschworenen noch nicht; ihr Verfahren sollte auch vor der Welt gerechtfertigt erscheinen, man mußte der gestürzten Königin ein Verbrechen andichten. Sie wurde eines verbrecherischen Umgangs mit Struensee beschuldigt; aber man bedurfte dazu auch eines Geständnisses. Es wurde jetzt der unglücklichen Fürstin in ihrem Gefängnisse vorgestellt, wie sie nur durch ein solches Geständniß Struensee vom Henkertode retten könne. Karoline, gebrochen an Körper- und Seelenkraft, eingedenk der Wohlthaten, welche sie Struensee zu verdanken hatte, der ihr ja den Sohn durch seine ärztliche Kunst vom Tode gerettet, wollte lieber ihren Namen befleckt, als sein Haupt unter Henkers Hand fallen sehen. Zitternd ergriff sie die Feder, zeichnete zwei Buchstaben ihres Namens; aber da empörte sich in ihr die ganze Würde reiner Weiblichkeit, sie sank ohnmächtig zu Boden. Der Vorsitzende der Commission, eine Kreatur der Gegenpartei, ergriff die Feder, vollendete den Namenszug und besiegelte das Document der Schmach. – Doch nicht genug! Die Tücke der Feinde war nicht geneigt, Wort zu halten, sie zitterte vor einem Tage der Rache; man war zu weit gegangen: Ein blutiger Akt sollte der Handlung der finstersten Bosheit den Stempel der Gerechtigkeit aufdrücken. Struensee wurde den 28. April 1772 enthauptet und sein Leib auf das Rad geflochten. Noch auf dem Blutgerüste betheuerte er laut und wiederholt seine und der Königin Unschuld und beschwur seine Aussage in die Hände des Bischofs Münter, der ihn zum Tode vorbereitet hatte. – Noch ein edleres Haupt aber sollte fallen, die herzlosen Feinde wollten auch Karolinen dem Schaffot überliefern; der englische Gesandte, Ritter Keith, jedoch hielt sie durch seine ernsten Drohungen mit der Rache Englands von diesem Vorhaben ab. Karoline wurde von dem Könige getrennt und zog nach Celle im Hannöverschen, wo sie in der tiefsten Eingezogenheit lebte und den größten Theil ihres Einkommens zu wohlthätigen Spenden benutzte. Nicht lange mehr trug sie die Last eines früh vergifteten Daseins; das Mark ihres Lebens hatte der Gram aufgezehrt, die junge Blüte welkte in der Sehnsucht nach einer neuen Heimath; die Erde konnte ihr Nichts mehr geben! Sie starb an den Folgen eines gebrochenen Herzens den 10. Mai 1775, erst 24 Jahre alt, nachdem sie vorher ihrem Beichtvater ihre Unschuld im Angesichte des Todes betheuert hatte. Die Einwohner Celle's, deren wohlthätiger Engel sie gewesen, errichteten ihr im dortigen Park ein Denkmal. Die strenge Sittenwächterin, Geschichte. hat längst den Flecken von Karolinen's Namen, welchen die Arglist und Bosheit daran geheftet, hinweggewischt, und die Schmach ist auf die Urheber ihres. Unglücks zurückgefallen. Karoline Mathilde starb den Tod einer Martyrin. Ihr Sohn, der jetzige König von Dänemark, erbte nicht das Unglück seiner Mutter, aber alle die Tugenden der Milde, Leutseligkeit des Geistes und des Gemüthes, welche sie einst schmückten! Karolinen's und Struensee's tragisches Geschick hat dem Dichter Michael Beer Stoff zu einer gelungenen Tragödie geliefert. Eine Novelle in der Penelope von Henr. von Hohenhausen behandelt dasselbe Thema, das für die Poesie jedoch noch nicht allseitig erschöpft ist.

– n.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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