Laura, Petrarka's Geliebte

Laura, Petrarka's Geliebte

Laura, Petrarka's Geliebte, die Geliebte Petrarka's, welche den großen Dichter zur glühendsten Begeisterung entflammte. Die Liebe ist wie die Religion eine Veredlerin des Menschengeschlechtes, sie steigert den Sinn für Tugend, das Gemüth zu reiner Empfindung, die geistigen Kräfte zur Erreichung des Höchsten. Jede edle Leidenschaft trug solche Früchte, viele nur für die Stille des bürgerlichen Lebens, viele aber, um Glanzpunkte auf den Tafeln der Weltgeschichte zu sein. Laura war die Tochter eines reichen Syndikus von Avignon, Audibert von Noves, heirathete in ihrem 18. Jahre (1325) einen provençalischen Edelmann, Hugo von Sades, und erschien dem jungen Petrarka im zweiten Jahre ihrer nicht sehr glücklichen Ehe in der Kirche. Strahlend im Glanze ihrer Reize, eine schlanke Gestalt mit langgeringelten blonden Locken, sein gebildeten Zügen, schwarzen, von langen Wimpern bedeckten Augen, einem kleinen Munde voll Perlen und Rosen, einem Wesen voll Anmuth, Milde und Sittsamkeit, umgeben vom Zauber der glühenden Andacht ward sie dem Dichter die Heilige seines ganzen Lebens, der Vereinigungspunkt der himmlischen und irdischen Liebe, seine Gottheit und sein Idol. Von diesem Tage an ward der Kenner der Alten ein Dichter, und die neugeborne Muse athmete unendliche Liebe, Verherrlichung der Geliebten, Sehnsucht nach der Unerreichbaren, denn die tugendhafte Gattin hielt den herrlichen Jüngling, der sie bald durch seine Gedichte zum allgemein bewunderten Gegenstande von Europa machte, in der Ferne, und wußte sein Herz, wenn es wagte, die Nähe zu suchen, in die Schranken der Ehrfurcht zurückzuweisen, in der es sich später immer bewegte. Dieß aber auch machte sie der Unsterblichkeit würdig; sie schuf den Dichter und nährte dessen Feuer bis zu der erhabenen Flamme, welche noch in die fernsten Jahrhunderte leuchten wird. Der beglückte Petrarka hätte die himmlische Erscheinung irdisch gefunden, die ewige Sehnsucht aber schuf die vielen Canzonen, wie Milton's verlorenes Paradies aus der Sehnsucht nach einer Unbekannten erstand, die, wäre sie ihm erschienen, den Flug des Geistes vielleicht auch gehemmt haben würde. Mit ernster Strenge hielt sich die Gattin eines mit Unrecht eifersüchtigen Gatten in den Schranken vollendeter Weiblichkeit und Sitte. Selten nur ward dem Schöpfer ihres, das ganze weibliche Geschlecht überstrahlenden Ruhmes erlaubt, in ihrer Nähe zu weilen, selten erquickte den liebedürstenden Mann ein kurzer Blick, dessen Reichthum ihn aber doch zu neuer Dichterglut befeuerte. Wie karg ihm die Zeichen der Liebe zugemessen waren, beweist, daß er es als die höchste Gunst der Liebe betrachtete, als eine Entzündung des rechten Auges der himmlischen Laura von ihr wich und sein rechtes Auge krankhaft ergriffen ward. Körperliche und geistige Leiden, häusliche Unannehmlichkeiten, wohl auch das bittre Gefühl, nicht an der Seite des so treu und mit glühender Begeisterung liebenden Mannes leben zu können, bleichten die Rosen Laura's, verminderte aber nicht des Geliebten Verehrung, dem sie sonst Ideal der Schönheit, jetzt Ideal der Tugend wurde. In weiter Ferne vom Sänger ihres Werthes starb sie am 6. April 1348, am Jahrestage der ersten Begegnung an der damals Europa entvölkernden Pest. Der trostlose Dichter feierte ihr Andenken bis an das späte Ende seines Lebens, in Gesängen voll Schwermuth, Rührung, Schmerz und Trauer. Die Liebe Petrarka's ist der Triumph der Treue und der veredelnden Macht der süßesten Empfindung, das Höchste und Reinste, was die Geschichte von Liebe erzählt, und selbst die gefeierte Liebe Abailiards und Heloisens sinkt vor jener in das Gebiet unlauterer Gluthen. Wer die Canzonen Petrarka's, des Fürsten erotischer Poesie, nicht las, kennt die glühende Sprache der Leidenschaft nicht.

5.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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