Lessing, Karoline

Lessing, Karoline

Lessing, Karoline, war die Tochter des königl. preuß. Stallmeisters Meitzen in Breslau, wo sie den 18. Juni 1780 geb. und erzogen wurde. Ruhe des Charakters und Neigung, ihr Inneres schriftlich in einsamen Stunden auszusprechen, zeichneten sie vor ihren Geschwistern aus, erregten aber auch die Neckereien derselben, die oft ihre harmlose Kindheit verbitterten. Im 13. Jahr verlor sie ihren Vater und der Schmerz über diesen Verlust begeisterte sie zu dem ersten Gedicht. Mit allen Regeln der Dichtkunst unbekannt, sprach doch dieser erste poetische Versuch, durch die Wahrheit und Tiefe seines Gefühls, lebhaft an. Seitdem dichtete sie öfters, mußte aber die größte Verschwiegenheit dabei beobachten, da sie sich sonst dem Spott ihrer Geschwister und dem Tadel ihrer Mutter aussetzte, welche weibliche Schriftstellerei nicht liebte. Sie war 17 Jahr, als sie an dem königl. preuß. Kriegsrath Hempel einen Stiefvater erhielt. Dieser war wissenschaftlich gebildet. Ihm vertraute sie ihre kleinen Poesien an, aber obgleich seine Urtheile darüber ermunternd ausfielen, so mochte er doch den Ansichten der Mutter nicht entgegen handeln, und verschwieg vor allen übrigen sein Lob, wie sie ihre Gedichte. Im 19. Jahr verband sich Karoline mit dem königl. würtembergischen Hofrath Lessing. Dieser liebte Literatur und Wissenschaften, besaß vielseitige Kenntnisse und eine große stellerei der Frauen, und erst nach Jahren, als er eingesehen, daß sie die Pflichten der Hausfrau und Mutter mit der gewissenhaftesten Treue übte, gestattete er ihr, ihrer Neigung zu dieser Lieblingsbeschäftigung zu folgen, wodurch ihre einsamen Stunden eine höhere Würze erhielten, und sein Beifall ihr etwas mehr Selbstvertrauen gab. Sie lebt als glückliche Gattin und Mutter von vier Kindern, von denen schon zwei Töchter verheirathet sind, ein stilles, häusliches Leben. Ihre schriftstellerischen Versuche haben sich nur selten über den engsten Kreis, der sie umgibt, hinaus gewagt, aber sie verschönern diesen, und sie widmet ihnen um so lieber ihre Musestunden, da ihr Mann diese Beschäftigung nicht mehr mißbilligt und die sämmtlich erwachsenen Kinder ihrer Pflege und Sorgfalt nicht mehr bedürfen.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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