Lumague, Marie von

Lumague, Marie von, genannt die ehrwürdige Mutter, die Lehrerin der »filles de la providence,« wurde 1599 zu Paris geb. und verband mit Anmuth Geist und Herzensgüte. Unter der Leitung des frommen Pater Lebrun bereitete sie sich zum Klosterleben vor und trat noch sehr jung in den Orden der Kapuzinerinnen. Ihre geschwächte Gesundheit aber zwang sie, noch vor Ablegung des Ordensgelübdes, das Kloster zu verlassen und sie vermählte sich, 18 Jahre alt, mit Franz Pollation, der so eben zum franz. Residenten in Ragusa ernannt worden war. Da sie sich in gesegneten Umständen befand, so konnte sie ihren Gemahl nicht nach ihrem neuen Bestimmungsorte begleiten; sie wollte ihm folgen – aber die Nachricht von seinem Tode überraschte sie noch vor der Abreise. Alle neuen Heirathsanträge lehnte sie ab und widmete sich bloß der Erziehung ihrer Tochter. Die Herzogin von Orleans, unterrichtet von den Tugenden und Geistesgaben der Fr. v. Lumague, erwählte sie zur Ehrendame und vertraute ihr die Erziehung ihrer Kinder. Nachdem diese vollendet war, kehrte sie in ihre Einsamkeit zurück, und als sich ihre Tochter vermählte, war sie lediglich darauf bedacht, das Gelübde zu erfüllen, welches sie dem heil. Vincenz von Paula abgelegt. Sie gründete 1630 das Institut der »filles de la providence,« eine Unterrichtsanstalt für arme Landmädchen; die Anzahl derselben wurde auf 33 bestimmt. Frau von Lumague brachte sie auf den Dörfern und in der Umgegend von Paris unter, wo diese braven Mädchen in kurzer Zeit überraschende Fortschritte machten. Das einzige Glück der würdigen Frau bestand seit langer Zeit im Wohlthun; aber die Summen, welche sie besaß, reichten lange nicht hin, zur kräftigen Fortführung des von ihr begründeten Institutes, allein edle Menschen unterstützten sie, und die Königin Regentin wurde endlich Beschützerin der Anstalt und räumte derselben ein Haus in dem Faubourg St. Marcel ein. Beruhigt über das Schicksal ihrer Zöglinge, richtete die edle Dame ihre Blicke nach einer andern Seite. Ihre ganze Sorgfalt wandte sie nun in Gemeinschaft mit dem heil. Vincenz, der Versorgungsanstalt der sogenannten »Nouvelles-Catholiques,« welche Turenne gegründet hatte. Sie lebte in Rouen (wo sich ihr Institut befand), als sie das Ende ihrer Tage fühlte. Ihr einziger Wunsch war, zu Paris im Kreise ihrer Töchter, der armen Mädchen, welchen sie zwiefache Mutter war, zu sterben. Als sie aus dem Wagen stieg, fühlte sie sich so angegriffen, daß sie verlangte, nach der Kirche getragen zu werden, was sogleich geschah; hier empfing sie die Sacramente der Sterbenden und verschied den 6. December 1657. Ihr erster Lehrer, Pater Lebrun, hielt ihr die Exequien. Die ersten Personen von Paris folgten dem Leichenzuge. Ihr Andenken blieb geehrt, ihr Wirken gesegnet. Der fromme Glaube ließ sie nach dem Tode Wunder wirken. Die schönsten Wunder wirkte sie im Leben: sie hat Vielen wohlgethan, der Same des Guten, den sie gestreut – wuchs segensreich fort. B.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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