Lussan, Margarethe von

Lussan, Margarethe von

Lussan, Margarethe von, Margarethe von, eine geistreiche Französin von unbekannter Herkunft, aber hochgestellt durch persönliche Liebenswürdigkeit und ungewöhnliche Talente. Sie wurde 1682 zu Paris geboren. Einige Schriftsteller nennen sie die uneheliche Tochter eines Kutschers, Andere geben ihr den Prinzen von Savoyen, Bruder des berühmten Eugen, zum Vater. Letzteres ist wahrscheinlicher; denn der Prinz nahm sich ihrer schon in zarter Kindheit mit einer fast väterlichen Zärtlichkeit an, ließ ihr eine glänzende Erziehung geben und führte sie in die elegante Welt ein. Hier imponirte das 15jährige Mädchen durch einen entschiedenen Mangel an Schönheit, dagegen aber auch durch Anmuth, Geist und den Zauber einer kindlichen Naivetät, durch Wohlwollen, Großmuth und Innigkeit. Die Prinzen von Condé und Conti wurden ihre Freunde und behandelten sie mit dem ausgezeichnetsten Wohlwollen. In dieser Zeit wurde sie auch mit dem gelehrten Huet, Bischof von Avranches, bekannt. Er war es, der ihre lebhafte Phantasie erweckte, und ihr rieth, die schriftstellerische Laufbahn einzuschlagen, was damals, wenn es mit Erfolg geschah, für den höchsten Triumph einer Dame galt. Die »Geschichte der Gräfin von Condés,« ihr erstes Werk, welches 1730 erschien, machte Aufsehen und documentirte ihren Beruf zur Dichtkunst. Allgemein glaubte man und Neider behaupteten es, ein Edelmann de la Serre, Verf. mehrerer dramatischer Werke, habe dem Fräulein Lussan bei Ausarbeitung des Romans geholfen; aber ihre spätern Schriften anullirten diese Vermuthung. Mit de la Serre lebte Margarethe bis an seinen Tod (er wurde fast 100 Jahre alt) in der innigsten und traulichsten Verbindung. Er besaß zwar nicht ihre Hand, aber ihr Herz: ein Verhältniß, an welchem man in damaliger Zeit, namentlich unter den höhern sich auf eine sehr fruchtbare Weise und in verschiedenen Gattungen der Darstellung. Sie hat eine lange Reihe von Biographien, Historien, Anekdoten, Annalen und Memoiren, worunter sich besonders die »Anecdotes de Philippe-Auguste; les vieilles de Thessalie; les annales galantes de Henri II.; histoire de Marie d' Angleterre etc. auszeichnen, herausgegeben. Gleichzeitige Schriftsteller rühmen ihre Phantasie, die Wärme der Darstellung, Klarheit und das Leben der Composition in ihren Schriften. Sie starb zu Paris den 31. Mai 1758. I.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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