Münchhausen, Marie Luise Eleonore von

Münchhausen, Marie Luise Eleonore von, Marie Luise Eleonore, Freiin von, die Tochter des hessischen Hofmarschalls von Münchhausen in Kassel. geb. 1782, verband sich aus inniger Zuneigung mit dem Freiherrn Karl Heyno von Münchhausen 1802 und vertauschte dadurch das glanzvolle Leben im elterlichen Hause mit einem sehr bescheidenen, aber durch die Liebe verschönten Loose. Sie begleitete ihren Gatten, der Militair war, in seinem bewegten Leben, tröstete ihn, als während der franz. Invasion das hessische Heer entwaffnet wurde, und trug Vieles zu seiner Rettung bei, als er 1809 beschuldigt ward, Theil an der Dörnberg'schen Verschwörung genommen zu haben. Um nicht den Feinden seines Vaterlandes zu dienen, nahm er später eine kleine Oberförsterstelle in der Grafschaft Schaumburg an. Hier verlebten die Gatten in stiller Zurückgezogenheit, bis zu Napoleons Sturze, einige sehr zufriedene Jahre, und Münchhausen lernte den Werth seiner Gattin immer höher schätzen, je mehr ihr gebildeter Geist ihm klar wurde, der neben weiblichem Fleiße in der Haushaltung, noch Zeit genug fand, durch angemessene Beschäftigungen sich immer mehr zu entwickeln und zu bereichern. Liebe für Dichtkunst, Scharfsinn und ein richtiges Urtheil waren ihr immer eigen gewesen. Jetzt versuchte sie selbst zu dichten, und ihr Talent dazu trat so entschieden hervor, daß ihr Gatte ihre Bescheidenheit überwand, und sie bewog, einige Proben, die durch ihren tiefen gemüthlichen Inhalt, die Feinheit der Gedanken und eine edle Sprache sich ganz besonders auszeichneten, drucken zu lassen. Sich dabei zu nennen, war so ganz gegen ihr Gefühl, daß sie nicht dazu zu bewegen war. Sie wählte den Namen Heimchen und ihre poetischen Versuche, die zuerst im Raßmann'schen Almanach erschienen, fanden so viel Beifall, daß die Redactionen mehrerer Zeitschriften sich bemühten, Beiträge von ihr zu erhalten. Die bescheidene Dichterin aber wurde durch das Aufsehen, das ihre Gedichte machten, mehr beschämt, als ermuntert, und ob sie gleich fortfuhr, den Musen zu huldigen, so vermied sie doch das öffentliche Bekanntmachen ihrer Poesien, so sehr sie konnte. Nur um ihrem geliebten Manne zu willfahren, der sich an dem Lobe erfreute, das ihr gespendet wurde, ließ sie hier und da einiges, was in Stunden der Begeisterung ihr entströmte, drucken, und seine Anerkennung und Zufriedenheit war das höchste Ziel, wonach sie strebte.

A.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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